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Verkauf von „Les Echos“ Pearson sagt Frankreich Adieu

Die britische Verlagsgruppe Pearson trennt sich von ihrem Frankreich-Geschäft: Der Mutterkonzern der "Financial Times" steht vor dem Verkauf der Wirtschaftszeitung "Les Echos". Das Geld kann der Verlag gut gebrauchen, will er doch ins Rennen um den US-Medienkonzern Dow Jones ("Wall Street Journal") einsteigen. Hilfe hat er sich schon gesichert.

PARIS/LONDON/DÜSSELDORF. Wie aus französischen Unternehmenskreisen verlautete, hat der Milliardär Bernard Arnault, Großaktionär des Luxusriesen LVMH, beste Chancen auf eine Übernahme der renommierten Tageszeitung. Ein Sprecher Arnaults wollte zu dem Vorgang keinen Kommentar abgeben.

Berichten zufolge verlangt Pearson für die Zeitung mit einer Auflage von rund 119 000 Exemplaren rund 200 Mill. Euro. "Les Echos" hat im vorigen Jahr einen Umsatz von 126,2 Mill. Euro und einen Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abgaben (Ebitda) von zehn Mill. Euro erwirtschaftet.

An Interessenten für "Les Echos" fehlt es nicht. Laut "Le Monde" gibt es noch zwei weitere Kaufkandidaten für das Blatt. Arnault ist bereits Eigentümer der französischen Wirtschaftszeitung "La Tribune". Wie es in Paris heißt, dürfte Arnault die defizitäre "La Tribune" verkaufen, da sonst Wettbewerbsbedenken entstünden, wenn er beide Wirtschaftszeitungen Frankreichs besäße.

Interesse an Dow Jones

Der Verkauf der Beteiligung in Frankreich ist ein weiterer Schritt, komplett aus dem Zeitungsgeschäft in nicht-englischen Märkten auszusteigen. Im Gegenzug soll die Position im angloamerikanischen Markt ausgebaut werden: Gemeinsam mit General Electric spricht Pearson über den Kauf des US-Medienkonzerns Dow Jones, in dem das "Wall Street Journal" erscheint.

Es gebe derzeit aktive Gespräche, meldeten "Financial Times" und "Wall Street Journal" übereinstimmend am Wochenende. Die Gespräche seien aber noch in einem frühen Stadium. Es sei nicht sicher, ob es zu einem Angebot komme. GE würde laut "Financial Times" den größten Teil des Kaufpreises zahlen.

Damit könnte eine neue Hürde für den Medienmogul Rupert Murdoch entstehen, der mit seinem Konzern News Corp. den "Wall Street Journal"-Mutterkonzern Dow Jones für rund fünf Mrd. Dollar (3,7 Mrd. Euro) übernehmen will. Die Mehrheit der Stimmrechte an Dow Jones hält die Familie Bancroft. Nach einer ersten Ablehnung des Angebots wird inzwischen mit Murdoch verhandelt. Der Mischkonzern GE hat Interesse, eine Übernahme von Dow Jones durch Murdoch zu verhindern: GE ist Eigner des Medienkonzerns NBC Universal, zu dem auch der Wirtschaftssender CNBC gehört. Doch wird erwartet, dass GE-Chef Jeffrey Immelt Widerstand von Großaktionären entgegenschlüge, sollte er ein Angebot abgeben: Der Preis von fünf Mrd. Dollar gilt als viel zu hoch.

Nach Angaben aus Bankenkreisen in Londen stehen weitere Beteiligungen von Pearson auf dem Prüfstand. Darunter sei die Wirtschaftszeitung "Financial Times Deutschland" (FTD), an der die Briten und der deutsche Verlag Gruner + Jahr jeweils die Hälfte der Anteile halten.

Ein Sprecher von Gruner + Jahr wollte angebliche Verkaufsabsichten am Wochenende nicht bestätigen. "Solche Gerüchte kommentieren wir grundsätzlich nicht. Wir gehen von einer Fortsetzung der guten und vertrauensvollen Partnerschaft mit der FT aus", hieß es bei der Zeitschriftentochter von Bertelsmann. Die FTD macht seit ihrer Gründung vor acht Jahren Verluste. Ein Pearson-Sprecher sagte nichts zu einem möglichen Verkauf der Beteiligung an dem deutschen Ableger. Auch zu dem Rückzug aus Frankreich wollte er sich nicht äußern.

Verkäufe in Spanien

Die zu Pearson gehörende FT Group hat bereits eine Beteiligung an der spanischen Zeitung "El Mundo" verkauft und sich 2005 aus der spanischen Zeitungsgruppe Recoletos zurückgezogen. Auf der anderen Seite kaufte die Gruppe im August 2006 Mergermarket, einen auf Informationen über Fusionen und Übernahmen spezialisierten Online-Anbieter. An Beteiligungen in nicht-englischsprachigen Medien bliebe nach einem Verkauf von "Les Echos" neben der FTD ein Drittel an der russischen Zeitung "Wedomosti".

Die FT Group macht rund ein Sechstel des Konzernumsatzes von Pearson aus, der sich auf 4,4 Mrd. Pfund (6,6 Mrd. Euro) beläuft. Pearsons Hauptgeschäft sind Lehrbuchverlage, hier ist der Konzern Weltmarktführer. Wegen der höheren Renditen in dieser Sparte haben große Anleger wiederholt gefordert, die FT Group vom Konzern abzuspalten. Pearson gilt als einer der Hauptkandidaten für eine Übernahme durch Finanzinvestoren. Innerhalb der FT Group macht der Finanzinformationsarm IDC eine operative Rendite von 27 Prozent, während die Printmedien nur auf knapp neun Prozent kommen. Letztere Kennzahl soll nach Angaben des Sprechers im laufenden Jahr auf über zehn Prozent steigen.

Pearson und seine Zeitungsstrategie

Europa: Nach dem Ausstieg aus Spanien verabschiedet sich der britische Verlagskonzern Pearson ("Financial Times") nun aus Frankreich. Das Schicksal der Beteiligungen in Deutschland ("FTD") und Russland ("Wedomosti") ist ungewiss. FTD-Großaktionär Bertelsmann hat wohl ein Vorkaufsrecht und könnte die FTD übernehmen.

USA: Pearson will sich künftig auf englisch-sprachige Märkte konzentrieren. Die Briten stehen als Juniorpartner an der Seite des Mischkonzerns General Electric für eine mögliche Übernahme des US-Medienriesen Dow Jones ("Wall Street Journal") bereit. Doch der Preis von fünf Mrd. Dollar gilt unter Investoren als zu hoch.

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