Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Windows XP im Bundestag Teure Technik aus der Vergangenheit

Es ist eine Einladung für Hacker und Spione: Auf vielen Computern im Bundestag läuft noch das Uralt-Betriebssystem Windows XP. Der nötige Extra-Schutz kostet fast 120.000 Euro – eine vermeidbare Ausgabe von Steuern.
5 Kommentare
Windows XP kam 2001 auf den Markt – im Bundestag läuft das Uralt-Betriebssystem noch auf etlichen Rechnern. Quelle: dpa

Windows XP kam 2001 auf den Markt – im Bundestag läuft das Uralt-Betriebssystem noch auf etlichen Rechnern.

(Foto: dpa)

DüsseldorfWährend die deutsche Politik derzeit über die digitale Zukunft des Landes diskutiert, läuft im Bundestag noch Technik aus der Vergangenheit: Auf den Rechnern etlicher Abgeordneter und Verwaltungsmitarbeiter ist das Betriebssystem Windows XP installiert. Das brachte Hersteller Microsoft 2001 auf den Markt – damals war Gerhard Schröder Bundeskanzler.

Die Steuerzahler kommt diese Rückständigkeit teuer zu stehen. Weil Microsoft seit April keine Updates mehr für das System veröffentlicht, hat die Bundestagsverwaltung einen Zusatzvertrag mit dem Software-Hersteller abgeschlossen. Er soll gewährleisten, dass die Rechner weiter einwandfrei laufen und keine Sicherheitslücken aufreißen. Die Kosten dafür belaufen sich voraussichtlich auf 100.000 Euro plus 19 Prozent Steuern, wie die Behörde nun auf Anfrage des Handelsblatts mitteilt.

Diese Ausgabe hätte sich leicht vermeiden lassen: Schon 2007 kündigte Microsoft an, im Frühjahr 2014 die Produktpflege einzustellen. Es wäre also genug Zeit für die Umstellung auf ein neues Betriebssystem gewesen, im Fachjargon Migration genannt. Rund 7300 Computer sind in den Büros der Bundestagsabgeordneten und den Verwaltungsmitarbeitern im Einsatz, auf wie vielen davon noch XP läuft, schlüsselt die Behörde nicht im Detail auf.

Bei der Migration geht es nur am Rande um neue Funktionen, im Mittelpunkt steht die IT-Sicherheit: Microsoft schließt mit dem Support-Ende keine Schwachstellen mehr, die selbst 13 Jahre nach der Veröffentlichung des Systems noch auftauchen. Wer sie offen lässt, macht es Kriminellen und Spionen leicht: Ein Großteil der erfolgreichen IT-Angriffe führt über Fehler im Betriebssystem oder in Programmen wie Word, Adobe Reader und dem Browser.

Die Gefahr ist konkret. Schon wenige Wochen nach Ende des Supports nutzten kriminelle Hacker eine Sicherheitslücke aus, die Microsoft indes noch schloss. Acht Monate später dürfte sich die Situation verschärft haben. „Weil das System nicht mehr gepflegt wird, können Angreifer die Schwachstellen langfristig ausnutzen“, sagt Norbert Pohlmann vom Institut für Internetsicherheit an der Westfälischen Hochschule. Er warnt: Kriminelle könnten Rechner mit XP ohne großen Aufwand übernehmen und beispielsweise für Cyberangriffe missbrauchen – eine „Gefährdung für die Gesellschaft insgesamt“.

Gewerblichen Kunden bietet Microsoft weiterhin Schutz und schließt Sicherheitslücken, aber nur gegen Aufpreis. Auch die Bundestagsverwaltung hat einen sogenannten Custom-Supportvertrag mit Microsoft abgeschlossen, „zur Gewährleistung der vollständigen Funktionsfähigkeit“ der noch nicht umgestellten Computer, wie die Verwaltung mitteilt. Wenn voraussichtlich Ende Januar der letzte Arbeitsplatz umgerüstet ist, summieren sich die Kosten auf rund 119.000 Euro inklusive Mehrwertsteuer.

Ganz freiwillig rückte die Behörde mit diesen Informationen nicht raus: Noch im Frühjahr erklärte sie auf Anfrage des Handelsblatts, der Deutsche Bundestag gebe „grundsätzlich keine konkreten Auskünfte zu IT-Sicherheitsmaßnahmen“, die Höhe zusätzlicher Kosten sei nicht abzuschätzen. Eine Anfrage auf Grundlage des Informationsfreiheitsgesetzes (IFG) beantwortete sie nun konkreter.

Im Vergleich zu anderen Fällen von Steuerverschwendung nimmt sich die Summe nicht besonders hoch aus. Peinlich ist sie dennoch: Mit dem IT-Sicherheitsgesetz will die Politik Betreiber kritischer Infrastrukturen verpflichten, ihre Systeme zu schützen – während viele Mitarbeiter des Parlaments, das die Regeln beschließen muss, noch höchst unsichere Software nutzen. Zudem kommt XP auch in anderen Behörden und Ministerien noch zum Einsatz, so dass sich die Ausgaben summieren dürften. So hatte die Bundeswehr im Mai noch 50.000 Rechner mit dem Uralt-System im Betrieb.

Ein hübsches Gesicht für den PC
Windows XP_Screen
1 von 8

Kennen Sie diesen Anblick noch? So sah Windows XP aus. Das Betriebssystem kam 2001 auf den Markt – und ist heute immer noch auf vielen Rechnern im Einsatz. Bei PCs liegt der Marktanteil etwas unter 30 Prozent.

