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Übernahme von Red Hat IBMs teure Wette auf die Cloud

Der IT-Branchenriese bietet 190 Dollar pro Aktie in bar. Der Softwarehersteller Red Hat soll helfen, dass IBM im Zukunftsgeschäft nicht den Anschluss verliert.
Update: 29.10.2018 - 18:30 Uhr Kommentieren
Die Red-Hat-Übernahme könnte IBM zur Nummer eins im IT-Geschäft machen. Quelle: dpa
IBM-Zentrale in München

Die Red-Hat-Übernahme könnte IBM zur Nummer eins im IT-Geschäft machen.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Seit Jahren muss Ginni Rometty immer wieder bohrende Fragen beantworten. Wie kann IBM im Wettbewerb mit Amazon, Microsoft und Google relevant bleiben? Und welche Geschäftsfelder sollen nach dem jahrelangen Niedergang wieder Wachstum bringen?

Nun gibt die IBM-Chefin eine Antwort, die es in sich hat: Sie kündigte die teuerste Übernahme der Geschichte des amerikanischen IT-Konzerns an. IBM will den Softwarespezialisten Red Hat für 34 Milliarden Dollar kaufen. Es wäre der bisher größte Deal in der Softwareindustrie, wenn Aktionäre und Kartellbehörden denn zustimmen.

Rometty versucht mit dem Kauf einen Befreiungsschlag, um das zuletzt schwächelnde Geschäft von IBM wieder nach vorn zu bringen. Sie will mit dem Kauf das Cloud-Computing stärken, also eines jener Geschäftsfelder, in denen die Managerin die Zukunft sieht. Red Hat bietet Lösungen an, mit denen Firmen die Kapazitäten im eigenen Rechenzentrum mit den Plattformen von Cloud-Dienstleistern kombinieren können. Beide Firmen passen strategisch zusammen – der Preis ist aber enorm hoch.

Mit Red Hat übernehme IBM einen „Giganten“ in Sachen Open Source, sagt René Buest, Analyst beim Marktforscher Gartner. Das Unternehmen aus North Carolina habe es geschafft, offene, lizenzfreie Software kommerziell zu vermarkten: Es bietet für Geschäftskunden angepasste Versionen der grundsätzlich kostenlosen Programme an, inklusive Erweiterungen und Dienstleistungen.

Vor 25 Jahren machte sich Red Hat mit einem Betriebssystem für Rechenzentren einen Namen, das auf der Software Linux basierte. Als um die Jahrtausendwende das Cloud-Computing an Bedeutung gewann, entwickelte das Unternehmen Lösungen für die IT aus der Datenwolke – die Kunden greifen dabei auf Rechenleistung, Speicherplatz und Programme bei Dienstleistern zu.

Das ist ein großes Geschäft geworden. Im Geschäftsjahr 2018 bis Ende Februar stieg der Umsatz von Red Hat um 21 Prozent auf 2,9 Milliarden Dollar, der Betriebsgewinn um 42 Prozent auf 470 Millionen Dollar – wenn auch der Nettogewinn mit 259 Millionen Dollar praktisch stagnierte. In den beiden vergangenen Quartalen enttäuschte das Unternehmen allerdings die Erwartungen der Analysten und Aktionäre, der Kurs sank seit Juni um rund 30 Prozent.

Was Red Hat für IBM besonders macht: Der Softwarespezialist hat mit „Open Shift“ eine Lösung entwickelt, mit der Kunden verschiedene Arten von Anwendungen effizient verwalten können. Zudem können sie auf der Plattform eigene Programme entwickeln – einerseits, um alte Programme, die zuvor im eigenen Rechenzentrum liefen, in die Cloud zu bringen. Andererseits, um neue Projekte schnell umzusetzen.

