Valley Voice Ein Containerdorf für angehende Millionäre

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Der Container wird zum Modul

Unternehmen wie 99Designs haben schon die Konsequenzen gezogen und sind aus dem teuren Financial District in San Francico nach Oakland weitergezogen, in die sogenannte „East Bay“. „Die größte Überraschung“, so Vorstandschef Patrick Llewellyn gegenüber dem Handelsblatt, „war die Reaktion der Belegschaft“. Er hatte mit Verärgerung gerechnet, aber es gab großen Jubel. Fast alle Mitarbeiter hatten schon längst San Francisco Richtung East Bay verlassen und waren froh, dass die Firma jetzt folgte.

Der Milliardenkonzern GE baute gar direkt im verschlafenen San Ramon, weit weg vom Silicon Valley in der East Bay seine neue Forschungszentrale, die in weniger als fünf Jahren von null auf über 1200 Software-Ingenieure angewachsen ist. Amy Sarosiek von GE Research sieht hier sogar einen echten Vorteil, wenn es um Top-Talente geht. „Wer zu uns kommt, hat schon eine andere Lebensplanung. Er will ein Haus und eine Familie und nicht jeden Morgen im Stau stehen.“ Es kämen laufend Bewerbungen aus allen namhaften Unternehmen.

Das sind die wertvollsten Start-ups der Welt
Platz 17: Spotify
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Eines der wertvollsten Start-ups der Welt wird in diesem Jahr wohl die Rangliste verlassen. Der Musikstreaming-Dienst Spotify setzt laut Medienberichten zu seinem seit langem erwarteten Börsengang an. Derzeit wird das Unternehmen aus Schweden mit 8,5 Milliarden Dollar bewertet, ein Börsengang könnte die Bewertung auf bis zu 20 Milliarden steigern. Der Dienst kommt nach eigenen Angaben auf mehr als 60 Millionen zahlende Abo-Kunden und mehr als 140 Millionen Nutzer insgesamt.

Quelle: WSJ Billion Dollar Club, Januar 2017

Platz 16. Theranos
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Mit nur 19 Jahren gründete Elizabeth Holmes (Bild) im Jahr 2003 die Firma Theranos. Mit einem kleinen Piekser in den Finger sollten innovative Technologien zuverlässige günstige Bluttests liefern. Doch dann wurden immer mehr Probleme mit den Bluttests bekannt. Ergebnisse wurden angezweifelt und letztlich als fehlerhaft zurückgezogen. 2017 konnte Theranos die folgenden Rechtstreite aber beilegen. Die letzte Finanzierungsrunde, die vor dem Skandal stattfand, bewertete das Unternehmen mit 9 Milliarden Dollar.

Platz 15: Stripe
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Die irischen Brüder Patrick (links) und John Collison gründeten 2009 das Start-up Stripe. Die Software-Plattform will Online-Zahlungsabwicklungen erleichtern und verarbeitet jährlich für Unternehmen in 25 Ländern Beträge in Milliardenhöhe. Selbst ist das Jungunternehmen 9,2 Milliarden Dollar wert.

Platz 14: DJI
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Frank Wang hat seinen Kindheitstraum wahr gemacht und sogar noch weiterentwickelt: Als er noch klein war, träumte er von einem Modell-Helikopter - als er einen besaß, crashte er ihn schnell. Doch er hielt an seinem Traum fest und gründete 2006 DJI, ein mittlerweile 10 Milliarden Dollar schweres Unternehmen, das Drohnen herstellt und verkauft. Mehr als 6000 Mitarbeiter arbeiten weltweit für die Chinesen.

Platz 13: Dropbox
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Wer hat noch keine Dateien per Dropbox verschickt? Das Start-up bietet eine Freigabe- und Speicherlösung von kleinen und großen Dateien. Drew Houston schrieb 2007 den ersten Softwarecode für Dropbox während einer Busfahrt von Boston nach New York. Mittlerweile nutzen über eine halbe Milliarde Menschen weltweit Dropbox. Das Unternehmen ist derzeit 10 Milliarden Dollar wert. Experten erwarten, dass bald ein Börsengang angekündigt wird.

