Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

VKE-Studie Kunden fordern mehr nachhaltige Produkte in der Kosmetikbranche

Nachhaltigkeit wird in der Kosmetikbranche noch immer hintangestellt. Eine Studie des Kosmetikverbands zeigt nun: Die Branche muss nachziehen.
17.06.2020 - 12:34 Uhr 1 Kommentar
Viele Kunden wünschen sich laut einer Studie mehr Nachhaltigkeit im Kosmetik-Segment. Quelle: Imago
Nachhaltige Seife

Viele Kunden wünschen sich laut einer Studie mehr Nachhaltigkeit im Kosmetik-Segment.

(Foto: Imago)

Düsseldorf Nachhaltigkeit spielt auch in Zeiten von Corona eine große Rolle. Große Konsumgüterkonzerne wie Henkel und Beiersdorf geben vor, das grüne Thema in ihre Unternehmensstrategie zu integrieren. In einer noch unveröffentlichten Studie des Kosmetikverbands VKE zeigt sich allerdings: Kunden sehen noch großen Nachholbedarf. Nur jeder fünfte Befragte hält die Kosmetikindustrie für nachhaltig, oder anders ausgedrückt: 74 Prozent der Befragten sehen Handlungsbedarf bei diesem Zukunftsthema.

Die Nachfrage steigt zusehends: „Nachhaltigkeit ist kein Nischenthema mehr, es ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen“, sagt Stephan Telschow, Managing Director der Gesellschaft für innovative Marktforschung, die die Untersuchung im Auftrag des VKE durchgeführt hat. Tausende Konsumenten wurden dafür im Frühjahr befragt.

Fest steht: Nachhaltige Kosmetik ist längst kein Thema für Randgruppen mehr. Große Kosmetikmarken wie Garnier, die den Massenmarkt bedienen, bieten seit einiger Zeit eigene Naturkosmetik-Serien. Schließlich handelt es sich bei nachhaltig orientierten Kunden um eine lukrative Zielgruppe.

Das Problem ist allerdings: Konsumenten wünschen sich mehr Nachhaltigkeit im Kosmetik-Segment – und gleichzeitig ist unklar, was sie damit eigentlich meinen. 65 Prozent der Befragten wünschen sich Produkte, die ohne Tierversuche hergestellt werden. „Das Bild der Tierversuche schwirrt zu Unrecht im Kopf der Menschen herum, die gibt es in unseren Märkten so gut wie gar nicht mehr in der Herstellung“, meint Marktforscher Telschow.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Die Verwirrung der Kunden ist zuweilen groß. Worauf soll man eigentlich achten, wenn man nachhaltige Produkte kaufen möchte? Diese Frage treibt viele der Befragten um. „Es wäre absolut sinnvoll, wenn sich die Branche auf einen entsprechenden Industriestandard einigen würde“, sagt Telschow. Doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Es kursieren zahlreiche Zertifikate und Siegel: von NaTrue bis BDIH, von der Vegan-Blume bis zum Leaping Bunny.

    Keine unnötigen Verpackungen mehr

    Bei der Auswahl der geeigneten nachhaltigen Kosmetikprodukte geht es längst nicht nur um die Zusammensetzung der Inhaltsstoffe. Der Verzicht auf unnötige Verpackungen steht auch weit oben auf der Wunschliste der Befragten, die zudem einen hohen Anteil an wiederverwertbaren Materialien fordern. Viele wünschen sich außerdem wiederbefüllbare Behältnisse sowie einen geringeren Ausstoß an Kohlendioxid bei der Produktion.

    Das sind Themen, mit denen sich auch der Naturkosmetik-Hersteller Börlind aktuell beschäftigt. Der Pionier auf dem Gebiet der Naturkosmetik, gegründet 1959 im Schwarzwald, trägt das sogenannte CSE-Zertifikat. Es steht für „Certified Sustainable Economics“ und soll einen Maßstab für Unternehmen und Orientierung für Verbraucher schaffen. Mit diesem Zertifikat lässt sich Börlind jedes Jahr aufs Neue mit einem Audit überprüfen. „Dieses Zertifikat ist deutlich mehr als nur eine klassische Produktzertifizierung“, meint Silva Imken, Marketingleiterin bei Börlind.

