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US-Zeitungen in der Krise Amazon-Chef kauft „Washington Post“

Sie ist weltberühmt und preisgekrönt. Doch die Eigentümer sehen in ihr kein Geschäftsmodell mehr: Die „Washington Post“ wird verkauft – an Amazon-Gründer Jeff Bezos. Der Star-Unternehmer hat ambitionierte Pläne.
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Washington Post: Zeitungen sterben nicht - aber die Art sie zu führen

New York Die meisten Mitarbeiter ahnten noch nichts, als die Chefs der „Washington Post“ am Montag um 16.30 Uhr zu einer außerordentlichen Versammlung baten. Der Flurfunk meldete, es gebe Neuigkeiten zum Verkauf des Verlagsgebäudes in der US-Hauptstadt und zur Frage, wo die Redakteure künftig arbeiten würden. Bereits dies wäre für die Mitarbeiter ein „unvorstellbarer Umbruch“ gewesen, schrieb „Post“-Starjournalist Ezra Klein später. Doch wie sich nach der Konferenz zeigte, seien „noch viel größere Umbrüche“ möglich als der Verkauf des Gebäudes.

Es ist wahrlich ein Umbruch, den das Management der mit Auflagenschwund kämpfenden Zeitung dann am Montagnachmittag Ortszeit zu verkünden hatte: Die „Washington Post“, eine der bekanntesten Tageszeitungen der Welt, wird zusammen mit mehreren kleineren Blättern für 250 Millionen Dollar verkauft.

Und zwar an Jeff Bezos, den Gründer und Chef des weltgrößten Online-Kaufhauses Amazon – als Privatperson. An Bezos, den Multimilliardär. Bezos, den Unternehmer, der viel Geld in Projekte wie eine Firma für kommerzielle Raumfahrt gesteckt hat, in eine ewige Uhr in einem Stollen in Texas oder in Patente wie Airbags für Handys. „Ich bin schockiert, wie alle anderen“, gestand „Post“-Redakteur Klein auf der Webseite seines eigenen Arbeitgebers.

Die überraschenden Neuigkeiten, die am Montag nach Börsenschluss über die Ticker liefen, waren am Abend eines der wichtigsten Themen in den US-Medien. Es ist ja nicht irgendeine Zeitung, die da den Besitzer wechselt. Die „Washington Post“ gehört zu den Ikonen der amerikanischen Medien, ein Hauptstadtblatt, das weltweit gelesen wird. Enthüllungen wie die Watergate-Affäre, die zum Rücktritt von US-Präsident Nixon geführt hatte, haben die „Post“ berühmt gemacht.

Gleichzeitig ist der Deal ein Alarmzeichen für die ganze gebeutelte Branche: Die Verleger-Dynastie Graham, die die „Post“ seit 80 Jahren kontrolliert, verabschiedet sich von ihrem wichtigsten Produkt. „Eine der Kronjuwelen unter den Zeitungen wird von einer der Königlichen Familien der Branche aufgegeben“, schrieb die „New York Times“.

Doch alles Renommee half der „Post“ nichts gegen den dramatischen Auflagenschwund, mit dem das Blatt ebenso wie alle anderen US-Tageszeitungen seit Jahren zu kämpfen hat. Hatte die Zeitung zu Spitzenzeiten im Jahr 1993 noch eine Auflage von mehr als 830.000 Stück, so schrumpfte sie bis zum Frühjahr dieses Jahres auf rund 470.000 zusammen. Gleichzeitig brachen die Anzeigenumsätze ein. Die Folge: Die Verluste verdoppelten sich im vergangenen Jahr von rund 21 auf knapp 54 Millionen Dollar. Schließlich wurde das Geld so knapp, dass sich der börsennotierte Verlag Washington Post Company gezwungen sah, die Zentrale im Zentrum der Hauptstadt zum Verkauf zu stellen.

Amazon soll sich raushalten

Amazon ist sein Lebenswerk: Jeff Bezos will sich aus dem Tagesgeschäft bei der „Washington Post“ heraushalten. Quelle: ap

Amazon ist sein Lebenswerk: Jeff Bezos will sich aus dem Tagesgeschäft bei der „Washington Post“ heraushalten.

