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Übertragung von Fußball-Partien Bundesliga will illegale TV-Übertragungen unterbinden – mithilfe eines Start-ups

Die DFL investiert in das hochspezialisierte Start-up Ryghts, um Piraterie besser in den Griff zu bekommen. Geld fließt bei der neuen Beteiligung nicht – aus gutem Grund.
So will die Bundesliga illegalen Übertragungen ein Ende machen Quelle: AFP
BVB vs. Bayern

Der Medien-Branchenverband Vaunet hat vergangenes Jahr ermittelt, dass 1,9 Millionen Personen in Deutschland regelmäßig unerlaubt Live-TV-Signale nutzen.

(Foto: AFP)

München Das höchste Gut der Bundesliga sind die Übertragungsrechte. Sie spülen jedes Jahr Hunderte Millionen Euro in die Kassen der 36 Profi-Klubs. Immer häufiger allerdings werden Fußballspiele unerlaubt übers Internet übertragen oder Ausschnitte davon auf Online-Plattformen verbreitet. Um das zu stoppen, beteiligt sich der Ligaverband DFL jetzt an Ryghts, einem Start-up, das der Piraterie ein Ende machen will.

„Die illegalen Übertragungen sind schlecht für die Ligen, für Medienpartner und auch für die Zuschauer. Denn die bezahlen im besten Fall mit ihren Daten. Oft genug aber holt man sich einen Virus oder wird sogar gehackt“, sagte DFL-Chef Christian Seifert dem Handelsblatt.

Das Kölner Unternehmen Athletia ist seit vier Jahren dafür zuständig, illegale Aufzeichnungen auf Plattformen wie Facebook und Youtube aufzuspüren und löschen zu lassen. Die Erfolgsquote liegt bei 90 Prozent. Damit ist die DFL hochzufrieden. Um verbotene Sendungen über Internet-TV hingegen kümmern sich andere Dienstleister im Auftrag des Ligaverbands, mit wesentlich schlechteren Trefferquoten.

Das soll sich nun ändern. Denn gemeinsam mit der DFL gründet Athletia das Start-up Ryghts. Es soll künftig illegale Fernsehübertragungen eindämmen. Die DFL erhofft sich von Ryghts eine deutlich bessere Aufklärung als von den bisherigen Auftragnehmern und übernimmt daher 15 Prozent der Anteile. Es fließt aber kein Geld. Stattdessen garantiert die Liga über sechs Spielzeiten hinweg einen jährlichen Auftrag von rund einer Million Euro.

„Das Engagement ist unmittelbar relevant für unser Kerngeschäft“, unterstrich Seifert. Rund ein Drittel vom Umsatz erwirtschaften die Vereine der Ersten und Zweiten Bundesliga mit den Übertragungsrechten, die sie an Sender wie Sky Deutschland, DAZN oder die ARD verkaufen. In den nächsten Monaten werden die Rechte für die Spielzeiten ab Sommer 2021 ausgeschrieben.

Der Medien-Branchenverband Vaunet hat vergangenes Jahr ermittelt, dass 1,9 Millionen Personen in Deutschland regelmäßig unerlaubt Live-TV-Signale nutzen. Fußball steht dabei ganz oben in der Gunst – auf den Sport entfallen mehr als 40 Prozent der unrechtmäßigen Sendungen. Den Medienunternehmen entgingen damit Einnahmen von mehr als 430 Millionen Euro pro Jahr, so Vaunet.

Die TV-Stationen und zunehmend auch Internet-Unternehmen sind die Geldgeber der DFL, weil sie für die Rechte bezahlen. „Für private Medienanbieter kommen die illegal gekaperten, veränderten und am Rechteinhaber vorbei vermarkteten TV-Signale einer Enteignung gleich“, beklagt Vaunet-Manager Frank Giersberg. Die DFL hat daher ein großes Interesse, die Piraterie zu bekämpfen.

In den sozialen Medien hat Athletia vergangene Saison mehr als 50.000 illegale Live-Streams der Bundesliga ausfindig gemacht. Die Kölner arbeiten inzwischen für Ligen weltweit. Auch das Angebot von Ryghts könnte künftig für viele ausländische Sportveranstalter attraktiv sein, meint DFL-Manager Seifert: „Sämtliche Ligen weltweit investieren viel Zeit und Geld, um ihre Rechte zu schützen.“

Daher habe Ryghts gute Chancen, global zu wachsen, auch in anderen Bereichen der Medienbranche. „Das wird nicht auf Sport begrenzt bleiben“, meint Seifert.

DFL will nicht als klassischer Finanzinvestor auftreten

Ryghts sei die logische Erweiterung von Athletia, findet Geschäftsführer Lukas Klumpe. Es sei sehr erfreulich, „die langjährige Zusammenarbeit mit der DFL auf ein neues Level zu heben und dieses für die Industrie essenzielle Thema nun gemeinsam zu entwickeln.“

Es ist erst das zweite Mal, dass sich die Bundesliga an einem Start-up beteiligt. Vergangenen Herbst erwarb die DFL zehn Prozent am jungen israelischen Unternehmen Track 160. Die Firma entwickelt ein elektronisches System, mit dem sich die einzelnen Körperteile der Fußballspieler und der Ball verfolgen lassen. Das optische Verfahren soll eines Tages für die Spielanalyse eingesetzt werden, für die Sportmedizin, aber auch, um virtuelle Bilder von Spielszenen aus unterschiedlichen Perspektiven zu erzeugen.

Ziel der Vereinigung ist es, ein ganzes Portfolio an Beteiligungen aufzubauen. Bis die DFL nennenswerte Einnahmen mit Start-ups erzielt, wird es noch ein paar Jahre dauern. Seifert sprach im Herbst von einem Zeitraum von drei bis sieben Jahren, über die er die jungen Firmen halten will.

Die DFL hat dabei nicht vor, wie ein klassischer Finanzinvestor aufzutreten. Vielmehr will die Klubvereinigung jungen Firmen auf Feldern weiterhelfen, wo es andere Investoren nicht können. Finanzmittel seien derzeit nicht der Engpass der Gründer. Eher schon fehlten ihnen die richtigen Netzwerke, so Seifert.

Track 160 kassierte deshalb kein Geld von der DFL. Stattdessen bekam Gründer Miky Tamir Zugang zum gewaltigen Spieldatenbestand und dem TV-Archiv der Bundesliga. Zudem bietet die DFL den Zugang zu den Bundesliga-Klubs – und damit zu vielen prominenten potenziellen Kunden.

„DFL for Equity“ nennt sich das Start-up-Programm der Bundesliga. Manager Seifert hat sich dabei Pro Sieben Sat 1 zum Vorbild genommen. Der Medienkonzern hat schon vor Jahren damit begonnen, Werbezeiten gegen Unternehmensanteile abzugeben. Der nächste Deal scheint bereits weit fortgeschritten. Seifert: „Im zweiten Halbjahr soll noch ein weiteres Investment dazukommen.“

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