Wegen Konkurrenz aus China Apple-Zulieferer aus Österreich fordert staatliche Hilfe

Konzerne wie der Apple-Zulieferer AT&S fordern politische Unterstützung in Europa. Experten zweifeln an der Wirksamkeit von Staatshilfen.
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Auch Apple gehört zu den Kunden der Österreicher.
Mikroelektronik von AT&S

Auch Apple gehört zu den Kunden der Österreicher.

WienDie Mikroelektronikbranche in Europa steht im globalen Wettbewerb mit dem Rücken zur Wand. „Wenn nicht bald massive wirtschaftspolitische Weichenstellungen erfolgen, wird die Mikroelektronik weiter in die Defensive geraten“, warnt Andreas Gerstenmayer, Vorstandschef des Leiterplattenherstellers AT & S, im Gespräch mit dem Handelsblatt. Sein Unternehmen ist nach eigenen Angaben der größte Leiterplattenhersteller in Europa und beliefert unter anderem auch Apple.

„Es benötigt in Europa grundlegende wirtschaftspolitische Weichenstellungen, um Schlüsseltechnologien wie die Mikroelektronik zu stärken“, fordert der Chef des Smartphone-Zulieferers aus Österreich. „Wir sehen seit Jahren ein rückläufiges Geschäft in der Mikroelektronik“, sagt der frühere Siemens-Manager.

Konkret fordert der AT&S-Chef eine stärkere Förderung der Branche durch die die EU. „Wir müssen die Kräfte bündeln und nicht in nationalstaatlichen Grenzen denken. Bislang gibt es leider noch keinen Schulterschluss in der Industrie“, klagt Gerstenmayer. Es bräuchte in den nächsten fünf Jahren Investitionen von rund 100 Milliarden Euro. Allein die Chinesen investiere im Bereich Halbleiter im gleichen Zeitraum 150 Milliarden Dollar. „Europa muss Mikroelektronik zur Schlüsselindustrie erklären.“ Ein Teil des Problems ist, dass es nicht einmal konkrete Zuordnungen von Förderprogrammen gebe.

In der Branche wird allerdings bezweifelt, dass Europa sich zu einem Hilfsprogramm für die Mikroelektronik durchringen kann. „Investitionssummen von 100 Milliarden Euro, so wünschenswert sie industriepolitisch auch wären, sind in Europa nicht durchzusetzen. Das ist unrealistisch“, sagt Christoph Stoppok, Mikroelektronik-Geschäftsführer beim Branchenverband ZVEI in Frankfurt.

Dabei spielen Unternehmen wie AT&S und die deutschen Unternehmen Würth, Schweizer und KSG bei Leiterplatten auch global eine führende Rolle. Insgesamt erwirtschaften sie in Europa rund zwei Milliarden Euro pro Jahr. Leiterplatten sind die Schnittstelle zwischen den elektronischen Endgeräten und den mechanischen oder elektronischen Bauteilen wie Halbleiter und werden beispielsweise in Handys, Tablets und Computer eingebaut. Gebraucht werden sie in der Industrieelektronik, Automobilbranche, sowie in der Medizin- und Gesundheitstechnik.

Dabei leiden die Leiterplattenhersteller und Chiphersteller nicht: ihre Produkte sind gefragt, die Weltkonjunktur brummt. „Das Gute ist, die Branche wächst, nicht zuletzt durch die Internet der Dinge oder durch die Digitalisierung des Autos“, sagte Holger Rubel, Senior Partner der Boston Consulting Group (BCG), dem Handelsblatt.

Der Branchenexperte zweifelt, ob Milliardeninvestitionen der globalisierten Industrie wirklich helfen. „Man kann auch ohne staatliche Hilfe erfolgreich sein, beispielsweise mit Joint-Ventures, um die Investmentrisiken zu teilen und durch eine geschickte Konzernstrategie“, sagt der Branchenexperte Als Beispiel nennt er den Chiphersteller Infineon, der sich vom renditeschwachen Speichergeschäft verabschiedet hat und sich stattdessen auf attraktive Marktsegmente wie der Automobilindustrie konzentriert. „Der Blick auf Europa ist zu klein. Es ist längst eine globalisierte Branche“, warnt Mikroelektronik-Experte Rubel.

Doch der Unternehmensberater bestätigt: „Asien hat bei den Standortkosten zahlreiche Vorteile. Das fängt bei der Baulanderschließung an und hört bei Steuervorteilen auf.“ Vor allem die chinesischen Hersteller sorgen in der Branche für Kopfzerbrechen. „China will in der Mikroelektronik von Europa und den USA unabhängig werden“, ist sich der langjährige CEO von AT&S sicher.

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