Platz 12: Lyft
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Der 2012 gegründete Fahrdienst-Vermittler ist der größte Konkurrent von Platzhirsch Uber. Das Start-up ist in rund 300 US-Städten aktiv. Im Oktober 2017 steckte Google eine Milliarde Dollar in das Unternehmen. Damit stieg die Bewertung von Lyft auf 11,5 Milliarden Dollar. Ein Börsengang wird in diesem Jahr erwartet.

Platz 11: Flipkart
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Der virtuelle Marktplatz Flipkart ist das indische Pendant zu Amazon. Binny Bansal (rechts, mit Microsoft-Chef Satya Nadella) und Sachin Bansal arbeiteten vor der Gründung für den heutigen Konkurrenten Amazon, wollten dann aber eine E-Commerce-Webseite für Inder gründen. Indische Unternehmen investierten bereits drei Milliarden Dollar in das Start-up, das mittlerweile 11,6 Milliarden Dollar wert ist.

Hilfe verspricht Google sich dagegen wie immer durch Technologie. Das Start-up Factory OS ist spezialisiert auf „Modulwohnungen“ und soll das Problem lösen. Im Werk vorgefertigte und vor Ort zusammengestapelte Module hört sich besser an als „Containerdorf“ oder gar „Trailerpark“. Das sind die Wohnwagen-Parks, auf die alle herunterschauen. Denn da wohnen die, die es gerade noch mal knapp an der Obdachlosigkeit vorbeigeschafft haben. Aber wenn es ein Modul ist und ein Tesla vor der Tür parkt, ist das „hip“. Eine Investition von 25 bis 30 Millionen Dollar schafft nach Informationen des „Wall Street Journal“ Wohnraum für zunächst 300 Google-Mitarbeiter. Die Erstellungskosten sollen pro Einheit bis zu 20 Prozent unter traditionellem Bau liegen, verspricht die Webseite von Factory OS.

Google selbst will das nicht kommentieren. Aber, so das Journal, die Wohnungen werden auf dem Moffett-Field, einem ehemaligen Nasa-Gelände, entstehen, praktisch in Sichtweite des geplanten neuen Google-Hauptquartiers, das Apples Raumschiff wie eine jämmerliche fliegende Untertasse aussehen lassen soll. Noch ein Grund weniger für die Bewohner der Modulgebäude, sich nur als Trailer-Park-Bewohner mit fettem Gehaltsscheck zu fühlen.

Denn der Gehaltsscheck ist der einzige Unterschied. Die Universitätsstadt Berkeley hat im Februar auch Pläne für „Pods“, vorgefertigte Wohnkapseln, angekündigt. In ihnen sollen „echte“ Obdachlose unterkommen, die sonst auf der Straße leben müssen. San Francisco überlegt, 200 oder mehr der 15 Quadratmeter großen Fertigbau-Zellen aufzustellen, ist aber noch unschlüssig. Denn der Entwickler will trotzdem noch 1000 Dollar Miete pro Monat von der Stadt, pro Einheit und Monat.

Wie groß die einzelne Modulwohnung von Google werden, ist nicht klar. Aber sie dürften zumindest zum Teil über den Mindestgrößen liegen, die Mountain View erlaubt. Dass über solche Optionen überhaupt geredet wird, liegt an einem Vorstoß der privaten Wohnungsbau-Wirtschaft. Sie konnte San Francisco 2012 überzeugen, die gesetzliche Mindestgröße für Miet- und Eigentumswohnungen deutlich auf 20 Quadratmeter zu reduzieren und trat damit eine Lawine los. Das Ergebnis: Renovierte Altbauwohnungen mit 22 Quadratmetern Grundfläche, von denen die erste 2016 für sagenhafte 425.000 Dollar verkauft wurde. Man muss eingestehen: Das ist immerhin fast dreimal so groß wie eine durchschnittliche Gefängniszelle in den USA.

Eigentlich könnte man da schon fast überlegen, die Gefängnisinsel Alcatraz in der San Francisco Bay als Luxusimmobile wieder auferstehen zu lassen.

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Immer dienstags schreiben Britta Weddeling und Axel Postinett, Korrespondenten des Handelsblatts im Silicon Valley, über neue Trends und den digitalen Zeitgeist im Tal der Nerds.

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