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„Weltspiegel“-Verschiebung Brief an ARD-Intendanten: Journalisten kämpfen gegen Programmänderungen

In der ARD ist ein Streit über den Markenkern ausgebrochen: Ausgerechnet in der Debatte um öffentlich-rechtliche Grundwerte soll der „Weltspiegel“ dem Sport Platz machen.
Update: 10.09.2019 - 23:09 Uhr 1 Kommentar
Der Quell des Ärgers sind weitreichende Umbaupläne der Fernsehdirektoren für den frühen Sonntagabend im Ersten. Quelle: dpa
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Der Quell des Ärgers sind weitreichende Umbaupläne der Fernsehdirektoren für den frühen Sonntagabend im Ersten.

(Foto: dpa)

München Die neun Intendanten der ARD haben besondere Beschwerde-Post bekommen – aus den eigenen höchsten Reihen. Es sind die ARD-Auslandskorrespondenten, die sich melden, unterstützt von aktuellen Galionsfiguren des öffentlich-rechtlichen Rundfunks.

Darunter sind NDR-Chefredakteur Andreas Cichowicz, ZDF-Anchorman Claus Kleber und ARD-Hauptstadtstudioleiterin Tina Hassel sowie bekannte Veteranen wie Fritz Pleitgen und Ulrich Wickert. Zudem beteiligen sich die Verantwortlichen der Chefredaktionen und der Kulturredaktionen.

Der Quell des Ärgers sind weitreichende Umbaupläne der Fernsehdirektoren für den frühen Sonntagabend im Ersten. Da soll künftig der Sport auf den attraktiven Sendeplatz vor der „Tagesschau“ aufrücken – für den „Weltspiegel“, der dann nach Jahrzehnten weichen und schon um 18.30 Uhr laufen würde.

Die Protestnote fällt deutlich aus. „Anstatt die Informationsprogramme ,Bericht aus Berlin‘ und ,Weltspiegel‘ zu stärken, indem man sie zum Beispiel verlängert oder ihnen einen guten Vorlauf verschafft, werden sie in den vorliegenden Planungen zeitlich nach vorne verlegt und damit marginalisiert“, heißt es in dem Wutbrief, der dem Handelsblatt vorliegt. Beim „Weltspiegel“, der einzigen Auslandssendung im Ersten, gehe ein „jahrzehntelang gelernter Sendeplatz“ verloren, beim „Bericht aus Berlin“ werde die Chance auf Vertiefung durch zehn Minuten mehr vertan.

Fazit der versierten Absender: „In der aufgewühlten aktuellen Diskussion um die Legitimation des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, den Kern seines Auftrags und seine Gebührenakzeptanz ist dies aus unserer Sicht eine schwere Hypothek und damit eine falsche Entscheidung.“

Mit voller Wucht bricht damit in der ARD der Streit darüber aus, was zum Markenkern gehört und was dem Kampf um Quote gegen die Konkurrenz geopfert werden kann. Der Qualitätsjournalismus wehrt sich gegen seine Degradierung, auch das ist eine Botschaft dieses Streits.

ARD-Programmdirektor Volker Herres, ein alter Fahrensmann, sinnt auf eine andere Rezeptur im Kampf um Marktanteile. Zuletzt war das Erste zum Vierten geworden. Aber sollen da ausgerechnet Sendungen leiden, die dem Fake-News-Getrommel der Social-Media-Einheiten entgegenwirken? Die wichtig für die Meinungsbildung sind?

„Es ist noch keine definitive Entscheidung getroffen worden, die Runde der ARD-Intendantinnen und Intendanten wird sich bei ihrer Tagung kommende Woche damit befassen“, stellte der ARD-Vorsitzende und BR-Intendant Ulrich Wilhelm zu den Umbauplänen klar.

Redakteure warnen vor „schlimmem Signal“

In einem Brief an Herres führen mehr als 100 Redakteure, die mit Auslandsthemen zu tun haben, ihre Bedenken auf. Die geplante Verschiebung des „Weltspiegel“ am Sonntag hätte auch Folgen für die gesamte „Weltspiegel“-Familie, die in den vergangenen Jahren aufgebaut wurde (Podcasts, Reportagen, Extra-Ausgaben), heißt es da. „Wir sprechen uns ausdrücklich für eine nachhaltige Auslandsberichterstattung in der ARD aus“, schreibt die Hundertschaft. „Dazu gehört ein prominenter Sendeplatz – wie bisher am Sonntagabend auflaufend auf die ,Tagesschau'“.

Sie warnen, ein früherer Sendeplatz würde weniger Zuschauer erreichen, weil ein informationsinteressiertes Publikum erst später am Vorabend einschalte. Auch hier: Die vorgesehene Verschiebung wäre „ein schlimmes Signal in Zeiten, in denen wir uns und unseren Auftrag rechtfertigen müssen“.

Bei den Fernsehdirektoren war Herres jüngst mit seiner Mechanik durchgedrungen. Widerspruch soll vor allem von WDR-Mann Jörg Schönenborn gekommen sein, ein letzter Kämpfer für alte Standards und Werte in diesem Kreis. Abstimmung: acht zu eins.

Am 17. September, also am kommenden Dienstag, werden die Intendanten bei ihrer Routinerunde, diesmal in Stuttgart, final entscheiden. Gerade für WDR-Chef Tom Buhrow, einst Moderator der „Tagesthemen“, wäre eine Schlechterstellung des „Weltspiegel“ und journalistischer Konzepte eine Belastung. Er wird Anfang 2020 für zwei Jahre ARD-Vorsitzender. „Hoffentlich“, sagt ein früherer Hierarch, „kommen die noch einmal zur Vernunft“.

Mehr: Die ARD-Tochter BR will die Talkshow „Münchner Runde“ attraktiver machen und hat dafür Berater engagiert. Zwei dieser Berater sollen 170.000 Euro für ihre Arbeit bekommen haben.

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1 Kommentar zu "„Weltspiegel“-Verschiebung: Brief an ARD-Intendanten: Journalisten kämpfen gegen Programmänderungen"

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  • Da wollen wir doch sehr hoffen, dass sich die ARD-Intendanten letztendlich für den Qualitäts-Jornalismus entscheiden und nicht irgendwelchen Trends der kommerziellen Sender folgen. Dafür zahle ich meine Gebühren, um mit neutralen und fairen Informationen versorgt zu werden.

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