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United Internet Einstieg in 5G-Auktion – Dommermuth will neue Standards setzen

United Internet fordert die arrivierten Netzbetreiber heraus. Der Digital-Discounter schaltet sich in die Auktion um neue Mobilfunkfrequenzen ein.
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Der Chef von United Internet hat die Teilnahme an der 5G-Auktion verkündet. Quelle: Thies Rätzke für Handesblatt
Ralph Dommermuth

Der Chef von United Internet hat die Teilnahme an der 5G-Auktion verkündet.

(Foto: Thies Rätzke für Handesblatt)

Berlin, DüsseldorfUm 15.30 Uhr kommt per Ad-hoc-Mitteilung die Nachricht, die den deutschen Mobilfunk auf Jahre prägen könnte: United Internet, geführt von Gründer Ralph Dommermuth, kündigt am Donnerstag an, sich über die Tochterfirma 1&1 Drillisch AG an der Auktion für die Frequenzen für den 5G-Mobilfunk zu beteiligen. Damit fordert der Angreifer offen die etablierten Netzbetreiber Telekom, Vodafone und Telefónica heraus.

„Das ist eine Kampfansage“, sagt Bernstein-Analyst Dhananjay Mirchandani. Seit Monaten war darüber spekuliert worden, dass der Mobilfunkdiscounter bei der Einführung des neuen Mobilfunkstandards mitmischen will.

Aus der Ad-hoc-Mitteilung geht hervor, dass nicht nur der Aufsichtsrat des Unternehmens der Teilnahme an der Versteigerung zugestimmt hat. Die Firmenführung hat zudem erhebliche Finanzmittel organisiert. Mit einem europäischen Bankenkonsortium sei eine Kreditlinie in Höhe von 2,8 Milliarden Euro vereinbart worden. Zudem kündigt die Firma an, notfalls die Dividendenausschüttungen zu senken, sollte 1&1 bei der Auktion Frequenzen ersteigern.

Ziel sei, „eine erfolgreiche und dauerhafte Positionierung der 1&1-Drillisch-Gruppe als vierter Mobilfunknetzbetreiber in Deutschland zu schaffen“. Damit solle ein Beitrag geleistet werden, damit „Deutschland zum Leitmarkt für 5G in Europa“ werden könne.

Das klingt nach hohen Investitionen. Vor dem Hintergrund der massiven Kosten, die durch den Aufbau eines neuen Netzes entstehen würden, ist selbst ein Kredit in Höhe von 2,8 Milliarden Euro nicht besonders groß, argumentiert Torsten Gerpott, Professor für Telekommunikationswirtschaft an der Universität Duisburg-Essen: „Die Summe reicht für ungefähr drei Jahre, dann muss man weitersehen.“

Netzbetreiber unter Druck

Die Ankündigungen sind schlechte Nachrichten aus Sicht der etablierten Netzbetreiber Telekom, Vodafone und Telefónica. Telekom-CEO Timotheus Höttges hatte Dommermuth unfairen Wettbewerb vorgeworfen. „Das Unternehmen will auf die Netze der drei großen Netzbetreiber zugreifen können“, hatte Höttges gesagt.

Ralph Dommermuth fordert in der Debatte um den Aufbau eines vierten 5G-Netzes von der Politik, zumindest für eine Übergangszeit die bestehenden Netze der etablierten Betreiber mitnutzen zu können. Die Praxis heißt National Roaming.

Dieser Zugang sei nötig, da er nicht von Anfang an eine Flächenversorgung in Deutschland bieten könne, argumentiert Dommermuth. „Nehmen wir an, wir hätten die Großräume Frankfurt und Köln bereits abgedeckt, dann würden unsere Kunden ja zu Recht erwarten, dass sie auf der Autofahrt dazwischen nicht plötzlich in einem Funkloch landen“, sagte er dem Handelsblatt im August.