„Unternehmen können mit den ‚Open Shift‘-Lösungen von Red Hat die Vorteile der Cloud nutzen, ohne sich von einzelnen Anbietern abhängig zu machen“, erklärt Gartner-Analyst Buest. „Sie haben die Möglichkeit, Anwendungen zwischen den Plattformen hin- und herzubewegen oder auch wieder ins eigene Rechenzentrum zu holen.“

Diese Lösung fügt sich in die Strategie von IBM ein. Der Konzern betont die Bedeutung von Hybridlösungen, bei denen eigene IT-Kapazitäten mit Cloud-Diensten kombiniert werden. So gibt es einen „Multicloud Manager“, der eine einheitliche Bedienkonsole hat, sowie Software, die Kunden im eigenen Rechenzentrum laufen lassen können. Diese kommt zum Beispiel bei einem Projekt mit mehreren Krankenkassen zum Einsatz, die eine digitale Akte entwickeln – die sensiblen Daten behalten sie unter eigener Kontrolle.

Es ist eine Strategie, die aus der Not eine Tugend machen soll. Die Konkurrenten von IBM haben einen großen Vorsprung: Im Infrastrukturgeschäft hielt Amazon 2017 einen Marktanteil von 32 Prozent, Microsoft von 8,5 Prozent, wie Gartner ermittelt hat. IBM lag mit 2,1 Prozent abgeschlagen dahinter. Der Konzern selbst taxierte den Umsatz mit dem Cloud-Computing im Geschäftsjahr 2017 zwar auf 17 Milliarden Dollar, bezog dabei aber beispielsweise Hardwarekomponenten ein.

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Analysten halten Red Hat für ein Unternehmen, das strategisch gut zu IBM passt. Der Konzern suche eine Nische im Cloud-Markt, sagt Gartner-Analyst Buest – etwa indem er Kunden mit großen Teams für Beratung und Systemintegration bei der Einrichtung und Einbindung von Lösungen helfe. Allerdings ist die Konkurrenz groß. „Alle Anbieter haben mittlerweile hybride Lösungen im Angebot – sie wissen, dass sie Brücken bauen müssen“, sagt Buest.

Hohe finanzielle Belastung

Ein Trend könnte IBM helfen: Die Skepsis gegenüber der Cloud wachse, beobachtet Holger Müller, Analyst bei Constellation Research. Das habe mit IT-Sicherheit, Datenschutz und Sorgen um Leistungseinbußen zu tun.

Daher könne IBM langfristig ein wichtiges Betriebssystem für die Verwaltung von Rechenzentren und Cloud-Diensten entwickeln – ähnlich wie vor 30 Jahren, als der Konzern mit OS/2 ein Betriebssystem für PCs anbot, allerdings den Wettbewerb mit Microsoft verlor. „Manchmal bietet die Geschichte eine weitere Chance“, meint Müller.

Finanziell bedeutet der Deal indes eine große Belastung. IBM zahlt rund ein Drittel des eigenen Börsenwerts, und zwar in Cash. Die 33 Milliarden Dollar entsprechen dem 50-fachen Betriebsgewinn von Red Hat – einen ähnlichen Wert erreichen nur einige wenige Cloud-Anbieter wie Salesforce. Firmen wie Microsoft und Adobe sind trotz starken Wachstums deutlich niedriger bewertet.

Die Ratingagentur Moody’s will nach dem Deal die Bewertung des IT-Konzerns überprüfen und verweist auf die höhere Verschuldung. Die Übernahme sei eine Abkehr von der bisherigen Philosophie, „kleine, ergänzende Übernahmen mit geringem Integrationsrisiko“ anzugehen. Mit 12.600 Mitarbeitern ist Red Hat in der Tat ein großer Brocken.

Der Deal unterstreicht, welche Bedeutung Open Source für die Technologiewelt hat. Erst kürzlich schloss Microsoft die 7,5 Milliarden Dollar teure Übernahme von Github ab, einer Plattform, auf der Programmierer quelloffene Codes gemeinsam entwickeln und austauschen. Gerade in der Cloud geht es nicht ohne Open Source – damit liegt Rometty auf jeden Fall richtig.

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