Wertverlust bei BT Deutsche Telekom muss Milliarden abschreiben

Die Deutsche Telekom muss mehr als 2 Milliarden Euro auf ihre Beteiligung am britischen Rivalen BT abschreiben. Der Jahresgewinn der Bonner bricht dadurch ein. Operativ boomt jedoch vor allem das US-Geschäft weiter.
Update: 02.03.2017 - 07:44 Uhr Kommentieren

Der Brexit macht vor Telekom keinen Halt

BonnDer Jahresgewinn der Deutschen Telekom ist wegen einer Abschreibung in Großbritannien um Milliarden eingebrochen. Der Überschuss sei 2016 um 18 Prozent auf 2,7 Milliarden Euro gesunken, teilte die Telekom am Donnerstag in Bonn mit. Grund sei, dass ein Aktienpaket von zwölf Prozent am britischen Rivalen BT voriges Jahr nach dem Brexit-Votum massiv an Wert verloren habe. Dies habe zusammen mit dem Absturz des britischen Pfunds zu einer Wertminderung von 2,2 Milliarden Euro geführt.

Die Telekom erhielt ihre BT-Beteiligung 2015 im Zuge des Verkaufs ihres Anteils am britischen Mobilfunker EE. Die Telekom hatte EE in gleichen Teilen mit dem französischen Anbieter Orange betrieben. Die beiden beschlossen, sie für 12,5 Milliarden Euro an BT zu verkaufen. Doch während Konkurrent Orange sich seine Hälfte bar auszahlen ließ, erhielt die Telekom neben einem kleinen Baranteil ein 12-prozentiges Aktienpaket von BT. Dafür wurden rund 2,5 Milliarden Euro im Konzernüberschuss verbucht. Telekom-Chef Tim Höttges bekam zudem einen Posten im Aufsichtsrat von BT.

Im Juni dann stimmten die Briten für den Austritt aus der Europäischen Union. Das britische Pfund gab nach dem Brexit-Votum stark nach, der Wert der BT-Aktien sank. Daraufhin nahm die Telekom erste Wertberichtigungen in ihre Bilanz zum dritten Quartal vor, die jedoch noch nicht als Abschreibungen erfasst wurden. Im Januar vermeldete BT zudem einen Bilanzskandal bei ihrer italienischen Tochter, der die Aktie an einem Tag um fast 20 Prozent abstürzen ließ.

Bei einer genaueren Überprüfung von Buchungen bei der Tochter wurde ein komplexes System falscher Umsatz-, Verkaufs- und Leasing-Vorgänge aufgedeckt. 530 Millionen Pfund (rund 615 Millionen Euro) mussten abgeschrieben werden, das Italien-Geschäft wird wohl über Jahre keinen Gewinn abwerfen, die italienische Staatsanwaltschaft hat Ermittlungen aufgenommen. Zwar trägt das Italien-Geschäft gerade einmal ein Prozent zum bereinigten Konzerngewinn bei, doch die Folgen dieser Nachricht waren nachhaltig.

Operativ läuft es bei der Deutschen Telekom allerdings weiter sehr gut. Da das US-Geschäft boomt, erhöhen die Bonner die Dividende für 2016 auf 60 Cent je Aktie von 55 Cent. „Wir haben erneut zuverlässig geliefert, was wir versprochen haben“, sagte Konzernchef Tim Höttges. Für dieses Jahr erwartet der seit gut drei Jahren amtierende Unternehmenslenker einen Anstieg des Betriebsgewinns (Ebitda) um vier Prozent auf 22,2 Milliarden Euro. Voriges Jahr stieg die Kennzahl um acht Prozent auf 21,4 Milliarden Euro.

Die größten Übernahmen deutscher Konzerne
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Im Jahr 2014 übernahm der Merck-Konzern den US-Laborausrüster Sigma-Aldrich für 12,8 Milliarden Euro. Für den Darmstädter Pharma- und Chemiekonzern war es der größte Zukauf in der Firmengeschichte.

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Der Gasspezialist Linde kaufte im Jahr 2006 den britischen Konkurrenten BOC für 13 Milliarden Euro. Durch die Fusion wurde der deutsche Konzern zum Weltmarktführer für Industriegase.

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Der Baustoffkonzern Heidelberg Cement legte im Jahr 2007 13,7 Milliarden Euro für das britische Unternehmen Hanson auf den Tisch. Durch die bis dato größte Übernahme in der Baustoffindustrie wird HeidelCement zum weltgrößten Hersteller von Zuschlagstoffen.

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Im Jahr 2001 übernahm Eon den britischen Versorger Powergen für 16,6 Milliarden Euro. Durch die Übernahme gelang dem Düsseldorfer Konzern der Eintritt in den größten Energiemarkt der Welt, der USA.

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Im Jahr 2000 bezahlte die Deutsche Telekom für den vergleichsweise kleinen US-Mobilfunker Voice Stream 29 Milliarden Euro. Die heutige Telekom-Sparte T-Mobile US machte den Bonnern lange Zeit Sorgen, heute sprudeln die Gewinne wieder. T-Mobile US ist inzwischen der drittgrößte Mobilfunker in den Vereinigten Staaten.

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Der Düsseldorfer Technologiekonzern Mannesmann zahlt im Herbst 1999 rund 32,8 Milliarden Euro für den britischen Mobilfunker Orange. Kurze Zeit später schluckt dann der britische Telefonriese Vodafone Mannesmann nach einer bis dahin beispiellosen Abwehrschlacht für 180 Milliarden Euro - bis dato die größte Übernahme weltweit.

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Der Stuttgarter Autokonzern Daimler Benz und der drittgrößte US-Autobauer Chrysler zimmern im Sommer 1998 eine „Fusion unter Gleichen“. Chrysler wird bei dem Aktientausch mit rund 38,6 Milliarden Euro bewertet. 2007 trennt sich Daimler dann von Chrysler und verkauft den Unternehmensteil an den Finanzinvestor Cerberus. Inzwischen gehört Chrysler zu Fiat.

Wachstumslokomotive der Telekom bleibt dank neuer Tarife und eines Netzausbaus die amerikanische Tochter T-Mobile US. Diese steigerte 2016 dank gut acht Millionen neuer Handykunden den Betriebsgewinn um knapp 30 Prozent auf 8,6 Milliarden Euro. Der Siegeszug des einstigen Krisenablegers ruft Interessenten auf den Plan. Nach Aussagen von Insidern will der japanische Telekom-Riese Softbank die Mehrheit an seinem glücklosen US-Mobilfunker Sprint an die Telekom-Tochter verkaufen. Softbank arbeite an einem solchen Deal mit T-Mobile US, hatten mehrere mit der Situation vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters im Februar gesagt.

Der Deal wäre sehr groß: Sprint ist an der Börse 35 Milliarden Dollar wert, T-Mobile US sogar 52 Milliarden Dollar. Die Telekom hält an ihrem Ableger zwei Drittel der Aktien, muss sich derzeit aber über die nächsten Schritte bedeckt halten, da eine Versteigerung von Frequenzen in den USA offiziell erst im April endet.

Sollte ich die T-Aktie im Depot haben?

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