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US-Medienlandschaft Getrieben von Netflix: US-Medien bündeln ihre Kräfte

Der Zusammenschluss von CBS und Viacom ist nur ein Beispiel dafür, dass traditionelle Firmen gemeinsame Sache machen, um gegen Streaming-Riesen zu bestehen.
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Das US-Medium fusioniert mit CBS. Quelle: AFP/Getty Images
Viacom-Zentrale in New York

Das US-Medium fusioniert mit CBS.

(Foto: AFP/Getty Images)

New York Shari Redstone ist das Gesicht der jüngsten Medienfusion in den USA. Mit ihrer Zähigkeit hat die 65-jährige Erbin und Präsidentin von National Amusements die beiden Unternehmen CBS und Viacom wieder unter einem Dach vereint. Aber Redstone steht nicht nur für den starken Willen ihrer Familie. Sie steht auch für den neuen Trend zur Konsolidierung in der amerikanischen Medien-Welt.

Die US-Medienlandschaft ändert sich rasant. Die Wiedervereinigung der beiden Medienunternehmen CBS und Viacom ist nur das jüngste Beispiel. Allein in den vergangenen zwölf Monaten hat der Telekom-Konzern AT&T den Medienriesen Time Warner für 80 Milliarden Dollar übernommen, und Walt Disney hat sich das Unterhaltungsgeschäft von Rupert Murdochs 21st Century Fox für 71 Milliarden Dollar einverleibt.

Die traditionellen Unternehmen bündeln ihre Kräfte. Damit reagieren sie auf die aktuellen Trends: den Erfolg der neuen Streaming-Dienste wie Netflix, Hulu oder auch Amazon Prime und darauf, dass immer mehr Menschen ihr Kabel-Abos kündigen.

CBSViacom noch zu klein

Das Beispiel von CBS und Viacom zeigt, wie stark sich die Medienlandschaft innerhalb kurzer Zeit verändert hat: Noch im Jahr 2006 haben die Aufsichtsbehörden dafür gesorgt, dass die Mutter National Amusements das Geschäft von Viacom und CBS getrennt voneinander führt.

Zu groß war die Angst vor der Marktmacht des damals größten Medienunternehmens der USA: Es dominierte den Markt mit Kabelfernsehen, mit dem Filmstudio Paramount, mit MTV und mit zahlreichen erfolgreichen Fernsehshows und Sendern. Netflix dagegen verschickte damals noch DVDs per Post an seine Kunden.

Heute – gerade einmal dreizehn Jahre später – wird CBSViacom auch nach der Fusion nur ein Zwerg gegenüber der Konkurrenz sein: Der Börsenwert von CBS und Viacom erreicht zusammen nicht einmal 30 Milliarden Dollar.

Zum Vergleich: Netflix kommt auf 130 Milliarden Dollar. Der Telekommunikations- und Fernsehanbieter Comcast ist an der Börse mehr als 190 Milliarden Dollar wert, Walt Disney 240 Milliarden Dollar und AT&T sogar 250 Milliarden Dollar.

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Die Großen tun sich nicht nur zusammen. Sie bringen eigene Streaming-Angebote auf den Markt, mit denen Kunden sich die verschiedenen Angebote über das Internet anschauen können – wann und wo sie wollen.

Analyst Bryan Kraft von der Deutschen Bank weist darauf hin, dass die Medienbranche derzeit immer globaler wird und von sehr großen Konzernen dominiert wird, deren Börsenbewertung jenseits der 100 Milliarden Dollar liege. „Auch wenn größer nicht immer besser“ sei, könne CBS und Viacom von der Zusammenlegung profitieren.

Das gelte für Investitionen in Sportrechte ebenso wie für Technologie und Inhalte. Außerdem könne ein großer Konzern bessere Talente anlocken und auf dem Werbemarkt besser punkten, schreibt Kraft in seiner Studie.

Etwas kritischer sieht Todd Juenger, Analyst bei Bernstein Research, die jüngste Fusion. Er wirft den beiden Unternehmen vor, Disney kopieren zu wollen: „Wir glauben, dass es nicht zu weit hergeholt ist, zu sagen, dass CBSViacom, wie viele andere, die Marktreaktion auf die Disney-Pläne gesehen und gesagt haben: ‚Lass uns das auch machen‘“, kritisiert er den Zusammenschluss. Er glaubt, dass auch das kombinierte Unternehmen noch nicht groß genug ist.

Konsolidierung geht weiter

Tatsächlich rechnen viele Beobachter damit, dass die Konsolidierung weitergeht. Als mögliche Übernahmekandidaten gelten Sony Pictures Entertainment, Discovery Communications, Lions Gate und Imagination Entertainment. Sony Pictures hat unter anderem Erfolgsserien wie Breaking Bad produziert. Aber die japanische Mutter hat bisher kein Interesse gezeigt zu verkaufen.

Discovery Communications ist an der Börse mit rund 15 Milliarden Dollar bewertet. Das Unternehmen mit den TV-Sendern Food Network, Animal Planet und Discovery Chanel hatte zuletzt mit sinkenden Abonnentenzahlen zu kämpfen. Aber auch Discovery teilte in diesem Jahr mit, dass es nicht zum Verkauf stehe.

Lions Gate gilt ebenfalls als interessanter Anbieter von Inhalten. Das Studio hat unter anderem Hunger Games und Mad Men produziert. Seit einiger Zeit blieben aber Erfolgsserien aus. Jüngst hat das Management angekündigt, seine Inhalte stärker auf dem eigenen Streaming-Dienst Starzplay zu verbreiten.

Diese Pläne kamen bei den Investoren aber nicht sonderlich gut an. Sie trauen dem kleinen Spieler aus Santa Monica nicht zu, gegen die Großen bestehen zu können. Schließlich wird der Streaming-Markt immer voller.

Im kommenden Jahr wollen auch Disney, AT&T, Apple und NBC Universal mit eigenen Streaming-Diensten Kunden locken. Nach Medienberichten hatte auch CBS über einen möglichen Kauf von Lions Gate verhandelt.

Deutsche-Bank-Analyst Kraft ist überzeugt, dass CBS weiter Ausschau hält: „Wir schätzen keineswegs, dass CBS nicht weitere mögliche Akquisitionen jenseits von Viacom auslotet“, schreibt er.

Andere Analysten glauben, dass ViacomCBS, wie das neue Unternehmen heißen soll, auch selbst zum Übernahmeziel werden könnte. Als möglicher Interessent gilt Amazon. Der Onlinehändler ist mit Prime Video längst auch als Streaming-Unternehmen unterwegs. Amazon könnte Interesse an den vielen Filmrechten haben, die Paramount und CBS Studios besitzen.

Zuletzt hat Amazon auch verstärkt versucht, in das Geschäft mit Sportübertragungen einzusteigen. Dort hätte CBS die Rechte an der National Football League (NFL) und an den NCAA-Basketball-Spielen zu bieten.

„Amazon fehlt eine Inhalte-Bibliothek, eine Sportinfrastruktur und eine beständige Pipeline an neuen Serien“, kommentiert Analyst Michael Nathanson von Moffett Nathanson. Eine Übernahme von ViacomCBS durch Amazon wäre daher seiner Ansicht nach sinnvoll. Dann muss nur noch Shari Redstone zustimmen – und die hat bekanntlich ihren eigenen Kopf.

Mehr: Hohe Investitionen in digitale Infrastrukturen und Plattformen belasten Walt Disney. Doch der Konzern sieht sich auf dem richtigen Weg in die Zukunft des Fernsehens.

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