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Doch die Bundesnetzagentur ist der Forderung in den Bedingungen für die Frequenzvergabe nur zum Teil nachgekommen. „Die Unternehmen müssen verhandeln“, sagte Agenturpräsident Jochem Homann zwar. Notfalls werde sich seine Behörde als Schiedsrichterin einbringen. Aber ein wie von Dommermuth gefordertes nationales Roaming werde es nicht geben. Es könnte den Netzbetreibern nicht vorgeschrieben werden, Wettbewerber zu behördlich festgesetzten Preisen auf ihre Netze zu nehmen.

Damit ist die Diskussion jedoch nicht beendet. Die Politik könnte noch die Gesetze ändern, um doch ein Roaming möglich zu machen. Derzeit wird überlegt, zumindest auf lokaler Ebene, etwa in Funklöchern, Netzbetreiber zum Teilen ihrer Netze zu drängen. Darauf dürfte auch Dommermuth hoffen. Doch noch ist nicht klar, ob die neue Regelung auch kommen wird.

Beim Roaming legt sich innerhalb der Regierung Finanzminister Olaf Scholz (SPD) quer. Sein Beteiligungsreferat fürchtet, dass Umsatz und Gewinn bei der Telekom einbrechen könnten, da das lokale Roaming sich technisch nicht vom nationalen Roaming trennen lasse – der Dax-Konzern ist noch zu rund einem Drittel in Staatsbesitz. Scholz stellt sich damit gegen die Haltung der SPD-Bundestagsfraktion.

Dazu sagt der Wirtschaftspolitiker der Unions-Bundestagsfraktion, Axel Knoerig: „Wenn Minister Scholz die Umsetzung des lokalen Roamings verschleppt, dann blutet der ländliche Raum aus.“

Unklares Geschäftsmodell

Entsprechend vorsichtig gibt sich Torsten Gerpott. „United Internet hat sich nur die Option gesichert, mitmachen zu können“, sagte er. „Das Unternehmen wird vermutlich abwarten, wie sich das Thema National Roaming entwickeln wird. Es heißt nicht unbedingt, dass es wirklich mitbietet.“ Das hänge davon ab, ob die Politik das Telekommunikationsgesetz ändere.

Zudem ist unklar, ob ein vierter Netzbetreiber überhaupt eine Chance hat, ein funktionierendes Geschäftsmodell auf dem deutschen Markt aufzubauen. Im Jahr 2018 hatte Telefónica die damalige Nummer vier im deutschen Mobilfunk, die Marke E-Plus, übernommen. Im unteren Preissegment hatten sich Telefónica und E-Plus zuvor Rabattschlachten geliefert.

„Ich bin sehr skeptisch, ob ein vierter Netzbetreiber eine Chance hat“, sagte Gerpott. „Wenn man eine Analogie zur Versteigerung im Jahr 2000 zieht: Von den sechs Bietern, die Frequenzen bekamen, sind zwei nicht mehr aktiv.“ Da 5G hochgradig standardisiert sei, könne sich ein Anbieter kaum von der Konkurrenz abheben. Ein Vorteil für Telekom, Vodafone und Telefónica: „Der Markt ist eng, die Platzhirsche haben einen riesigen Vorsprung.“

Zwar habe Ralph Dommermuth argumentiert, der Aufstieg zum vierten Netzbetreiber werde der deutschen Mobilfunklandschaft nutzen. Doch dieses Argument zweifelt Gerpott an. „United Internet würde zuerst wahrscheinlich wie die anderen Unternehmen in die Ballungszentren gehen. Dann kann ich nicht sehen, dass ein vierter Bieter den Netzausbau in den weißen Flecken voranbringt. Das wäre ökonomisch nicht sinnvoll.“

Doch eines scheint jetzt bereits klar: Die Auktion dürfte deutlich teurer werden. Das Bundesfinanzministerium war bislang von Erlösen von bis zu fünf Milliarden Euro ausgegangen. Entwickelt sich nun eine Bieterschlacht um die begehrten Frequenzen, könnten die Einsätze deutlich steigen.

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