Valley Voice Der Fall des Hauses Uber

Sexismus-Vorwürfe und Manager-Abgänge: Der Fahrdienstvermittler Uber stürzt von Skandal zu Skandal. Doch das Chaos im wertvollsten Start-up des Silicon Valley zeigt die viel größere Sinnkrise der Branche.
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Britta Weddeling, Korrespondentin des Handelsblatts im Silicon Valley, berichtet über neue Trends und den digitalen Zeitgeist im Tal der Nerds.
Die Stimme aus dem Valley

Britta Weddeling, Korrespondentin des Handelsblatts im Silicon Valley, berichtet über neue Trends und den digitalen Zeitgeist im Tal der Nerds.

San FranciscoEin Start-up in Silicon Valley zu führen, das ist wie eine Dauerfahrt auf der Überholspur – bei der man die Überholspur auch noch bauen muss. Der Druck von Investoren und Konkurrenz ist enorm, alles geht stets schief, an Schlaf ist nicht zu denken, am Wochenende sowieso nicht. Gründern darf dennoch nicht die Kontrolle über das Narrativ ihrer Firma entgleiten, so wie dies nun bei Uber zu beobachten ist.

Erfolg ist auch eine Frage der Kultur. Die Rundum-Sorglos-Pakete der Unternehmen, die kunterbunten Büros, das Bio-Essen – die „soften“ Faktoren der Unternehmensführung, sie werden von Außenstehenden gern als niedlich verlacht. Doch sie zahlen auf die Moral ein. Das ist wie mit dem guten Essen auf See: In Krisenzeiten beugt es der Meuterei vor.

Die jüngsten Abgänge im Management deuten darauf hin, dass die Stimmung bei Uber mindestens so gruselig ist wie in einer Geschichte von Edgar Allan Poe. Nach Präsident Jeff Jones verließ auch Brian McClendon, der die Entwicklung des Zukunftsgeschäfts mit autonomen Fahrzeugen maßgeblich steuerte, das Start-up, Als „giftig“ gar bezeichneten Freada Kapor Klein und Mitch Kapor, frühe Investoren bei Uber, die interne Atmosphäre in einem offenen Brief.

Der Aufsichtsrat der Firma, zu dem Medienunternehmerin Arianna Huffington gehört, hat Kalanick erneut das Vertrauen ausgesprochen. Fragen nach weiteren möglichen Änderungen im Uber-Management wollte das Unternehmen gegenüber dem Handelsblatt am Montag nicht kommentieren.

Das sind die wertvollsten Start-ups der Welt
Platz 17: Spotify
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Eines der wertvollsten Start-ups der Welt wird in diesem Jahr wohl die Rangliste verlassen. Der Musikstreaming-Dienst Spotify setzt laut Medienberichten zu seinem seit langem erwarteten Börsengang an. Derzeit wird das Unternehmen aus Schweden mit 8,5 Milliarden Dollar bewertet, ein Börsengang könnte die Bewertung auf bis zu 20 Milliarden steigern. Der Dienst kommt nach eigenen Angaben auf mehr als 60 Millionen zahlende Abo-Kunden und mehr als 140 Millionen Nutzer insgesamt.

Quelle: WSJ Billion Dollar Club, Januar 2017

Platz 16. Theranos
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Mit nur 19 Jahren gründete Elizabeth Holmes (Bild) im Jahr 2003 die Firma Theranos. Mit einem kleinen Piekser in den Finger sollten innovative Technologien zuverlässige günstige Bluttests liefern. Doch dann wurden immer mehr Probleme mit den Bluttests bekannt. Ergebnisse wurden angezweifelt und letztlich als fehlerhaft zurückgezogen. 2017 konnte Theranos die folgenden Rechtstreite aber beilegen. Die letzte Finanzierungsrunde, die vor dem Skandal stattfand, bewertete das Unternehmen mit 9 Milliarden Dollar.

Platz 15: Stripe
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Die irischen Brüder Patrick (links) und John Collison gründeten 2009 das Start-up Stripe. Die Software-Plattform will Online-Zahlungsabwicklungen erleichtern und verarbeitet jährlich für Unternehmen in 25 Ländern Beträge in Milliardenhöhe. Selbst ist das Jungunternehmen 9,2 Milliarden Dollar wert.

Platz 14: DJI
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Frank Wang hat seinen Kindheitstraum wahr gemacht und sogar noch weiterentwickelt: Als er noch klein war, träumte er von einem Modell-Helikopter - als er einen besaß, crashte er ihn schnell. Doch er hielt an seinem Traum fest und gründete 2006 DJI, ein mittlerweile 10 Milliarden Dollar schweres Unternehmen, das Drohnen herstellt und verkauft. Mehr als 6000 Mitarbeiter arbeiten weltweit für die Chinesen.

Platz 13: Dropbox
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Wer hat noch keine Dateien per Dropbox verschickt? Das Start-up bietet eine Freigabe- und Speicherlösung von kleinen und großen Dateien. Drew Houston schrieb 2007 den ersten Softwarecode für Dropbox während einer Busfahrt von Boston nach New York. Mittlerweile nutzen über eine halbe Milliarde Menschen weltweit Dropbox. Das Unternehmen ist derzeit 10 Milliarden Dollar wert. Experten erwarten, dass bald ein Börsengang angekündigt wird.

Platz 12: Lyft
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Der 2012 gegründete Fahrdienst-Vermittler ist der größte Konkurrent von Platzhirsch Uber. Das Start-up ist in rund 300 US-Städten aktiv. Im Oktober 2017 steckte Google eine Milliarde Dollar in das Unternehmen. Damit stieg die Bewertung von Lyft auf 11,5 Milliarden Dollar. Ein Börsengang wird in diesem Jahr erwartet.

Platz 11: Flipkart
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Der virtuelle Marktplatz Flipkart ist das indische Pendant zu Amazon. Binny Bansal (rechts, mit Microsoft-Chef Satya Nadella) und Sachin Bansal arbeiteten vor der Gründung für den heutigen Konkurrenten Amazon, wollten dann aber eine E-Commerce-Webseite für Inder gründen. Indische Unternehmen investierten bereits drei Milliarden Dollar in das Start-up, das mittlerweile 11,6 Milliarden Dollar wert ist.

Doch intern gerät der Gründer immer mehr unter Druck, nicht nur wegen der Vorwürfe der Ex-Mitarbeiterin Susan Fowler über stillschweigend geduldeten Sexismus im Unternehmen, sondern auch wegen der Klage von Google-Mutter Alphabet. Sie wirft Anthony Levandowski, Gründer des inzwischen zu Uber gehörigen Lkw-Start-ups Otto vor, Technologie gestohlen zu haben.

Kalanick will sich inzwischen als Führungskraft „fundamental verändern“. Eine neue Nummer zwei im Unternehmen soll ihn künftig bei operativen Fragen unterstützen. Doch ob das reicht, um die Öffentlichkeit davon zu überzeugen, er sei in ein paar Wochen vom Rowdy zum weisen Konzernlenker gereift?

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