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Pro-Sieben-Gebäude

Die Staatsanwaltschaft München I hat ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts auf Marktmanipulation eingeleitet.

(Foto:  Pressefoto Prosieben Copyright by Sender/Trademark)

Viceroy Research Kurssturz mit juristischem Nachspiel – Staatsanwaltschaft knöpft sich Pro-Sieben-Leerverkäufer vor

Im März sorgte ein Analysehaus mit einem kritischen Bericht für einen Kurseinbruch. Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft – das kann dauern.
03.08.2018 - 18:03 Uhr Kommentieren

Frankfurt Ein schwarzer Tag mit juristischem Nachspiel: Am 6. März stürzte der Kurs der Pro-Sieben-Sat-1-Aktie um acht Prozent ab, nachdem die zuvor unbekannte Firma Viceroy Research einen alarmierenden Bericht veröffentlicht hatte. Darin warfen die Autoren, deren Unternehmen sich als Analysehaus bezeichnet, dem Fernsehkonzern eine fragwürdige Bilanzierung vor. Zugleich wettete Viceroy laut der Nachrichtenagentur Reuters mit Leerverkäufen auf einen Kursverfall der Pro-Sieben-Sat-1-Aktie.

Nun hat die Staatsanwaltschaft München I ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts auf Marktmanipulation eingeleitet. Eine Sprecherin bestätigte dem Handelsblatt einen entsprechenden Bericht der „Börsen-Zeitung“. Demnach richten sich die durch eine Anzeige der Aufsichtsbehörde Bafin ausgelösten Ermittlungen „gegen verschiedene Einzelpersonen und Personengruppen in verschiedenen Ländern“.

Diverse Hedgefonds setzen immer wieder auf fallende Kurse, auch bei deutschen Unternehmen. Im Frühjahr sorgte Bridgewater Associates mit Wetten gegen Dax-Größen wie SAP und Siemens für Aufsehen. Das Kalkül der Investoren: Sie leihen Wertpapiere, um sie anschließend weiter- und nach einem Kursrutsch günstiger zurückzukaufen. Die Differenz zwischen Verkauf und Kauf streichen sie als Gewinn ein.

„ProSieben – das wahre House of Cards“

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    Seit einiger Zeit entdecken auch in Finanzkreisen kaum bekannte Akteure das Geschäft mit Leerverkäufen für sich. So auch Viceroy Research. Unter der Überschrift „ProSieben – das wahre House of Cards“ lancierte Viceroy Anfang März seine Attacke auf Pro Sieben Sat1. In dem Bericht wirft Viceroy dem Unternehmen Manipulationen vor und attackiert deren „Wachstumsgeschichte“ als „Lüge“. Abschließend schätzt Viceroy den wahren Wert der Aktie auf 7,51 Euro. Der inkriminierende Bericht ist nach wie vor auf der Homepage von Viceroy abrufbar.

    Die Aktie von Pro Sieben Sat1 hat in den vergangenen Jahren deutlich an Wert verloren. Ihr Kurs hat sich seit dem Allzeithoch von 46 Euro Ende 2015 mehr als halbiert. Mit einer Marktkapitalisierung von nur noch gut fünf Milliarden Euro ist Pro Sieben Sat1 seit März nicht mehr im Leitindex Dax gelistet. Auf die Nachricht vom Ermittlungsverfahren reagierten die Anleger hingegen positiv: Zeitweise hievten sie die Aktie am Freitag um bis zu vier Prozent ins Plus.

    Bei den Ermittlungen spiele „die Beteiligung des sogenannten Research-Hauses“ nach Auskunft der Staatsanwaltschaft „eine prominente Rolle“. Viceroy Research reagierte zunächst nicht auf eine E-Mail des Handelsblatts.

    Im März berief sich Viceroy laut Reuters auf die Meinungsfreiheit und erklärte, man sei sich keiner Rechtsverletzung bewusst. Viceroy-Gründer Fraser Perring argumentierte laut der Nachrichtenagentur, ein Leerverkauf („short sale“) sei nicht weniger legitim als eine klassische Spekulation auf steigende Kurse. Die Firmenbezeichnung Viceroy verweist auf den Titel des britischen Statthalters und Vizekönigs von Indien in der Kolonialzeit.

    Eine Sprecherin von Pro Sieben Sat1 sagte auf Anfrage: „Wir begrüßen es, dass die Bafin Anzeige bei der Staatsanwaltschaft eingereicht hat.“ Die Kritik von Viceroy hat das Fernsehunternehmen zurückgewiesen und behält sich „weitere juristische Schritte vor“, sobald die Staatsanwaltschaft Ergebnisse vorlegt.

    Verdachtsfälle Wirecard und Ströer ziehen sich

    Bis es soweit ist, kann es allerdings dauern. Seit rund zwei Jahren ziehen sich ähnlich gelagerte Untersuchungen wegen Leerverkaufs-Attacken gegen den Finanzdienstleister Wirecard und den Werbeanbieter Ströer. Auch in diesen Fällen hatte die Bafin Anzeige erstattet, weil sie Shortseller der Marktmanipulation verdächtigt. Der Ausgang der Ermittlungen ist indes in beiden Fällen noch offen.

    Im Fall Wirecard hat die Staatsanwaltschaft München nach einer vermeintlichen Attacke eines Leerverkäufers zwar kürzlich von einem weiteren Ermittlungsverfahren abgesehen. Ein älteres Verfahren aus einer Short-Attacke im Frühjahr 2016 sei aber „weiterhin offen“, der Ausgang „noch nicht absehbar“, so eine Sprecherin.

    Etwa zur gleichen Zeit hatte der Hedgefonds Muddy Waters die Kölner Firma Ströer beschuldigt, falsch bilanziert zu haben. Ströers Aktienkurs hat sich nach Verlusten mittlerweile erholt. Auch in diesem Fall warten Finanzaufseher und Unternehmen auf Nachricht von der zuständigen Staatsanwaltschaft Frankfurt.

    Rund 250 Verdachtsfälle von Marktmanipulation untersucht die Bafin Jahr für Jahr. Nicht immer geht es dabei um eine Attacke von Shortsellern. „Wenn wir Auffälligkeiten feststellen, dann zeigen wir das bei der Staatsanwaltschaft an“, heißt es bei der Bafin.

    387 dieser Fälle mit insgesamt 762 betroffenen Personen hat die Bafin in den vergangenen drei Jahren an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet. Mehr als 400 Untersuchungen waren Ende 2017 indes noch offen. „Das ist für uns Tagesgeschäft“, heiß es bei der Bafin. Solche Aufmerksamkeit wie bei ProSiebenSat1 erregen die wenigsten Fälle.

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