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Verimi und NetID Login-Allianzen kämpfen um den Internet-Generalschlüssel – und finden nicht zueinander

NetID und Verimi gehen an den Start. Trotz großer Gemeinsamkeiten gibt es keinen Schulterschluss – die deutschen Anbieter eint nur der Gegner.
Update: 23.10.2018 - 20:26 Uhr Kommentieren
Mit schneller und bequemer Registrierung wollen Unternehmen Neukunden locken. Quelle: Tetra images/Getty Images
Digitaler Schlüssel

Mit schneller und bequemer Registrierung wollen Unternehmen Neukunden locken.

(Foto: Tetra images/Getty Images)

Düsseldorf Ende der Woche soll es soweit sein: Die digitale Log-in-Allianz NetID will endlich an den Start gehen. Ein graues stilisiertes Schloss mit grünem Haken soll dann auf rund 60 Websites zu sehen sein. Bitte hier entlang, lautet die Botschaft. Damit will der Verbund, zu dem sich zahlreiche Unternehmen, darunter die Mediengruppe RTL Deutschland, Pro Sieben Sat 1 und United Internet mit den Marken Web.de und GMX, zusammengeschlossen haben, eine Alternative zu den bestehenden Registriermöglichkeiten im Internet schaffen.

Bislang wird der digitale Registriermarkt von den beiden Tech-Konzernen Google und Facebook dominiert. Deren Buttons sind auf vielen Websites integriert und locken die Neukunden mit schneller und bequemer Registrierung. Wer sich auf einer Plattform registrieren will, ob E-Commerce, Nachrichtenportal oder Partnerschaftsvermittlung, kann dafür seinen bestehenden Account bei Facebook oder Google nutzen.

Solche virtuellen Generalschlüssel sind wertvoll, schließlich baumeln Tausende wertvoller Daten am Bund. Deshalb wollen Unternehmen in Deutschland ein Gegengewicht schaffen. Nicht nur NetID hat so ein System gebaut, sondern auch Verimi, die andere deutsche Registrier-Allianz, zu der sich ein Gesellschafterkreis mit Konzernen wie Daimler, Allianz, Lufthansa, Deutsche Bank, Deutsche Telekom und Axel Springer zusammengefunden hat.

Trotz großer Gemeinsamkeiten finden die beiden deutschen Systeme nicht zueinander. Sie eint zurzeit vor allem nur eines: der gemeinsame Gegner in Übersee – Google und Facebook. Der Feind meines Feindes ist mein Freund? Mitnichten. Trotz zahlreicher Gespräche gibt es keinen gemeinsamen Schulterschluss.

Während die NetID diese Woche an den Start geht, bietet Verimi seinen Dienst bereits seit vergangenem April an. 13 Partner haben den Button bislang fest angebunden. An diesem Mittwoch startet das Start-up Verimi, bei dem rund 50 Beschäftigte arbeiten, seine erste große Werbekampagne, in der das „digitale Ich“ beworben wird.

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„Wir müssen jetzt anfangen, unsere Marke aufzubauen“, sagt Verimi-Geschäftsführerin Jeannette von Ratibor. „Wer dressiert die Datenkraken“, heißt es beispielsweise in einem der Anzeigenmotive, und liefert sogleich die Antwort mit: „Das macht mein Verimi.“

Ein Wettkampf um Partnerunternehmen und Kunden

Die Zahl der Verimi-Nutzer will die Verimi-Chefin nicht verraten, nur so viel: „Wir haben von Anfang an stetige Zuwächse gesehen – die Nutzerzahlen sind mehr als zufriedenstellend.“ Jedoch müssen sich die Nutzer bei einer gesonderten Webseite anmelden, um einen virtuellen Generalschlüssel zu erstellen.

Anders bei NetID: Der Anbieter wirbt damit, dass eine gesonderte Registrierung in ihrem System nicht nötig sei. Über den Log-in-Standard könnten sich die rund 35 Millionen Nutzer, die ein E-Mail-Konto bei den beiden United-Internet-Marken Web.de und GMX oder einen Account von Pro Sieben Sat 1 haben, bequem bei anderen Onlinediensten einloggen. Websites wie Calida.de, Sixx.de und Kochbar.de machen den Anfang – sie haben den neuen Button integriert.