    Nachhaltigkeit bedeutet auch immer eine Investition ins Produkt. „Das ist natürlich teuer“, sagt Imken. Die Ziele des Unternehmens, das rund 70 Millionen Euro pro Jahr umsetzt: Bis 2025 sollen alle Verpackungen der Cremes und Tiegel recycelbar sein. Aufwendige Workshops zu diesem Thema sollen den Mitarbeitern eine entsprechende Orientierung geben. Die zusätzlichen prozentualen Kosten für nachhaltige Verpackungen beziffert das Unternehmen auf rund 20 Prozent.

    Ein Ziel, das beispielsweise auch der Düsseldorfer Dax-Konzern Henkel, der jährlich gut 20 Milliarden Euro umsetzt, verfolgt. „Nachhaltigkeit wird in allen unseren Geschäftsaktivitäten verankert. Sie wird zu einer zentralen Säule unserer Innovationsstrategie“, sagte Carsten Knobel, Vorstandsvorsitzender von Henkel, am Mittwoch auf der virtuellen Hauptversammlung.

    Fakten statt Bauchgefühl

    Er nennt konkrete Ziele: Bis 2040 will Henkel „klimapositiv“ werden, bis 2025 sollen alle Verpackungen der Sparten Beauty Care und Laundry & Home Care wiederverwertbar oder wiederverwendbar gestaltet werden. Für CEO Knobel ist Nachhaltigkeit ein „klares Differenzierungsmerkmal im Wettbewerb“.

    Marktforscher Telschow weiß: „Die Menschen wollen Fakten statt Bauchgefühl.“ Der vorrangige Informationsort ist laut Studie das Geschäft, im Branchenjargon „Point of Sale“ (POS) genannt. Dahinter folgen unabhängige Testorganisationen wie etwa die Stiftung Warentest – und Mundpropaganda, also die Empfehlungen von Freunden und Bekannten. Die Websites der Hersteller dienen nur für ein Drittel der Befragten als Informationsquelle. Für die offiziellen Nachhaltigkeitsberichte der Unternehmen interessieren sich lediglich zwölf Prozent der Konsumenten.

    Markenführung komme in der nachhaltigen Kosmetik eine besondere Bedeutung zu, meinen die Marktforscher. Als besonders starke Marken gelten ihrer Ansicht nach die Anbieter Weleda, Lavera und Kneipp – allesamt seit Jahrzehnten Anbieter von natürlicher Kosmetik.

    Doch das soll Neulinge auf diesem Gebiet nicht abhalten. So hat beispielsweise der Hamburger Dax-Konzern Beiersdorf Anfang 2020 die innovative Öko-Marke „Stop the Water while using me“ gekauft. Auf den Produkten findet sich im Markennamen bereits die Bitte, beim Gebrauch den Wasserhahn zuzudrehen. Die 2011 von der Hamburger Werbeagentur Kolle Rebbe gelaunchte Marke umfasst Körper- und Haarpflegeprodukte sowie weitere Hygieneartikel, die biologisch abbaubar sind und in Nachfüllsystemen geliefert werden.

    Darüber hinaus finanziert die Marke mit den Verkaufserlösen eine Initiative, bei der Wasser an bedürftige Regionen gespendet wird. Ein Vorgehen, das die Kundschaft goutiert. Stephan Telschow ist sicher: „Der Wunsch nach Nachhaltigkeit wird bleiben – das ist kein kurzzeitiger Trend.“

    Mehr: Warum Nachhaltigkeit in Corona-Zeiten noch wichtiger wird.

    Startseite
    Mehr zu: VKE-Studie - Kunden fordern mehr nachhaltige Produkte in der Kosmetikbranche
    1 Kommentar zu "VKE-Studie: Kunden fordern mehr nachhaltige Produkte in der Kosmetikbranche"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Als kleiner Shop für Naturkosmetik (Blanda Beauty) begrüßen wir diesen Trend natürlich mit ganzem Herzen. Zu den Siegeln ist zu sagen, dass eine einheitliche Lösung sicher wünschenswert wäre, aber solange es diese nicht gibt, bieten die gegenwärtigen Siegel sehr gute Orientierungshilfen. Einschränkend gilt es anzumerken, dass manche kleinere Brands. obwohl sie ausschließlich natürliche und fair produzierte Inhaltstoffe verwenden, aus Kostengründen (noch) keine Zertifizierung haben.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%