United Internet Was will Dommermuth mit Tele Columbus?

United Internet hat sich gut 25 Prozent am Kabelanbieter Tele Columbus gesichert. Noch will der Internetkonzern kein Übernahmeangebot vorlegen – Analysten sehen trotzdem gute Chancen für einen solchen Deal.
Update: 11.02.2016 - 13:17 Uhr
Einer Übernahme von Tele Columbus erteilte United Internet eine Absage. Quelle: ap
Kabelnetz

Einer Übernahme von Tele Columbus erteilte United Internet eine Absage.

(Foto: ap)

MontabaurUnited Internet könnte mit einem weiteren Zukauf das Zusammenrücken der deutschen Telekommunikationsbranche vorantreiben. Die Firma des Milliardärs Ralph Dommermuth hat sich nach eigenen Angaben eine Sperrminorität von gut 25 Prozent an Deutschlands drittgrößtem Kabelanbieter Tele Columbus gesichert.

United Internet (GMX, 1&1) bezeichnet die Beteiligung als strategisch, will aber „derzeit“ nicht auf mehr als 30 Prozent aufstocken – was ein Pflicht-Übernahmeangebot nach sich ziehen würde. Analysten sehen trotzdem eine gute Ausgangslage für den Internet-Dienstleister, einen starken Gegenpol zu den Platzhirschen Deutsche Telekom und Vodafone mit dessen Kabeltochter Kabel Deutschland zu formen. Tele Columbus zeigte sich offen für Gespräche über eine Zusammenarbeit.

Die Tele-Columbus-Aktie legte am Donnerstag gegen den schwachen Markttrend leicht zu. Mittelfristig sei eine Übernahme der Mehrheit an Tele Columbus für United Internet eine „realistische Option“, schrieb LBBW-Analyst Stefan Borscheid. Denkbar sei auch eine Zusammenlegung des Breitbandgeschäfts mit der seit 2014 zu der Firma gehörenden Versatel – oder sogar eine Dreierfusion mit Tele Columbus und Drillisch, an der sich United Internet mit 20,7 Prozent beteiligt hatte. Auch könnte der Internet-Dienstleister seine Angebote über das Netz von Tele Columbus vertreiben. Damit hätten die Rheinland-Pfälzer für ihre DSL-Produkte eine Alternative zur Deutschen Telekom auf der letzten Meile, die das Unternehmen derzeit vor allem für seine Reseller-Aktivitäten nutzt. Borscheid hält es aber für fraglich, ob 25 Prozent der Anteile für eine so umfassende Zusammenarbeit ausreichten.

United Internet hatte am Mittwochabend überraschend mitgeteilt, mit 9,8 Prozent bei Tele Columbus eingestiegen zu sein und sich weitere 15,3 Prozent gesichert zu haben, „um von der Wertsteigerung (des Berliner Unternehmens) zu profitieren“. Wenn das Bundeskartellamt dem Einstieg zustimmt, kommt die Firma aus Montabaur auf 25,11 Prozent der Anteile und könnte damit strategische Entscheidungen von Tele Columbus maßgeblich mitbestimmen. Von wem United Internet das 15-Prozent-Paket gekauft hat, blieb unklar. Größter Anteilseigner von Tele Columbus ist derzeit York Capital mit 12,9 Prozent. Der Finanzinvestor war in der Krise billig bei Tele Columbus eingestiegen und hatte sein Engagement nach dem Börsengang teilweise zu Geld gemacht. Strategisches Interesse hat York Capital nicht.

Wer steckt hinter „Wir zusammen“?
Ralph Dommermuth (United Internet)
1 von 33

Der Manager gilt als der deutsche „Mr. Internet“ – jetzt wird er auch zum „Mr. Flüchtlings-Netzwerk“: Ralph Dommermuth, der Vorstandschef von United Internet mit Marken wie GMX und Web.de, startete die Integrations-Initiative „Wir zusammen“. Dommermuth ist schon lange karitativ unterwegs: 2006 gründete er die Stiftung United Internet for Unicef, die benachteiligten Kindern hilft. Wen Dommermuth für „Wir zusammen“ mit an Bord geholt hat.

Kasper Rorsted (Henkel, bald Adidas)
2 von 33

Der Däne ist seit elf Jahren Vorstandschef von Henkel. Im Herbst wechselt er den Dax-Konzern – und wird Chef von Adidas. Kasper Rorsted sagte zuletzt im großen Handelsblatt-Interview, dass er Deutschland sehr möge und deshalb hier bleibe. So äußerste sich der Manager zur Flüchtlingsthematik: „Ich sehe Flüchtlinge mehr als eine kulturelle als eine finanzielle Herausforderung. [...] Wir müssen mehr Mut haben, unsere Wertvorstellungen zu vermitteln. Wir müssen zu den Werten stehen, die Deutschland und Europa ausmachen, und auch auf sie stolz sein. Für die Flüchtlinge ist es dann auch einfacher, sich an die Spielregeln zu halten, wenn sie sie kennen. [...] Wie sollten Werte vermittelt werden? Jedenfalls nicht dadurch, dass man die Menschen sechs Monate in ein Zelt einsperrt. Das kann nur im Dialog geschafft werden. Dialog heißt aber auch, dass es gewisse Dinge gibt, die nicht verhandelbar sind. Und ich glaube auch, dass es viel einfacher ist, diesen Dialog zu führen, je schneller entschieden wird, wer bleiben darf und wer nicht.“