(Foto: ap)

Die Erklärung von Verlagschef Donald Graham an die Mitarbeiter liest sich nun wie eine Kapitulation: „Unsere Umsätze sind nun sieben Jahre in Folge gesunken“, sagte er am Montag bei der Versammlung. Doch auch viele erfolgreiche Innovationen hätten den Trend nicht stoppen können, man könne nicht grenzenlos Kosten senken. „Wir waren sicher, die Zeitung würde unter unserer Führung überleben, aber wir wollten noch mehr tun“, so Graham. „Wir wollten, dass sie erfolgreich ist.“ Er schloss mit den Worten: Niemand im Raum solle traurig sein – „außer mir“.

Die Hoffnung ruht nun auf dem neuen Besitzer Bezos. Der Unternehmer sei „erwiesenermaßen ein Technologie- und Wirtschaftsgenie“, hieß es in einer Mitteilung des Verlags. Da Bezos zudem an langfristigen Investments interessiert sei, „ist er ein einzigartig guter neuer Eigentümer“. Er werde die Zeitung in eine „aufregende neue Ära führen“, sagte Herausgeberin Katharine Weymouth.

Was der 49-Jährige nun konkret mit der „Post“ plant, ist allerdings noch nicht bekannt. Die Washington Post Company betonte am Montag, dass der Amazon-Konzern nichts mit den Plänen zu tun habe und auch keinen Einfluss ausüben werde.

Bezos selbst zeigte sich „optimistisch“ über die Zukunft und versprach, dass sich die „Werte“ der Zeitung nicht änderten, wie er an die Mitarbeiter schrieb. Auch die bisherigen Verantwortlichen sollen im Amt bleiben, darunter Weymouth und Chefredakteur Martin Baron. „Mir ist klar, welch wichtige Rolle die ,Post' in Washington und unserem Land spielt”, so Bezos. Gleichwohl müsse man sich den neuen Zeiten anpassen. „Das Internet verändert fast jeden Aspekt des Nachrichtengeschäfts“, schrieb er weiter. „Es gibt keine Landkarte, und einen Weg zu finden wird nicht einfach sein.“

Zugleich versprach Bezos, dass er sich nicht ins Tagesgeschäft einmischen wolle. In Anspielung auf seinen Wohnsitz nahe der Amazon-Zentrale in Seattle im US-Bundesstaat Washington schrieb er: „Ich lebe zufrieden in dem ,anderen Washington', wo ich einen Job habe, den ich liebe.“

Als Privatperson mit einem Vermögen, das die Finanznachrichtenagentur auf 27,9 Milliarden Dollar schätzt, hat der Unternehmer mit der „Post“ und den anderen Blättern wohl einen längeren Atem als der finanziell geplagte Verlag, der als börsennotierte Firma unter hohem Renditedruck stand.

Washington Post Company gibt sich neuen Namen

Die wertvollsten Marken der Welt
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Platz 20: MasterCard

Die Kreditkartengesellschaft Mastercard eröffnet in diesem Jahr die Top 20. Für das Unternehmen ging es in der Markenbewertung "BrandZ" vom 29. auf den 20. Platz hinauf. Das Marktforschungsunternehmens Millward Brown sieht den Marktwert derzeit bei 27,8 Millliarden US-Dollar.

(Foto: ap)
SAP-Quartalsbilanz
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Platz 19: SAP

Der Softwarehersteller rangiert im Jahr 2013 auf dem 19. Platz (Vorjahr: 22. Platz) und ist mit einem geschätzten Wert von 34,4 Milliarden US-Dollar die wertvollste deutsche Marke. Erst an 24. Stelle kommt BMW, gefolgt von der Deutschen Telekom auf Rang 27 (Vorjahr: Rang 20).

