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Vincent Pang im Interview Huawei-Europa-Chef: „Wir wären bereit, ein No-Spy-Agreement zu unterzeichnen“

Vincent Pang wehrt sich gegen die Vorwürfe, Informationen an den chinesischen Staat weiterzugeben. Seine Marktanteile in Deutschland will er nicht erhöhen.
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Das Deutschland-Geschäft von Huawei macht zwei bis drei Prozent des gesamten Umsatzes aus. Quelle: Huawei Europe
Vincent Pang

Das Deutschland-Geschäft von Huawei macht zwei bis drei Prozent des gesamten Umsatzes aus.

(Foto: Huawei Europe)

Als Vincent Pang 2004 nach Düsseldorf zog, um das Europageschäft für Huawei aufzubauen, kannte kaum jemand den chinesischen Netzwerkausrüster. Inzwischen ist der Konzern Marktführer und der 42-jährige Pang Westeuropa-Chef. Trifft er sich allerdings mit deutschen Politikern, muss er weiterhin viel Aufklärungs- und Erklärungsarbeit leisten.

Im Handelsblatt-Interview schlägt er vor, dass der chinesische Technikkonzern Huawei und Deutschland ein „No-Spy-Abkommen“, um die Sicherheitsbedenken der Bundesregierung auszuräumen. Kritiker verdächtigen den Konzern, seine Kunden für die chinesische Regierung auszuspähen.

„Wir würden niemals Hintertüren in unseren Geräten installieren oder illegal Daten weitergeben. Wir wären ja auch bereit, ein No-Spy-Agreement mit der deutschen Regierung zu unterzeichnen“, sagt Pang. Sollte die chinesische Regierung dennoch eine Anfrage stellen, werde man diese ablehnen oder gar als letzten Schritt das Unternehmen schließen.

Der Manager begrüßt die strengeren Sicherheitsanforderungen für den Ausbau des 5G-Mobilfunknetzes. „Wir wissen, dass die Netzwerke komplexer werden und die Sicherheitsanforderungen deswegen erhöht werden. Solange diese Standards für alle gelten und technikneutral sind, ist es nur fair“, sagte er.

Über die am 19. März beginnenden Frequenzauktionen äußerte er sich zurückhaltend: „Wir wollen unseren Marktanteil gar nicht erhöhen.“ Ihm käme es vor allem darauf an, dass „das Investmentumfeld weiterhin gut bleibt und wir der Technologie- und Innovationsführer bleiben“.

Lesen Sie hier das ganze Interview:

Herr Pang, sollte Deutschland Huawei-Geräte einsetzen? Und wenn ja, warum? 
Die Frage muss letztlich die deutsche Regierung beantworten. Ich selbst finde natürlich, dass Deutschland es tun sollte. Wir sind seit 15 Jahren hier im Land und haben in der Zeit für mehr Innovation und Wettbewerb gesorgt. Alle drei Netzwerkbetreiber haben davon sowohl kommerziell wie auch technologisch profitiert. Daher lautet meine Gegenfrage: Warum sollte Deutschland unsere Geräte nicht benutzen?

Nun, weil Huawei von vielen verdächtigt wird, die eigenen Kunden für die chinesische Regierung auszuspionieren. Stimmen diese Vorwürfe?
Wir würden niemals Hintertüren in unseren Geräten installieren oder illegal Daten weitergeben. Wir wären ja auch bereit, ein No Spy Agreement mit der deutschen Regierung zu unterzeichnen. Und wir waren die Ersten, die bereit waren, in Sachen Cybersicherheit mit dem Bundesamt für Sicherheit und Informationstechnik zu kooperieren.

Huawei bemüht sich sehr um den deutschen Markt. Wie bedeutsam ist Deutschland denn für den Konzern?
Generell gesagt ist kein einziger Markt „super wichtig“, weil Huawei seine Geschäfte überall auf der Welt verteilt hat. Deutschland macht dabei zwei bis drei Prozent unseres gesamten Umsatzes aus. Aber Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Spanien haben uns eine Menge gelehrt. Wegen der hohen Anforderungen dort mussten wir viel Innovation betreiben und bessere Technologie entwickeln. Ganz viele unserer Erfindungen sind ein Resultat von dortigen Kundenanfragen. 

Das Datum für die Frequenzauktion in Deutschland rückt näher. Wie viele Aufträge will Huawei ergattern? 
Wir wollen unseren Marktanteil gar nicht erhöhen. Denn wir glauben, dass Wettbewerb gut für die Industrie ist. Uns ist viel wichtiger, dass das Investmentumfeld weiterhin gut bleibt und wir der Technologie- und Innovationsführer bleiben. 

Deutschland hat schärfere Sicherheitsanforderungen für den 5G-Netzausbau vorgelegt. Wie beurteilen Sie das?
Wir finden das sehr gut. Denn natürlich wissen wir, dass Netzwerke komplexer werden und die Sicherheitsanforderungen deswegen erhöht werden. Solange diese Standards für alle gelten und technikneutral sind, ist es nur fair. 

Das Problem ist nur: Egal, wie viel technische Absicherungen Huawei gibt, am Ende bleibt doch immer der Verdacht bestehen, dass Huawei als chinesisches Unternehmen dem chinesischen Staat nichts verwehren kann.
Dazu kann ich Ihnen zwei Antworten geben. Zum einen finde ich, dass man das auch Nokia und Ericsson fragen sollte. Der eine hat 18.000 Mitarbeiter in China, der andere produziert und betreibt hier Forschung und Entwicklung. Zum anderen finde ich, dass CEO Ren Zhengfei sich ganz klar ausgedrückt hat. Sollte Peking so etwas von uns verlangen, werden wir uns verweigern. Sollte das nicht ausreichen, wird er den Konzern verkaufen. Kann sich dann niemand das Unternehmen leisten, wird er es schließen.

Die chinesische Regierung betont immer wieder ihre Unterstützung für Huawei. Neulich machte sogar ein von Kindern gesungenes Huawei-Lied die Runde. Helfen Ihnen diese Aktionen und Äußerungen Pekings, oder ist so etwas eher kontraproduktiv?
Das kann ich nicht kommentieren. Nur so viel: Wenn die chinesische Regierung ihre Unterstützung für uns ausdrücken möchte, müssen wir uns natürlich erst einmal dafür bedanken.

Das Verhältnis zu den USA ist angespannt. Sollte die chinesische Regierung ein gutes Wort für Huawei während der Handelsgespräche mit den USA einlegen?
Eigentlich sind wir in den Gesprächen doch schon ein Ass für die chinesische Seite. Denn im vergangenen Jahr haben wir nur Produkte im Wert von 200 Millionen Dollar an die USA verkauft, aber Waren in Höhe von zwölf Milliarden von dort gekauft. Ich finde, dass eine politische Lösung keine endgültige sein kann. Denn: Am Ende muss ein Unternehmen seine Probleme immer selbst lösen – mit mehr Handel, juristischen Schritten und besserer Technologie.

Herr Pang, vielen Dank für das Interview.

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