Frank Appel (Deutsche Post)
3 von 33

Der Vorstandschef der Deutschen Post sprach im September im Handelsblatt über die Flüchtlingskrise. „Die (Anm.: die Flüchtlinge) erwarten keine Almosen, sondern eine Perspektive“, ist sich Frank Appel sicher. Bis zu 1000 Flüchtlingen wollte der Dax-Konzern ein Praktikum anbieten. „Wir wollen helfen, können das aber noch nicht in vollem Umfang, weil es auch dazu neuer Regelungen bedarf. Die Asylbewerber dürfen unter den derzeitigen Voraussetzungen ja in den meisten Bundesländern gar nicht arbeiten, während ihr Verfahren noch läuft. Deshalb wäre es nicht nur für unser Unternehmen gut, wenn die Bundesregierung die Prozesse beschleunigen würde“, sagte Appel.

Heinrich Hiesinger (Thyssen-Krupp)
4 von 33

„Arbeit ist ein entscheidender Motor für Integration. Deutschland hat mit dieser Formel bereits in der Vergangenheit Millionen von Menschen ganz unterschiedlicher Herkunft erfolgreich integriert. Mit dieser Erfahrung und einer positiven Einstellung wird es uns auch heute gelingen, die vielen Flüchtlinge zu integrieren.“

Klaus Engel (Evonik)
5 von 33

Der Vorstandschef des Essener Chemiekonzerns hielt eine bemerkenswerte Rede zur Flüchtlingskrise. „Deutschland steht angesichts der Flüchtlingsströme in seiner größten Bewährungsprobe seit Jahrzehnten. Und das gilt auch für die deutsche Wirtschaft“, sagte Klaus Engel im September 2015. Die Unterscheidung von Flüchtlingen nach politischen oder wirtschaftlichen Motiven der Flucht mache „eigentlich wenig Sinn“. Eine Verteilung der Flüchtlinge über Europa nach Quoten sei eine Scheindiskussion, sie ließen sich nicht verteilen „so wie Armeen am grünen Tisch“. „Die Leute, die kommen, wollen nicht nach Ungarn, Estland oder Dänemark, sondern nach Deutschland“, sagte Engel. Und er könne das gut verstehen. Sein „deutscher Traum“ sei die soziale Marktwirtschaft, die jedem Menschen die Chance gebe, durch Bildung und Qualifikation den sozialen Aufstieg zu meistern, legte Engel später nach.

Tom Enders (Airbus)
6 von 33

„Wir müssen Flüchtlingen Schutz bieten, sie in unserer Gesellschaft integrieren und ihnen eine realistische Zukunft geben. Das beginnt schon in dem Moment, wenn die Menschen über die Grenze nach Deutschland kommen. In diesen ersten Tagen kann der Grundstein für eine erfolgreiche Integration gelegt werden, indem wir sie willkommen heißen und sie medizinisch versorgen. Diese Chance dürfen wir nicht verpassen!“

Karl-Thomas Neumann (Opel)
7 von 33

„Der Flüchtling. Der Helfer. Das sind keine Kategorien. Wir sind Menschen. Und als solche geben wir Deutschland gemeinsam ein Gesicht. Mit der In Charge Initiative wollen wir ein deutliches Zeichen der Solidarität setzen und einen Beitrag zur Integration leisten. In Charge hilft arbeitslosen Jugendlichen und Flüchtlingen, Job-Barrieren zu überwinden.“

Tele Columbus hatte erst jüngst für die kleineren Kabel-Rivalen Primacom und Pepcom gut 1,3 Milliarden Euro auf den Tisch gelegt. Mit den beiden Zukäufen konnte Tele Columbus die Reichweite seines Kabelnetzes seit dem Gang an die Börse Anfang 2015 mehr als verdoppeln. Die Verschuldung von Tele Columbus stieg jedoch dadurch auf das Fünffache des operativen Gewinns.

Erst im Sommer 2014 hatte United Internet Versatel komplett geschluckt und erhielt damit Zugriff auf das mit rund 37.000 Kilometern Länge zweitgrößte deutsche Glasfasernetz. Mit einer eigenen Infrastruktur trat das Unternehmen stärker in Konkurrenz zur Deutschen Telekom.

  • rtr
Startseite

Mehr zu: United Internet - Was will Dommermuth mit Tele Columbus?

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%