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Virginia Rometty

„Ich habe gelernt, dass Wachstum und Komfort nie koexistieren.“

(Foto: Reuters)

Vorstandsvorsitzende Virginia Rometty will die Wende bei IBM erzwingen

Die IBM-Chefin hat genaue Vorstellungen von der Zukunft des IT-Konzerns. Ihre Strategie: hybride Cloud-Angebote und Künstliche Intelligenz für alle.
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New York, San Francisco Gerade hatte die IBM-Chefin Virginia Rometty den CEO des Software-Herstellers Red Hat, Jim Whitehurst, angekündigt und auf dem weißen Ledersessel auf der Bühne des Moscone Centers Platz genommen: „Ich bin froh, hier zu sein“, sagte er fröhlich, und Rometty antwortete trocken: „Solltest du auch, wenn wir euch gerade für 33 Milliarden Dollar gekauft haben.“

Die Zuhörer im bis zum letzten Platz gefüllten Saal prusteten. IBM hatte Kunden, Partner, Investoren und Journalisten zur „Think 2019“ nach San Francisco geladen, und Zehntausende kamen, um Rometty zuzuhören. Die Softwareingenieurin, die ihre platinblonden Haare meist mit einem Haarreif nach hinten fixiert, erzählte, wie sie sich die Zukunft für IBM vorstellt.

Seit mehr als sieben Jahren steht die 61-Jährige nun an der Spitze des Softwareriesen und ist damit eine der langlebigsten Vorstandsvorsitzenden in den USA. Anfangs, im Jahr 2012, wählte „Fortune“ sie zur mächtigsten Geschäftsfrau der Welt. Die Bilanz ihrer Amtszeit fällt allerdings eher gemischt aus. Immer wieder wurde ihr Rücktritt gefordert.

Abgeschlagen hinter den Microsoft, Google und Amazon

Der IT-Dino, 1911 gegründet und damals auf die Auswertung von Lochkarten spezialisiert, liegt heute weit abgeschlagen hinter Microsoft, Google oder Amazon. Der Umsatz ging jahrelang zurück und hat sich erst im vergangenen Jahr stabilisiert. IBM ist zwar bei Themen wie Cloud-Computing und Künstlicher Intelligenz mit dabei, aber nicht wirklich führend. Das will Rometty nun ändern.

Red Hat, die Softwarefirma aus Romettys 33-Milliarden-Dollar-Pointe, spielt eine wichtige Rolle in dem Plan, IBM zum Champion der Anbieter für Hybrid-Clouds zu machen. Ein „Billionengeschäft“, wie Rometty sagt. Eine Hybrid-Cloud ist eine IT-Infrastruktur, die teils von Anbietern wie IBM über das Internet bereitgestellt und teils beim Unternehmen im Rechenzentrum betrieben wird. Rometty schätzt, dass in Zukunft 60 Prozent der Clouds öffentlich sein werden und 40 Prozent privat, also im eigenen Rechenzentrum.

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Auch beim Thema Künstliche Intelligenz öffnet Rometty IBM. Mit dem Programm „Watson“ können Kunden aus Industrie, Forschung und Verwaltung ihre Datenmengen filtern, um ihre Geschäftsmodelle zu optimieren. Bisher war Watson an die IBM-Cloud gebunden. Damit fielen alle jene Kunden weg, die ihre Daten etwa in einer Amazon- oder Microsoft-Cloud haben.

Rometty löst nun Watson von der eigenen Cloud. Kommen die Daten nicht zu Watson, kommt Watson eben zu den Daten. Ein neues Angebot namens „IBM Cloud Private for Data“ macht die Verbindung der fremden Welten möglich.

Verständnis für die Angst der Menschen

Reibungen zu mindern und Menschen zusammenzuführen ist eigentlich Romettys Stärke. Die Softwareingenieurin, die als Älteste von vier Geschwistern bei Chicago aufwuchs, musste schon früh Verantwortung übernehmen, als ihr Vater die Familie verließ, als sie 15 war.

Später studierte sie mit einem Stipendium von General Motors, wo sie auch nach der Uni anheuerte, bevor sie zu IBM wechselte. Bei IBM war sie unter anderem mit für die Übernahme des Beratungsgeschäfts von Pricewaterhouse-Coopers verantwortlich und hat die Integration gemeistert.

„Ich habe gelernt, dass Wachstum und Komfort nie koexistieren“, hat Rometty einmal in einer Rede gesagt. „Das gilt gleichermaßen für Personen, Länder oder Unternehmen“, erklärte sie. In schwierigen Situationen lerne man am meisten.

Dennoch zeigte sie bei ihrem Auftritt beim Weltwirtschaftsforum in Davos vor wenigen Wochen Verständnis für die Angst der Menschen, durch die Digitalisierung ihre Jobs zu verlieren. Das sei der Hauptgrund für die gegenwärtige „Vertrauenskrise“ zwischen Bevölkerung und Eliten, sagte sie. „Große technologische Fortschritte müssen mit Mechanismen einhergehen, um diese Fortschritte der gesamten Gesellschaft zugutekommen zu lassen“, appellierte Rometty mit sonorer Stimme und lebhaften Gesten. Dabei positionierte sie den Traditionskonzern IBM als erfahrenen und vertrauenswürdigen Partner. Nun muss sie auch die Investoren überzeugen.

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