WINDOWS XP
2 von 8

Bei der Einführung vor 13 Jahren fuhr Microsoft eine große Marketing-Kampagne – hier ein riesiges Plakat an einem Hotel in Las Vegas.

(Foto: ap)
WINDOWS XP
3 von 8

Windows XP basierte nicht mehr auf dem Betriebssystem MS-DOS, sondern einem neuen, leistungsfähigeren Systemkern. Zudem überarbeitete Microsoft die Benutzeroberfläche – sie war bunter und verspielter.

(Foto: ap)
STUDENT WINDOWS XP
4 von 8

Ein Kassenschlager: XP war bis 2012 das meistgenutzte Betriebssystem.

(Foto: ap)
Netbook
5 von 8

Die lange Lebenszeit von Windows XP hat auch damit zu tun, dass Microsoft die Installation auf billigen Netbooks auch dann noch erlaubte, als bereits Nachfolger der Software auf dem Markt waren. Hintergrund: Der Konzern wollte den Markt nicht an das offene System Linux verlieren.

(Foto: dpa - picture-alliance)
BILL GATES TALKS TO THE MEDIA ABOUT WINDOWS XP
6 von 8

Bill Gates war bei der Einführung von XP zwar nicht mehr Microsoft-Chef, nahm aber als Chairman immer noch eine aktive Rolle ein. Hier präsentiert der damals 45-Jährige die neue Software.

(Foto: Reuters)
STEVE BALLMER CEO OF MICROSOFT DURING LAUNCH OF WINDOWS XP IN LONDON
7 von 8

Auch Steve Ballmer, der bis vor kurzem Microsoft-Chef war, sah damals deutlich jünger aus. Hier wirbt das Marketingtalent für die Errungenschaften des neuen Systems.

(Foto: Reuters)

Die Bundestagsverwaltung äußert sich nicht zu den Gründen für die verzögerte Einführung, doch sie dürften ähnlich gelagert sein wie in vielen Firmen. Wer ein neues Betriebssystem einführt, muss zunächst in neue Software, oft auch in neue Hardware investieren. Hinzu kommen die Ausgaben für die Systemumstellung – gerade wenn maßgeschneiderte Programme zum Einsatz kommen, die erst angepasst werden müssen.

Das Problem betrifft indes nicht nur das deutsche Parlament. „Die Großunternehmen haben alle längst von Windows XP umgestellt, aber neben den Privatleuten bereiten uns die kleineren Firmen weiterhin Sorgen“, sagt Oliver Gürtler, der bei Microsoft Deutschland die Windows-Sparte leitet. Auch etliche Behörden brauchten länger, etwa das Land Berlin. Weltweit kommt Windows XP noch auf knapp 14 Prozent aller PCs zum Einsatz, in Deutschland sind es noch gut 6 Prozent. Ein Gutteil dürfte erst gar keinen Zusatzschutz haben – und so vielen Angriffen schutzlos ausgeliefert sein.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Startseite

Mehr zu: Windows XP im Bundestag - Teure Technik aus der Vergangenheit

5 Kommentare zu "Windows XP im Bundestag: Teure Technik aus der Vergangenheit"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Wenn die bürgerferne Parallelgesellschaft der Politiker statt angeblich 13€/Nase sparen will, plötzlich 7 x soviel sparen will, könnte sie auch auf Linux umsteigen. Wo ist die Schwierigkeit dies Neuland zu betreten? Wen haben wir gewählt?

  • Das soll doch hoffentlich ein schlechter Scherz sein?
    Lesen Sie den Artikel bitte nochmal gründlich.
    Der tolle Vertrag deckt nicht bis in alle Ewigkeit.
    "Wenn voraussichtlich Ende Januar der letzte Arbeitsplatz umgerüstet ist, summieren sich die Kosten auf rund 119.000 Euro inklusive Mehrwertsteuer"
    Er dient lediglich der Verzögerung des Unvermeidlichen.
    "Ob man will oder nicht: Die Migration ist unweigerlich nötig."
    Herr Kerkmann hat selbstverständlich recht.
    Dass Sie Ihren Fehler auch noch so unhöflich in das Internet schleuderten ist ebenfalls eine Sache für sich.

  • @ Christof Kerkmann

    Eine einfache Rechnung. Entweder 13€ pro Rechner zum Schließen von Sicherheitslücken in ein getestetes System das anscheinend die Nutzerbedürfnisse befriedigt oder Investition in neue Software. Neue Hardware. Schulungen. Umstellung der Server und Peripherie. Tests welche Hintertüren in Windows 7 oder 8 eingebaut wurden...

    Einfach mal ein paar Jahre in der Industrie arbeiten. Businesspläne erstellen. Dort wo eine 1 immer für eine Million Euro steht. Und dann reden wir weiter!

  • Ob man will oder nicht: Die Migration ist unweigerlich nötig. Insofern ist es auch eine Verschwendung von Steuern, wenn man die Umstellung so lange aufschiebt, dass man einen Zusatz-Supportvertrag abschließen muss.

    Christof Kerkmann, Handelsblatt

  • Der Autor sollte genug Sachverstand haben um zu verstehen dass Microsoft für die 100.000 € die Sicherheitslücken schließt. Die Migration auf ein neues Betriebssystem das man anscheinend funktional nicht benötigt wäre teurer.
    Außerdem verlangt ein aktuelles Betriebssystem auch aktuelle Hardware und Peripherie.

    Wieviel zahlt M$ für diesen Artikel?