Beide Log-in-Allianzen – Verimi und NetID – buhlen um weitere Partnerunternehmen und um Kunden. Denn ein solches Unternehmen lebt von seiner Skalierbarkeit – je mehr Daten das System zur Verfügung stellt, desto wertvoller wird der Dienst. Verimi investiert hohe Beträge in die eigene Technologie, will mittelfristig aber in die Gewinnzone gelangen. Die Umsätze sollen von den Gebühren stammen, die Verimi den Firmen für die Nutzung ihres Systems berechnet.

Anders als Verimi, das als Unternehmensform eine GmbH gewählt hat, hat NetID seinen Dienst in eine Stiftung ausgelagert. Die Log-in-Allianz will einen offenen, föderalen Standard für das digitale Identitätsmanagement etablieren. Für Jan Oetjen, Vorstand von United Internet und Vorsitzender des Stiftungsrats der NetID, ist klar: „Europa muss beim Thema digitale ID aufpassen.“ Die Zeit drängt – vor allem in Unternehmen, die von der digitalen Werbewirtschaft abhängen.

Denn die Spielregeln ändern sich gerade grundlegend im Internet. Die Zeit der sogenannten Cookies läuft ab. Viele Jahre lang haben Dienstleister im Auftrag der Werbeindustrie sogenannte Cookies auf Rechnern platziert, die nur einen Auftrag haben: so viele Daten wie möglich über die Nutzer zu sammeln.

Je mehr Daten es gibt, desto genauer kann der Internetnutzer eingeschätzt werden, je passgenauer kann die Reklame an ihn ausgeliefert werden. Ein ausgeklügeltes System, das für ein Heer an Cookies auf jedem gemeinen Computer gesorgt hat. Doch die Installierung wurde mit der neuen Datenschutz-Grundverordnung Ende Mai und der geplanten E-Privacy-Verordnung deutlich erschwert.

Auch sorgen die inzwischen weit verbreiteten Adblocker dafür, dass die Werbedienstleister ihre Cookies nicht mehr ungehindert auf den Rechnern platzieren können. Schätzungen zufolge sind auf jedem vierten Gerät solche digitalen Werbeschranken installiert.

Doch auch die Browseranbieter machen Front gegen Cookies: Apples Browser Safari löscht Cookies von Drittanbietern, wenn sie der Verfolgung über mehrere Websites hinweg dienen. Auch der Browseranbieter Mozilla arbeitet an einer Firefox-Version mit eingebautem Tracking-Schutz.

Diese Tendenzen, die einen höheren Datenschutz bringen sollen, geben ausgerechnet den Werbesystemen von Facebook und Google Auftrieb. Denn in ihnen bewegt sich nur derjenige, der zuvor der Speicherung und Verwendung seiner Daten ausdrücklich zugestimmt hat.

Geschlossene Werbesysteme gefragt

Auf Cookies von Drittanbietern müssen die geschlossenen Werbesysteme deshalb nicht zurückgreifen. Sie sind stattdessen einen Schritt weiter gegangen und haben fertige virtuelle Schlüsselsysteme gebaut, die sogar auf den Websites anderer Unternehmen passen.

Umso wichtiger ist es für beide deutschen Allianzen, gewichtige Partnerunternehmen an Bord zu holen. Der Versandhändler Otto beispielsweise hatte lange Zeit mit Verimi geliebäugelt, sich dann aber der NetID angeschlossen.

„Der föderale Ansatz der European NetID Foundation passt hervorragend zu unserem wertegetriebenen Unternehmen“, kommentierte Rainer Hillebrand, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Otto Group, die Entscheidung im September. Sven Bornemann, Vorstandsvorsitzender der NetID Foundation, ergänzte: „Gerade im digitalen Handel zeigt der Log-in-Standard NetID seine Stärken.“

Verimi dagegen war im Frühjahr wegen Personalquerelen in die Schlagzeilen geraten: Die frühere Chefin und langjährige Axel-Springer-Managerin Donata Hopfen hatte das Unternehmen wegen „unterschiedlicher Auffassungen in der strategischen Führung des Unternehmens“ verlassen.

Deutsche-Telekom-Managerin von Ratibor, bis dato stellvertretende Vorsitzende der Verimi-Gesellschafterversammlung, übernahm Hopfens Position interimsmäßig. Ein dauerhafter Nachfolger soll in Kürze benannt werden.

Doch für beide Systeme gilt: „Der eigentliche Wettbewerb wird mit Firmen wie Google, Amazon und Facebook geführt“, sagt Verimi-Geschäftsführerin von Ratibor. „Wir brauchen eine starke Lösung in Europa.“

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