Unitymedia und Kabel Deutschland Kabel-Chefs setzen auf mehr Spielraum bei Fusionen

Lange standen die EU-Wettbewerbshüter Fusionen großer Kabelnetzbetreiber skeptisch gegenüber. Doch der Markt hat sich gewandelt. Beim Wettbewerb mit US-Giganten deutet sich eine Trendwende in Brüssel an.
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Die Großen Kabelnetzbetreiber hoffen auf eine Trendwende in Brüssel. Nach Jahren des Defacto-Übernahmeverbots könnten die Wettbewerbshüter Fusionen in der Telekombranche aufgeschlossener gegenüberstehen. Quelle: dpa
Konkurrenz für US-Riesen

Die Großen Kabelnetzbetreiber hoffen auf eine Trendwende in Brüssel. Nach Jahren des Defacto-Übernahmeverbots könnten die Wettbewerbshüter Fusionen in der Telekombranche aufgeschlossener gegenüberstehen.

(Foto: dpa)

FrankfurtDie Chefs der beiden großen deutschen Kabelnetzbetreiber machen bessere Chancen für Firmenzusammenschlüsse in der Branche aus. Bislang standen die EU-Wettbewerbshüter Fusionen sehr skeptisch gegenüber, da sie fürchteten, dass große europäische Telekom-Konzerne die Preise oben halten könnten. Doch haben sich die Fronten mittlerweile verschoben: Die wirklich mächtigen Anbieter kommen mittlerweile aus den USA und heißen Netflix, Google und Facebook.

„Aus meiner Sicht hat EU-Kommissar Günther Oettinger erkannt, dass Größe für europäische Netzbetreiber wichtig ist“, sagt Lutz Schüler, Chef des zweitgrößten Kabelanbieters Unitymedia. Denn Größe bedeute höhere Investitionen in Netze, und die seien notwendig, damit das digitale Europa Wirklichkeit werde.

„Insofern hat sich die Sicht der Kommission auf eine Konsolidierung in der Telekom-Branche in Europa gewandelt.“ Ganz ähnlich sieht es Kabel-Deutschland-Chef Manuel Cubero: Es gebe in der EU-Kommission die Tendenz, den europäischen Binnenmarkt auch digital zu vereinigen. „Daher hoffen wir auf eine Regulierung vonseiten der EU, die uns Handlungsfreiheiten gibt, und diese Freiheit werden wir auch nutzen.“

Bald könnte sich zeigen, ob die Kabel-Chefs recht haben und die Kommission Übernahmen in der Telekom-Branche wirklich durchwinkt. Die Mutterkonzerne von Kabel Deutschland und Unitymedia, Vodafone und der US-Kabelnetzbetreiber Liberty Global planen derzeit nämlich den Tausch von einzelnen Geschäften. Analysten zufolge könnten die Amerikaner etwa Unitymedia gegen Vodafone-Mobilfunkableger in anderen Ländern tauschen. Cubero und Schüler wollten sich dazu nicht äußern.

Nach Jahren eines Defacto-Übernahmeverbots erlaubte die Kommission erst jüngst zögerlich erste Zusammenschlüsse von Mobilfunkbetreibern in Österreich, Irland und Deutschland. Und Liberty Global durfte in den Niederlanden ein Kabel-Monopol aufbauen, um dem früheren Telefonmonopolisten KPN besser Konkurrenz zu machen. Die EU-Kommission fördere den Infrastruktur-Wettbewerb, sagt Maria Rua Aguete vom Marktforschungsinstitut IHS. Insofern wäre es sinnvoll, neben dem großen Netz der Deutschen Telekom auch ein einziges Kabelnetz zu schaffen.

Diese Übernahmen scheiterten spektakulär
Bank of Scotland - National Westminster Bank 1999
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NatWest-Vorstandsvorsitzender Sir David Rowland (r.) im Jahr 1999: Die National Westminster Bank (NatWest), eine der größten britischen Banken, hat 1999 nach zweieinhalb Monaten den Kampf um ihre Unabhängigkeit verloren. Bieter waren die Royal Bank of Scotland und der Konkurrent Bank of Scotland. Die Bank of Scotland bot 41,74 Milliarden Dollar – zu wenig für die NatWest. Den Übernahmekampf hat die RBS gewonnen.