(Foto: dpa)
A worker brings carts back into a Walmart store in Westminster
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Platz 18: Wall Mart

Mit seinen Supercentern bestimmt die Kette das Bild der USA und steht zugleich für eine extrem hohe Kapitalrendite - Trotz eines Zugewinn von fünf Prozent bei der Markenbewertung ist der Handelsriese um einen Platz abgerutscht. Der Markenwert wird auf 36,2 Milliarden Dollar geschätzt.

(Foto: Reuters)
Vodafone
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Platz 17: Vodafone

Die Briten sind international im Mobilfunkgeschäft tätig: Der Firmenname ist ein Akronym, das sich aus den Worten voice, data und fone zusammensetzt. Als wichtiger Schritt galt die feindliche Übernahme der deutschen Mannesmann AG. Beim Marken-Ranking ging es fünf Plätze abwärts.

(Foto: dpa)
huGO-BildID: 26274555 (FILES)Pedestrians walk past a branch of China's banking giant Industrial and Commercial Bank of China (ICBC) in Shanghai
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Platz 16: ICBC

Abwärts ging es auch für die 1984 gegründete Industrial and Commercial Bank of China (ICBC). Das Kreditinstitut steigt mit einem Marktwert von 41,1 Milliarden Dollar um drei Plätze ab.

(Foto: AFP)
huGO-BildID: 5131057 UPS driver Courtney Matthews delivers packages at an Atlanta hotel Thursday, July, 21, 2005. UPS Inc., the world's largest ship
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Platz 15: UPS

Weltweit düsen die braunen Lieferwagen durch Metropolen und Kleinstädte: United Parcel Service, kurz UPS, ist eines der größten Logistikunternehmen weltweit. Im Markenwettbewerb geht es für das Unternehmen aus Atlanta einen Platz nach vorne.

(Foto: ap)
BEZOS
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Platz 14: Amazon

Der Online-Allesanbieter Amazon von Jeffrey Bezos legt kräftig zu: rund 34 Prozent im Vergleich zum Vorjahr auf 45,7 Milliarden Dollar. Damit ging es für die Marke wieder genau die vier Plätze nach oben, die es sie vergangenen Jahr abgeben musste.

(Foto: ap)

Die Washington Post Company, zu deren größten Anteilseignern Warren Buffett gehört, ist ein wahrer Bauchladen. Zu ihr gehören unter anderem Bildungseinrichtungen, ein Anbieter von Medizinprodukten, lokale Fernsehstationen und ein Kabelnetzbetreiber. Sie sollen auch nach dem Bezos-Deal in der Firma verbleiben, ebenso wie die Online-Magazine „Slate“ und „Root“ sowie das „Foreign Policy Magazine“. Auch das Hauptquartier wird weiterhin der Post Company gehören. Allerdings will sich das Unternehmen nach Abschluss des Zeitungsverkaufs einen neuen Namen geben.

Mit dem Millionendeal folgt die „Washington Post“ den großen Umwälzungen der Zeitungsbranche. Erst am Wochenende war bekannt geworden, dass die „New York Times“ den zum Verlag gehörenden „Boston Globe“ für 70 Millionen Dollar an den Eigentümer des Baseball-Teams Boston Red Sox verkauft. Zuvor hatte bereits Starinvestor Buffett über seine Investmentholding Berkshire Hathaway rund 70 lokale Blätter übernommen.

Parallel hatte Medienmogul Rupert Murdoch seine Zeitungen (unter anderem „Wall Street Journal“, „Sun“) in ein eigenständiges Unternehmen abgespalten. Einen ähnlichen Weg geht derzeit die Tribune Company („Chicago Tribune“, „Los Angeles Times“), die sich aufs lokale Fernsehen verlegt. Auch in Deutschland ist die Branche im Umbruch: So verkauft der Axel-Springer-Konzern die Traditionsblätter „Berliner Morgenpost“ und das „Hamburger Abendblatt“ an die Funke-Mediengruppe (ehemals WAZ-Gruppe) aus Essen.

Mitarbeiter der „Washington Post“ warten nun gespannt darauf, was der künftige Besitzer Jeff Bezos mit ihnen vorhat. Redakteur Ezra Klein jedenfalls gibt ihm eine Chance: „Für erste bin ich optimistisch“.

