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US-Streamingdienst Bei Netflix ist kein Ende des Wachstums in Sicht

Der US-Streamingdienst Netflix hat seine Quartalszahlen vorgelegt: Mehr bezahlte Abos, mehr Umsatz, aber auch mehr Kosten. Das drückt den Gewinn.
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Der US-Streamingdienst wurde 1997 gegründet und erfreut sich großer Beliebtheit. Quelle: dpa
Netflix

Der US-Streamingdienst wurde 1997 gegründet und erfreut sich großer Beliebtheit.

(Foto: dpa)

San Francisco, DüsseldorfAusgerechnet in der besinnlichen Vorweihnachtszeit hat der US-Streamingdienst Netflix mit einem apokalyptischen Thriller unter Beweis gestellt, wie beliebt sein Angebot mittlerweile ist. „Bird Box“ zeigte auf bedrückende Art, wie die Menschen in einer von einer Übermacht beherrschten Welt genötigt wurden, mit verbundenen Augen durch den Alltag zu gehen.

Der Film mit Sandra Bullock in der Hauptrolle begeisterte Millionen. Netflix, für die Produktion selbst verantwortlich, berichtet von rund 80 Millionen Haushalten, die den Film in den ersten vier Wochen nach seinem Erscheinen auf ihren Geräten abgespielt haben. Eine Reichweite, von der so mancher Hollywood-Regisseur nur träumen kann.

Fakt ist: Der Umbruch in der Medienbranche kommt schnell und drastisch. Davon zeugen auch die neuesten Quartalszahlen, die das Unternehmen am Donnerstag nach US-Börsenschluss veröffentlichte. Netflix spricht von inzwischen 139 Millionen bezahlten Abonnements, das sind 8,8 Millionen neue Mitgliedschaften in den vergangenen drei Monaten.

Damit wächst Netflix weiter. Kleiner Wermutstropfen: Reed Hastings, CEO von Netflix, hatte bislang für das vierte Quartal einen Mitgliederzuwachs von 9,4 Millionen in Aussicht gestellt. Dieses Ziel hat er verfehlt. Im dritten Quartal 2018 fiel die Zahl neuer Mitgliedschaften geringer aus – damals gewann der Streaming-Dienst knapp sieben Millionen Abonnenten hinzu. 

Die Mitglieder-Zuwächse sind eine wichtige Kennzahl für den Dienst, der sich bislang allein durch Abo-Einkünfte finanziert. Im amerikanischen Heimatmarkt stagniert das Wachstum inzwischen, dort lag die Zahl der neuen Abonnenten im vergangenen Quartal nur bei 1,5 Millionen. Netflix Erfolg hängt daher vom Wachstum in den internationalen Märkten ab.

Die härtesten Konkurrenten von Netflix, das in mehr als 190 Ländern seine Dienste anbietet, sind der Onlinehändler Amazon mit dem Dienst Amazon Prime Video sowie Hulu, ein Zusammenschluss mehrerer Mediatheken von US-Sendern. Auch der Unterhaltungskonzern Disney macht Druck. Mit dem Kauf großer Konzernteile von 21st Century Fox will das Mäuse-Unternehmen in diesem Jahr mit einem eigenen Streamingdienst auf den Markt kommen. Für Netflix hat das unmittelbare Auswirkungen: Der Hollywood-Konzern zieht Produktionen seiner Filmstudios – darunter die beliebten „Star Wars“-Filme – von der Plattform Netflix ab und bietet sie künftig selbst zum Streamen an.

Netflix steckt hohe Investitionen in „Netflix Originals“, wie der Anbieter aus Los Gatos seine eigens produzierten Film- und Serienangebote nennt. Doch dies belastet die Bilanz stark. Der Umsatz legte im vergangenen Jahr um ein Viertel auf 4,2 Milliarden Dollar zu. Der Gewinn allerdings sank um 28 Prozent auf 134 Millionen Dollar. Das sind 30 Cent pro Aktie. Im Vorjahreszeitraum lag dieser Wert noch bei 41 Cent pro Aktie.

Die Aktionäre haben Bedenken. Der Kurs von Netflix gab nachbörslich um vier Prozent nach. Die Investoren besorgt vor allem der Preis des erkauften Booms. Netflix profitiert von seinem Fokus auf eigenen beliebten Inhalten wie der Mystery-Serie „Stranger Things”, der Comic-Adaption „Marvel’s Daredevil” oder der Grusel-Serie „The Chilling Adventures of Sabrina”. In diesem Jahr starten neue Staffeln von Netflix-Blockbustern wie „The Crown” und „13 Reasons Why”.

Doch der Boom hat seinen Preis. Schon 2018 investierte der Konzern acht Milliarden Dollar in eigene TV- und Film-Produktionen und häufte insgesamt Verpflichtungen von 18 Milliarden Dollar an. „Netflix hat einen Teufelskreis geschaffen”, urteilte der Analyst Dan Morgan von der Investmentfirma Synovus Trust. Ob die Strategie, die hohen Ausgaben durch Preiserhöhungen zu finanzieren aufgehe, sei unklar.

Die jüngste Preiserhöhung des Dienstes für seine 58 Millionen amerikanischen Kunden um 18 Prozent auf 13 Dollar hat die Wall Street Anfang der Woche wohlwollend aufgenommen. Die Aktie hat zwischenzeitlich um bis zu 6,5 Prozent zugelegt. Die Strategie, die Inhalte-Investitionen durch Preiserhöhungen zu finanzieren, scheine aufgehen, sagte Analyst Morgan.

Das könnte nun auch in Deutschland anstehen. Neukunden von Netflix wird auf der Registrierungsseite zum Teil ein monatlicher Abo-Preis von bis zu 17,99 Euro für das Premium-Paket angezeigt – das wären vier Euro mehr als bisher. Auch das Standard-Abonnement würde mit 12,99 Euro mit zwei Euro mehr im Monat zu Buche schlagen als bisher. Allein das Standard-Paket wird weiterhin mit 7,99 Euro monatlichen Kosten angegeben. Das Unternehmen erklärte, bei diesem neuen Preismodell handele es sich nur um einen Test.

Doch die Konkurrenz lernt vom Netflix-Phänomen. Inzwischen investieren die Tech-Konzerne Amazon, Google, Apple und Facebook ebenfalls in Produktion und Vertrieb eigener Inhalte. „Amazon ist die größte Gefahr für Netflix”, urteilte Morgan. Der Online-Händler bietet die Entertainment-Angebot im Rahmen des Prime-Abos für 119 Dollar jährlich an. Disneys Idee für einen eigenen Streaming-Dienst, der 2019 starten soll, könne ebenfalls „sehr erfolgreich sein”, sagte der Analyst.

Allerdings zeugen aktuelle Studien auch von einem neuen Phänomen: Stacking – viele Menschen bezahlen für mehrere Streamingdienste gleichzeitig. Mehr als die Hälfte der Nutzer soll demnach nicht nur auf einen einzigen Anbieter setzen.

Netflix-Gründer Hastings gab sich angesichts der neuen Konkurrenz selbstbewusst. „Wir wollen gewinnen”, kommentierte er die jüngsten Ergebnisse. Neue Erlösquellen neben den Abo-Preisen schloss er erneut aus. Ziel von Netflix sei es, attraktive Inhalte anzubieten, „ohne Werbung”, wie Hastings betonte. 

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