Valley Voice Die erste Revolution des Jahres

Die Trump-Regierung hat die Netzneutralität mit einem Federstrich beendet. 2018 wird eine Wasserscheide für die Start-ups im Silicon Valley und weltweit. Die Einmischung der Politik wird neue Dimensionen erreichen.
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Axel Postinett, Korrespondent des Handelsblatts im Silicon Valley, berichtet über neue Trends und den digitalen Zeitgeist im Tal der Nerds.
Die Stimme aus dem Valley

Axel Postinett, Korrespondent des Handelsblatts im Silicon Valley, berichtet über neue Trends und den digitalen Zeitgeist im Tal der Nerds.

Las VegasDas Silicon Valley hat seinen ersten Streit des Jahres mit Washington. Und ausgetragen wird er in Las Vegas. Die Netzneutralität in den USA ist tot, und der Terminator traut sich nicht mehr vor die Tür. Ajit Pai, im Auftrag von Präsident Donald Trump der neue Herr über die US-Telekommunikationsbehörde FCC, hat seine Teilnahme an der CES, der Leitmesse der Digitalindustrie, kurzfristig abgesagt. Angeblich, weil er laut Medienberichten Todesdrohungen erhalten haben soll. Vielleicht scheut er aber auch nur die öffentliche Diskussion. Die Behörde äußert sich nicht zu den Gründen der Absage.

Das Valley hat guten Grund nervös und verärgert zu sein. Jahre der Regulierungsarbeit unter Präsident Barack Obama hat Pai mit einem Federstrich eliminiert. Die Bestimmungen, wer in der Branche wen übernehmen darf, werden beträchtlich gelockert. Und Internet-Zugangsprovider dürfen jetzt nach Lust und Laune entscheiden, wem sie was zu welchem Preis zugänglich machen, wenn überhaupt. Wie Blutsauger können sie von jedem erfolgreichen Unternehmen immer höhere Zugangsgebühren einfordern, damit ihr Dienst „störungsfrei“ beim Kunden funktioniert. Netflix kann ein Lied davon singen.

Bislang war es wie bei einem Stromunternehmen. Der Strom an der Steckdose durfte zum gleichen Preis genutzt werden, egal ob ein Kühlschrank, ein Fernseher oder eine Herz-Lungen-Maschine dranhängt. Was nun im Internet kommt, ist als ob der Stromlieferant für Medizingeräte einfach das Doppelte verlangen könnte. Woher der das wissen soll? Kein Problem im digitalen Zeitalter, wo alle Geräte individuell identifizierbar sind. Auf der CES nennt man das das Internet der Dinge.

Bundesstaaten wie Kalifornien oder Washington, Heimatstaaten des Silicon Valley, Amazon und Microsoft, haben zwar angekündigt, eigene Gesetze schreiben, die den Kabel- und Telekom-Giganten wie Comcast, T-Mobile US, Charter Communications oder AT&T verbieten sollen, willkürlich Angebote zu beschneiden, Inhalte zu unterdrücken, Geschwindigkeiten zu drosseln, eigene Dienste zu bevorzugen oder Premiumzuschläge für Selbstverständlichkeiten zu verlangen.

Das sind die wertvollsten Start-ups der Welt
Platz 17: Spotify
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Eines der wertvollsten Start-ups der Welt wird in diesem Jahr wohl die Rangliste verlassen. Der Musikstreaming-Dienst Spotify setzt laut Medienberichten zu seinem seit langem erwarteten Börsengang an. Derzeit wird das Unternehmen aus Schweden mit 8,5 Milliarden Dollar bewertet, ein Börsengang könnte die Bewertung auf bis zu 20 Milliarden steigern. Der Dienst kommt nach eigenen Angaben auf mehr als 60 Millionen zahlende Abo-Kunden und mehr als 140 Millionen Nutzer insgesamt.