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13 Kommentare zu "US-Zeitungen in der Krise: Amazon-Chef kauft „Washington Post“"

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  • @clolide
    Um Ihre Frage zu beantworten: Nein! Hennen sind keine natürlichen oder juristischen Personen und können dadurch auch nicht Träger von Rechten und Pflichten sein. Da Hennen leider keine rechtswirksamen Verpflichtungen eingehen können, muss ich Eier weiterhin von dort beziehen, wo rechtswirksame Verpflichtungen vereinbart werden können. So sehr ich die damit verbundenen Umstände auch bedaure, meine Geschäfte nicht unmittelbar mit den jeweiligen Erzeugern machen zu können.

  • Genaauuu Meister Lebemann, wir sind alles dumme Herdentiere und der Zwischenhandel ist voll blöde..daher kaufen Sie auch Ihre Frühstückseier direkt bei der Henne, gelle...wollte gerade ein Brett (..für die Stirn) bei einem Baum kaufen..aber der arogante Lümmel reagiert auf keines meiner Angebot...

  • @useAK47: leider ist nix angekommen. Was soll auch ankommen von jemandem der zum Waffengebrauch aufruft und ansonsten nix als heisse Luft produziert? Bitte setzen Sie sich mit den Feinheiten der deutschen Sprache auseinander, es wird Ihnen guttun.

  • Ob jemand die Weltherrschaft anstrebt, interessiert Otto-Normalbürger eh nicht. Für Otto-Normalbürger ist es nur wichtig, dass der Staubsauger günstig ist und pünktlich geliefert wird, den sie bei AMAZON oder anderswo im Internet bestellen. Ich habe es längst aufgegeben, Herdentiere die Vorteile des freien Denkens und Handelns schmackhaft zu machen. Jeff Bezos hat das Herdenverhalten längst erfasst, analysiert und für sein Geschäft praktisch in die Tat umgesetzt. Deshalb kauft er seinen Staubsauger direkt beim Hersteller und lässt sich nicht die Butter vom goldenen Toast nehmen. Dasselbe gilt für die Kirche. Wer direkt mit Gott sprechen möchte, kann das günstig und direkt tun, statt Geld an eine Einrichtung zu zahlen, die lediglich ein Gespräch vermittelt. Der Zwischenhandel lebt nur von der Dummheit seiner Kunden.

  • Ich bin mal gespannt, ob die WP jetzt noch kritisch über AMAZON berichten wird. Das ist ja fast so wie als wenn ExxonMobil das Greenpeace-Magazin übernimmt.

  • Juchuh, Klingonen! Kahless kehrt zurück. Erweist ihm Ehre, erhebt eure Blutweinkelche und besingt seine Taten im Schein der Hunderttausen Feuer auf Qo’noS!

  • völlig richtig..diese Jeff Bezos ist ein sehr böser Bilderberger-Sekten-Jünger.. die wollen die Weltherschaft und dann wird die Welt bei Amazon verkauft..womöglich an die Klingonen. Zudem..hat mal jemand AMAZON rückwärts gelesen..jetzt ist doch wohl alles klar!!..stellt euch den Typ mal mit langem Bart vor...oh weh...

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • @useAK47: bitte sparen Sie sich Ihren vulgären Antisemitisumus (http://de.wikipedia.org/wiki/Mischpoke)

  • Amazon hat vorgemacht, wie Versandhandel im Internet funktionieren kann.
    Phantasielosigkeit in Sachen Online-Vermarktung von Journalistik-Produkten scheint nicht nur ein europäisches Problem zu sein.
    Mal sehn, ob Amazon schaffen sollte was über das Selbstverständnis vieler Verlage und ihrer MA zu stolpern scheint: eine nutzvolle und auch kaufmännisch brauchbare Vewertung von OnLine Inhalten.
    Während viele große Verlagshäuser mit ihrer Größe und damit verbundenen Reibungsverlusten zu kämpfen haben, wie es aussieht, steht Amazon die eigene Größe nicht im Weg.
    Man darf also gespannt sein.

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