United-Internet-Chef Ralf Dommermuth „Die Übernahme von Unitymedia ist nicht genehmigungsfähig“

Die Übernahme von Unitymedia durch Vodafone krempelt den Telekom-Markt um. United-Internet-Chef Ralph Dommermuth verrät, wie er von dem Deal profitieren will.
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Der United-Internet-Chef hofft, vom Unitymedia-Vodafone-Deal profitieren zu können. Quelle: dpa
Ralph Dommermuth

Der United-Internet-Chef hofft, vom Unitymedia-Vodafone-Deal profitieren zu können.

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DüsseldorfRalph Dommermuth arbeitet derzeit so viel wie schon lange nicht mehr. Seit Jahresanfang ist der Chef und Großaktionär von United Internet auch CEO der Telekommunikations-Tochter 1&1 Drillisch. Zudem ordnet sich der Telekommunikationsmarkt in Deutschland derzeit neu - und Dommermuth arbeitet hart dafür, die Marktposition von 1&1 zu verbessern.

Herr Dommermuth, die Telekom hat Ende vergangener Woche noch einmal bekräftigt, ab 2021 nun Glasfaser bis in die Häuser legen zu wollen. Was halten Sie davon?
Wir haben vor einiger Zeit vorgeschlagen, die Glasfaser-Investitionen der Telekommunikations-Unternehmen zu bündeln, damit wir den flächendeckenden Ausbau schnellstmöglich vorantreiben können. Das funktioniert aber nur, wenn alle mitmachen oder sich zumindest bereiterklären ein gemeinsames Netz angemessen zu nutzen.

Warum gemeinsam?
Man benötigt in der Regel mindestens 40 Prozent der versorgten Haushalte für eine rentable Auslastung. Auf diese Zahl kommt aufgrund ihrer Größe derzeit nur die Telekom, aber die hat schon vor längerer Zeit erklärt, den flächendeckenden Ausbau nicht alleine stemmen zu wollen. Unser Vorschlag war, gemeinsam in einer ersten Stufe 60 Prozent des Landes auszubauen. Anschließend, in einer zweiten Stufe, den Rest.

Wie hat die Telekom auf ihr Angebot reagiert?
Wir haben bis heute kein Feedback bekommen. Aber die Ankündigung für den Glasfaserausbau auf dem Kapitalmarkttag am letzten Donnerstag macht deutlich: Die Telekom will lieber ihren eigenen Weg gehen. Bitte verstehen Sie das nicht falsch – grundsätzlich finde ich jede Glasfaser-Investition gut. Und es ist auch gut, dass sich die Telekom nun endlich für Glasfaser bis in die Häuser einsetzt.

Aber?  
Die Ankündigung der Telekom ist nicht verbindlich und der Ausbau dauert viel zu lange. Er schafft keine Planbarkeit für Unternehmen und Bürger. Und er wird Deutschland auch nicht das bringen, was sich die Bundesregierung vorgenommen hat, nämlich an die Weltspitze der digitalen Infrastruktur zu kommen. Vor allem nicht mit den Investitionssummen, mit denen die Telekom plant.

Wie meinen Sie das?
Auf dem Kapitalmarkttag hat die Telekom gezeigt, dass sie ihre Investitionen in Deutschland nicht erhöhen will, sondern den Glasfaserausbau durch Umschichtungen finanzieren möchte. Sie rechnet mit durchschnittlich 1000 Euro Kosten für den Anschluss eines Haushaltes.

Ist das realistisch?
Dieser Betrag kommt vielleicht in städtischen Gebieten mit einer dichten Mehrfamilienhaus-Bebauung hin, aber in kleineren Städten schon nicht mehr und erst recht nicht auf dem Land. Aber da will die Telekom ja auch nicht vorrangig investieren, sondern vor allem in den Gebieten, in denen sie bereits Kunden an Kabel- und alternative Glasfaseranbieter verloren hat und die sie nun zurückgewinnen will.

Aus unternehmerischer Perspektive macht das Sinn. Warum sollte die Telekom zunächst dort ausbauen, wo sie eine komfortable Marktposition hat?
Ja, das ist völlig richtig. Ich stelle lediglich fest, dass damit das Ziel der Bundesregierung nicht erreicht wird. Denn das ist Flächendeckung in ganz Deutschland und nicht einerseits mehrere Gigabitnetze in Städten und andererseits kein Highspeed-Internet in ländlichen Regionen.