Quelle: WSJ Billion Dollar Club, Januar 2017

Platz 16. Theranos
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Mit nur 19 Jahren gründete Elizabeth Holmes (Bild) im Jahr 2003 die Firma Theranos. Mit einem kleinen Piekser in den Finger sollten innovative Technologien zuverlässige günstige Bluttests liefern. Doch dann wurden immer mehr Probleme mit den Bluttests bekannt. Ergebnisse wurden angezweifelt und letztlich als fehlerhaft zurückgezogen. 2017 konnte Theranos die folgenden Rechtstreite aber beilegen. Die letzte Finanzierungsrunde, die vor dem Skandal stattfand, bewertete das Unternehmen mit 9 Milliarden Dollar.

Platz 15: Stripe
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Die irischen Brüder Patrick (links) und John Collison gründeten 2009 das Start-up Stripe. Die Software-Plattform will Online-Zahlungsabwicklungen erleichtern und verarbeitet jährlich für Unternehmen in 25 Ländern Beträge in Milliardenhöhe. Selbst ist das Jungunternehmen 9,2 Milliarden Dollar wert.

Platz 14: DJI
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Frank Wang hat seinen Kindheitstraum wahr gemacht und sogar noch weiterentwickelt: Als er noch klein war, träumte er von einem Modell-Helikopter - als er einen besaß, crashte er ihn schnell. Doch er hielt an seinem Traum fest und gründete 2006 DJI, ein mittlerweile 10 Milliarden Dollar schweres Unternehmen, das Drohnen herstellt und verkauft. Mehr als 6000 Mitarbeiter arbeiten weltweit für die Chinesen.

Platz 13: Dropbox
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Wer hat noch keine Dateien per Dropbox verschickt? Das Start-up bietet eine Freigabe- und Speicherlösung von kleinen und großen Dateien. Drew Houston schrieb 2007 den ersten Softwarecode für Dropbox während einer Busfahrt von Boston nach New York. Mittlerweile nutzen über eine halbe Milliarde Menschen weltweit Dropbox. Das Unternehmen ist derzeit 10 Milliarden Dollar wert. Experten erwarten, dass bald ein Börsengang angekündigt wird.

Platz 12: Lyft
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Der 2012 gegründete Fahrdienst-Vermittler ist der größte Konkurrent von Platzhirsch Uber. Das Start-up ist in rund 300 US-Städten aktiv. Im Oktober 2017 steckte Google eine Milliarde Dollar in das Unternehmen. Damit stieg die Bewertung von Lyft auf 11,5 Milliarden Dollar. Ein Börsengang wird in diesem Jahr erwartet.

Platz 11: Flipkart
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Der virtuelle Marktplatz Flipkart ist das indische Pendant zu Amazon. Binny Bansal (rechts, mit Microsoft-Chef Satya Nadella) und Sachin Bansal arbeiteten vor der Gründung für den heutigen Konkurrenten Amazon, wollten dann aber eine E-Commerce-Webseite für Inder gründen. Indische Unternehmen investierten bereits drei Milliarden Dollar in das Start-up, das mittlerweile 11,6 Milliarden Dollar wert ist.

Aber die Regierung in Washington D.C. hat schon klargestellt, dass sie das in keiner Weise dulden werde. Da bleiben nur noch die Gerichte. Die Internet Association, die unter anderem Google und Facebook vertritt, hat bereits Klagen angekündigt. Pai hatte im Gegenzug früher bereits auf einer Veranstaltung zum Beispiel Twitter als „Teil des Problems“ des freien Internets gebrandmarkt, weil „konservative Meinungen“ unterdrückt würden.

2018 wird damit eine Wasserscheide für die Start-ups im Silicon Valley und weltweit. Die Einmischung der Politik wird in vielen Ländern neue Dimensionen erreichen. Twitter, Google oder Facebook könnten bevorzugte Ziele von Regulierung oder Zerschlagung werden. Facebooks Mark Zuckerberg hat bereits öffentlichkeitswirksam angekündigt, er werde das Jahr damit verbringen, Facebook zu „reparieren“. Ansonsten könnte die Implosion drohen.

Wird das Internet in Profit-Häppchen zerlegt?
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