Quelle: Dealogic

France Telecom - TeliaSonera 2008
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France Telecom-Chef Stephane Richard auf einer Konferenz 2015: Vor sieben Jahren erhoffte sich France Telecom, mit der Übernahme des schwedisch-finnischen Konkurrenten TeliaSonera zum viertgrößten Telekommunikationskonzern der Welt aufzusteigen. Doch beide Konzerne konnten sich auf kein passendes Angebot einigen. Die Franzosen wollten den Konkurrenten für 41,78 Milliarden Dollar kaufen.

Bell Atlantic - Airtouch 1999
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Bell-Atlantic-Chef (l., hier mit GTE-Chef Charles R. Lee) auf einer Pressekonferenz 1998: Um die amerikanische Telekommunikationsfirma AirTouch Communications war im Jahr 1999 offenbar ein Übernahmekampf entbrannt. Obwohl die geplante Übernahme des Telefonkonzerns GTE noch nicht perfekt war, wollte Bell Atlantic den Mobilfunkanbieter kaufen – für 44,05 Milliarden Dollar. Doch zur Übernahme kam es dann doch nicht. Als Grund nannte Bell Atlantic die anstehende Fusion von Airtouch mit dem britischen Mobilfunkunternehmen Vodafone.

General Electric - Honeywell 2000
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General-Electric-Chef Jeffrey R. Immelt spricht vor Mitarbeitern im Jahr 2014: Zunächst schien der umfangreichsten Fusion der Welt im Jahr 2000 nichts im Weg zu stehen. General Electric hat die Bieterschlacht um Honeywell International gewonnen. Die Übernahme kostete General Electric (GE) 44,16 Milliarden Dollar. Doch die EU-Kommission hat die Übernahmeofferte des US-Mischkonzerns General Electric für den Technologieriesen Honeywell kurz darauf abgelehnt. Die Fusion würde für GE eine marktbeherrschende Stellung in der Luftfahrtindustrie schaffen oder verstärken, war die Begründung der Kommission damals.

Comcast - Time Warner Cable 2014
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Ein Fahrzeug von Comcast: Es sollte die Mega-Hochzeit im US-Fernsehmarkt werden. Comcast, der größte Kabelfernseh-Anbieter in den USA, wollte die Nummer zwei, Time Warner Cable, übernehmen. Mitte April 2015 ist der Deal (45,25 Milliarden Dollar) geplatzt. Wettbewerbshüter und Regierung senkten die Daumen. Sie fürchteten eine zu große Marktmacht des neuen Konzerns.

Microsoft - Yahoo 2008
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Microsoft-Chef Satya Nadella im Jahr 2014: Nach einem drei Monate langen Tauziehen hat der Softwareriese Microsoft 2008 sein milliardenschweres Übernahmeangebot für den Internet-Konzern Yahoo zurückgezogen. Beide Seiten konnten sich nicht auf einen Kaufpreis einigen. Nachdem Microsoft das Angebot von 47,48 Milliarden Dollar zum zweiten Mal verbessert hatte, war Yahoo damit nicht zufrieden. Yahoo lehnte das Microsoft-Angebot ab und verlangte weit mehr als 50 Milliarden Dollar.

Comcast- Mediaone 1999
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Mediaone-Chef Charles M. Lillis (l.) und Comcast-Chef Brian Roberts bei einer Pressekonferenz im Jahr 1999: Es hätte wieder eine Elefantenhochzeit gegeben – eine rein US-amerikanische. Comcast hatte 48,65 Milliarden Dollar in Aktien für die Mediaone Group angeboten und damit den Kürzeren gezogen. Mediaone Group hat das Übernahmeangebot des größten US-Telefonkonzerns AT&T akzeptiert.

Aus Sicht von Kabel-Deutschland-Chef Cubero, der bald auch befristet Vodafone Deutschland lenkt, spricht vor allem der Wandel des Wettbewerbs für eine Konsolidierung in dem Sektor. „Früher waren Kabelnetzbetreiber im Fernsehbereich dominant.“ Heute gebe es so etwas nicht mehr, stattdessen aber viel Konkurrenz durch Internet-gestützte Fernsehdienste wie Netflix.

Der Breitbandmarkt ist in Deutschland klar verteilt: Von 29,6 Millionen Internet-Anschlüssen gehören zwölf Millionen der Telekom - die Kabelanbieter zusammen kommen lediglich auf 5,9 Millionen.

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