Die Telekom argumentiert, sie hat eben diese Kluft zwischen Land und Stadt verkleinert, indem sie durch den Einsatz von Vectoring nun rund 80 Prozent der Haushalte Internet mit bis zu 50 Megabit die Sekunde anbieten kann. Viele von denen bekamen vorher deutlich weniger.
Diese Argumentation stimmt für gestern und heute, nicht aber für die Zukunft. Vectoring ist eine gute Übergangstechnologie und funktioniert millionenfach. Aber zur Wahrheit gehört auch, dass diese Technologie den anstehenden Glasfaserausbau bremst. Sie verstopft den Markt. Denn Unternehmen, die Glasfaser ausbauen, erreichen in Vectoring-Gebieten nicht die Marktanteile, die sie brauchen, damit sich der Ausbau lohnt. Denn dort wollen viele Kunden wegen der getunten Kupferkabel-Hausanschlüsse noch nicht zu einem Glasfaseranbieter wechseln, der zwar nahezu unbegrenzte Bandbreiten bieten kann, aber auch teurer ist, weil er eben vorher in den Glasfaserausbau investieren musste.

Das gleiche Argument gilt für den Wettbewerb mit Kabelanbietern: Auch die müssen nicht ausbauen, können aber hohe Geschwindigkeiten anbieten. Was halten Sie von der geplanten Übernahme von Unitymedia durch Vodafone?
Dadurch würde ein Duopol entstehen, im Festnetz wie im Mobilfunk. Vodafone und Telekom könnten dann als einzige Anbieter in Deutschland beides flächendeckend anbieten. Und sie hätten für die Zukunft einen uneinholbaren Vorteil, weil sie den nächsten Mobilfunkstandard 5G wegen ihrer weiträumigen Festnetz-Infrastrukturen viel schneller ausbauen können als andere Anbieter. Denn 5G benötigt aufgrund deutlich kleinerer Funkzellen viel mehr Antennenstandorte als bisherige Funknetze. Deswegen ist die Übernahme von Unitymedia nicht genehmigungsfähig; wenn überhaupt dann nur mit weitreichenden Auflagen.

Sagen Sie das, weil sie begründete Hoffnung haben, dass Vodafone vielleicht sein Kabelnetz für Wettbewerber wie United Internet öffnen muss?
Nicht nur das Kabelnetz, auch das Mobilfunknetz muss dauerhaft geöffnet werden. Ansonsten haben regionale Telekommunikationsunternehmen und mittelständische Kabelanbieter demnächst keine Chance mehr im Wettbewerb, denn der wird über Konvergenzprodukte entschieden werden. In anderen europäischen Ländern nutzen schon 80 Prozent der Kunden Bündelangebote aus Festnetz und Mobilfunk und auch in Deutschland nimmt dieser Trend stetig zu. Wenn ein Unternehmen das zukünftig nicht anbieten kann, wird es in Bedrängnis kommen.

Sie mieten gerade weite Teile des Telekom-Netzes. Würden Sie dann zu Vodafone wechseln?
Das ist eine Frage von Preis und Leistung. Wenn beides stimmt, werde ich natürlich eine unternehmerische Entscheidung treffen. Wir mieten übrigens schon heute die sogenannte letzte Meile gerne bei anderen Anbietern, insbesondere bei Stadtnetzen.

Das könnte der Telekom finanziell wehtun. Sie überweisen jedes Jahr dreistellige Millionensummen nach Bonn.
Das stimmt. Und wenn man hört, wie die Telekom immer wieder erklärt Kosten sparen zu müssen, dann sollte sie auf uns, als ihren größten Kunden, viel Wert legen.

Trotz der vielen Veränderungen auf dem deutschen Telekommunikationsmarkt scheinen die United-Internet-Aktionäre ganz angetan von der derzeitigen Situation zu sein. Die Aktie ist innerhalb eines Jahres um 12 Prozent gestiegen, während die anderen Anbieter in der Branche es gerade schwer haben.
Ja, der Aktienkurs ist gut gelaufen. Aber wir haben vor allem das wieder aufgeholt, was wir 2016 verloren hatten.

Woran liegt das?
Vor allem daran, dass wir gute Zahlen liefern. Dazu kommt, dass unsere Wettbewerber sich in den vergangenen Jahren viel Mühe gegeben haben, bei Investoren zu verbreiten, dass wir beim Mobilfunk nicht dauerhaft mithalten könnten. Dieses Thema hat sich mit der Übernahme von Drillisch endgültig erledigt, weil wir durch deren MVNO-Vertrag nun für viele Jahre diskriminierungsfreien Zugriff auf das Telefonica-Mobilfunknetz haben.

Allerdings ist das Netz von Telefonica das schlechteste der dreien.
Telefonica arbeitet an der Qualität und das Netz hat sich in letzter Zeit wirklich verbessert. Es ist noch nicht da, wo Telekom und Vodafone sind, das ist kein Geheimnis. Und natürlich hätten auch wir es gerne noch besser. Aber es gibt einen Markt für dieses Netz und der wächst von Monat zu Monat.

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