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Valley Voice Mit Uber stirbt die Unschuld des Silicon Valleys

„Lieber schnell als perfekt“ hieß lange das Motto im Silicon Valley. Nach dem tödlichen Uber-Unfall ist es damit nun endgültig vorbei.
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Mit Uber stirbt die Unschuld des Silicon Valleys – Valley Voice Quelle: Reuters
Uber-Unfallwagen wird von Beamten untersucht

Mit den laschesten Vorschriften aller Bundesstaaten überhaupt erlaubte Arizona praktisch jedermann mit selbstgebastelten Roboterautos mit minimalen Auflagen und Reportpflichten die Zukunft auf die windigen Wüstenpisten rund um Phoenix zu bringen.

(Foto: Reuters)

San FranciscoArizona wirft die selbstfahrenden Uber-Testwagen raus: Am Montagabend teilte der republikanische Gouverneur des Wild-West-Staates dem Taxi-Konkurrenten Uber mit, dass der Unfall in der vergangenen Woche, bei dem eine Frau von einem selbstfahrenden Uber-Auto getötet wurde, ein „unzweifelhaftes Versagen“ des Unternehmens gewesen sei. Die wichtigste Prämisse der Testerlaubnis sei: „Sicherheit zuerst.“

Am Dienstag warnte das Handelsblatt an dieser Stelle eindringlich vor voreiligen Schlüssen und einem „Persilschein“, mit dem Uber reingewaschen werden sollte. Als dann das Video der Armaturenbrettkamera auftauchte und den Unfallverlauf zeigte, wurde schnell klar, dass etwas nicht stimmen konnte.

Das Fahrzeug hatte weder gebremst noch ein Ausweichmanöver eingeleitet, sondern war frontal in die Frau hineingefahren. Der Wagen hatte sie entweder nicht „gesehen“, nicht als Risiko erkannt, die Software hatte versagt oder war so programmiert, dass sie den Tod der Frau in Kauf genommen hat. Was genau davon zutrifft, das werden die Ermittlungen zeigen müssen. Der Hergang ist von der Polizei bereits mit dem tatsächlichen Unfallfahrzeug nachgestellt worden.

Axel Postinett, Korrespondent des Handelsblatts im Silicon Valley, berichtet über neue Trends und den digitalen Zeitgeist im Tal der Nerds.
Die Stimme aus dem Valley

Axel Postinett, Korrespondent des Handelsblatts im Silicon Valley, berichtet über neue Trends und den digitalen Zeitgeist im Tal der Nerds.

Aber eines ist schon klar: 2017 war das letzte Jahr, in dem das Tal der Nerds sich noch das letzte bisschen Unschuld bewahren konnte. Es hatte schon Skandale gegeben und kriminelle Energie, so wie im Fall des obskuren Labordienstes Theranos. Aber es waren nie wirklich direkt Menschenleben in Gefahr. Jetzt schicken sich die digitalen Weltverbesserer aber an, mit ihrer zweifelhaften Arbeitsmoral reale Leben in Gefahr zu bringen.

Eines meiner ersten Erlebnisse im Silicon Valley war ein Besuch im Hauptquartier von Facebook. In großen Buchstaben stand da an den Wänden das Motto „Move fast and break things“: Sei schnell und zerstöre Sachen. Damit war damals nur Programmieren gemeint. Lieber eine innovative Funktion unfertig auf den Markt bringen und erster sein, als sie perfekt zu bringen und letzter.

Das Ganze wurde auch spöttisch „Programmieren nach dem Bananenprinzip“ genannt: Die Software reift, wie eine grüne Banane, beim Kunden. Das ist jetzt vorbei. Das Silicon-Valley-Prinzip „lieber schnell als perfekt“ hat vergangenen Sonntag seine Unschuld verloren.

Arizonas Gouverneur Doug Ducey hatte sich 2016 als super-innovativer Politiker präsentieren wollen und eigentlich das erst möglich gemacht, was jetzt passiert ist. Mit den laschesten Vorschriften aller Bundesstaaten überhaupt erlaubte Arizona praktisch jedermann mit selbstgebastelten Roboterautos mit minimalen Auflagen und Reportpflichten die Zukunft auf die windigen Wüstenpisten rund um Phoenix zu bringen.

Dieses Video zeigt den Uber-Unfall

Jetzt versucht Ducey nichts weniger als seine politische Karriere zu retten. Noch am Tag nach dem spektakulären Unfall erklärte eine Polizeisprecherin, der Unfall auf nächtlicher Straße sei praktisch weder für Mensch noch Maschine zu verhindern gewesen.

Experten und Chefs von konkurrierenden Unternehmen, namentlich Google-Schwester Waymo, geben nun zu Protokoll, ihre Fahrzeuge hätten den Unfall verhindern können. Das ist starker Tobak. Hat Uber den Tod der Frau mehr als nur in Kauf genommen, ihn vielleicht einkalkuliert, weil man mit unfertiger Software und Sicherheitssystemen so schnell wie möglich an den Start gegangen ist?

Immerhin: Arizona war so was wie Ubers letzte Hoffnung, nachdem in Kalifornien die Aufsichtsbehörden mehr Transparenz gefordert hatten. Uber zog daraufhin seine Fahrzeuge erst einmal aus Kalifornien ab, statt zu verhandeln. Andere, wie Waymo oder GM, taten das nicht. In Kalifornien sind Sicherheitsberichte zu allen Fahrzeugen offen einsehbar. In Arizona nicht.

Ob sich der Fahrvermittlungsdienst, der ohnehin schon mit einem ernsten Bewertungsproblem am Kapitalmarkt kämpft und gerade seine ostasiatischen Aktivitäten an die Konkurrenz verkauft hat, diese Tragödie überleben wird, ist unklar. Das werden Gerichte und öffentliche Meinung entscheiden.

Doch war es vermutlich die aktuelle Hast von Uber, die den Tod eines Menschen verursacht hat. Damit ist aus dem Zukunftssandkasten Silicon Valley ein Friedhof geworden.

Und es ist kein Zufall, dass es das rücksichts- und skrupellose Uber war, mit dem das Ende der unbesorgt fröhlichen Digitalkultur der jungen Milliardäre eingeläutet wurde. Ab jetzt weht im Valley ein anderer Wind. Das wird auch die Entwicklung der künstlichen Intelligenz beeinflussen, die man solchen Firmen wie Uber und Facebook in Zukunft nicht mehr unkontrolliert überlassen kann. Und es ist richtig so.

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Immer dienstags schreiben Britta Weddeling und Axel Postinett, Korrespondenten des Handelsblatts im Silicon Valley, über neue Trends und den digitalen Zeitgeist im Tal der Nerds.

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