Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Umfrage So sehen Europas Medien den Brexit

Die Europäer haben keine Angst vor dem Brexit - zu diesem Schluss kommt eine Analyse führender europäischer Medien. Besonders ein Land ist extrem selbstbewusst.
02.07.2018 - 00:01 Uhr Kommentieren
Am gelassensten sind laut der Studie die französischen Medien. Quelle: Reuters
Brexit

Am gelassensten sind laut der Studie die französischen Medien.

(Foto: Reuters)

London Europas Medien verfolgen den Brexit mit Interesse, befürchten aber kaum negative Folgen für ihre eigenen Länder. Das geht aus einem Bericht des Reuters-Instituts für Journalismus-Studien hervor, der am Montag in Oxford veröffentlicht wird. Man sehe „großenteils selbstbewusste europäische Länder, die sich nicht im geringsten durch den Brexit bedroht fühlen“, schreiben die Autoren.

Untersucht wurde die Brexit-Berichterstattung von September 2017 bis März 2018 in Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien, Polen, Schweden, Griechenland und Irland. Als Grundlage dienten in jedem Land zwei Zeitungen, ein politisches Magazin, eine Fernsehsendung und ein Online-Medium. In Deutschland waren dies FAZ, Süddeutsche Zeitung, der Spiegel, die Tagesschau und Bild Online.

Die größten Brexit-Sorgen macht sich Irland. Das ist wenig überraschend, ist es doch als einziger Nachbar mit einer Landgrenze direkt vom EU-Austritt der Briten betroffen. Daher ist auch das Interesse an allem rund um den Brexit in Dublin am größten: 40 Prozent aller europäischen Beiträge in dem untersuchten Zeitraum erschienen in irischen Medien, viele davon drehten sich um die Folgen für Irland.

Am zweithöchsten ist das Interesse am Brexit in Deutschland. 14 Prozent aller Beiträge erschienen in deutschen Medien. Die Folgen für die deutsche Wirtschaft oder die EU nahmen in der Berichterstattung jedoch einen vergleichsweise kleinen Raum ein. 70 Prozent der deutschen Beiträge thematisierten den Brexit als Problem für die britische Wirtschaft.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Am gelassensten sind laut der Studie die französischen Medien. In Paris wurde nur halb so viel über den Brexit geschrieben wie in Deutschland, und es herrscht der Eindruck vor, dass der EU-Austritt der Briten eher gut als schlecht für Frankreich sei.
    Nimmt man Irland als Sonderfall heraus, werden die Auswirkungen des Brexit für das eigene Land nur in neun Prozent der europäischen Artikel erwähnt.

    Die Autoren konstatieren daher einen „Mangel an Sorge“ auf dem Kontinent. Seit Jahresbeginn scheint zudem das Interesse in Europa zu sinken: Die Zahl der Artikel ist leicht gesunken. Das könnte allerdings auch damit zusammenhängen, dass die Verhandlungen seitdem nicht vorangekommen sind.

    Inhaltlich wird der Brexit vor allem als ökonomisches Thema wahrgenommen. Die meisten Beiträge in Europas Medien drehen sich um Wirtschaft und Handel (seit Jahresbeginn zwei Drittel). Für die Sicherheitszusammenarbeit nach dem Brexit gibt es hingegen kaum Interesse. Dabei sieht die britische Regierung dies als einen ihrer Trümpfe in den Verhandlungen.

    Brexit: der weitere Ablauf

    Nachdem die Austrittserklärung von Großbritannien nun offiziell beim Europäischen Rat eingegangen ist, fängt die Uhr an zu ticken. Zwei Jahre sind in den EU-Verträgen für die Austrittsverhandlungen vorgesehen. Die zu erwartenden Termine im Einzelnen:

    1. April 2017

      In Brüssel werden Leitlinien für die Austrittsverhandlungen festgelegt. Wichtiger Punkt dürfte sein, ob aus Sicht der Europäer gleichzeitig über das Austrittsabkommen und ein Abkommen über die zukünftigen Beziehungen verhandelt werden soll. Zudem ist noch unklar, ob Brüssel Großbritannien bereits jetzt eine Abschlussrechnung über rund 60 Milliarden Euro präsentieren will. Das europäische Parlament wird dann eine Resolution über die Richtlinien verabschieden. Am 29. April dürfte ein EU-Sondergipfel stattfinden.

    2. Mai 2017

      Nach Abschluss der Wahlen in Frankreich, werden wohl Mitte Mai die ersten Gespräche zwischen der EU und Großbritannien abgehalten werden. Auch dabei dürfte es noch um Formalitäten wie die Verhandlungssprache und den Ort der Gespräche gehen.

    3. Herbst 2017

      Die tatsächlichen Verhandlungen werden Experten zufolge frühestens im Herbst beginnen, nach den Wahlen in Deutschland.

    4. Herbst 2018

      18 Monate nachdem die britische Premierministerin Theresa May den Austritt aus der EU beantragt hat, sollte Schluss sein, wie EU-Politiker Michel Barnier angekündigt hatte: Schließlich müssen die Resultate aus den Gesprächen in mindestens 20 EU-Mitgliedsländern, dem europäischen Parlament und in Großbritannien ratifiziert werden. Dafür seien sechs Monate einzuplanen. Viele Experten halten es aber für unrealistisch, dass die Verhandlungen bis dahin zu einem Ergebnis geführt haben.

    5. März 2019

      46 Jahre und drei Monate nach dem Eintritt in die EU endet die Mitgliedschaft Großbritanniens - wenn der Zeitraum für die Verhandlungen nicht mit Zustimmung aller Beteiligten verlängert wird oder der Austrittsprozess von Seiten Großbritanniens abgebrochen wird. Ist der Austritt erst einmal vollzogen, müsste die Insel wieder formal Antrag auf EU-Mitgliedschaft stellen.

    Auch Fragen zu demokratischer Souveränität und Freizügigkeit in der EU, beides zentrale Punkte der Brexiteers auf der Insel, spielen in den Medien auf dem Kontinent keine große Rolle.

    Drei Viertel der europäischen Kommentatoren sprechen sich gegen den Brexit aus. Ähnlich viele kritisieren die Verhandlungsführung der britischen Regierung. Am stärksten ist die Anti-Brexit-Stimmung in Griechenland, Spanien, Schweden und Irland.
    Als handelnde Akteure in der Brexit-Debatte werden die britischen Konservativen auf der einen Seite und EU-Chefunterhändler Michel Barnier auf der anderen Seite am meisten zitiert und erwähnt.

    Am häufigsten zitiert wird Premierministerin Theresa May (19,3 Prozent), gefolgt von Barnier (12,3 Prozent). EU-Regierungschefs wie Angela Merkel und Emmanuel Macron hingegen werden weder häufig zitiert noch erwähnt (je rund ein Prozent). Das deutet nach Meinung der Autoren darauf hin, dass die Strategie der Europäer aufgegangen ist und sie eine einheitliche Front bilden, die von Barnier vertreten wird.

    Startseite
    Mehr zu: Umfrage - So sehen Europas Medien den Brexit
    0 Kommentare zu "Umfrage: So sehen Europas Medien den Brexit "

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%