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Wissensplattform Zu weiß, zu männlich – wie sich Wikipedia reformieren will

Die Online-Enzyklopädie hat ein Diversitätsproblem. Nun geht Wikipedia erstmals in seiner Geschichte auf die Suche nach einer neuen Strategie.
  • Georgia Wells
Update: 20.09.2018 - 10:47 Uhr Kommentieren
Wikipedia: Wie sich die Plattform reformieren will Quelle: dpa
Wikipedia

Um die Hürden zum Erstellen von Beiträgen für die Wissensplattform zu senken, denkt Wikimedia unter anderem über neue Darreichungsformen nach.

(Foto: dpa)

BerlinEs ist das erste Mal in der Geschichte von Wikimedia, dass das Unternehmen eine umfassende Bestandsaufnahme durchführt. Ein Schwerpunkt wird sein, die Vielfalt der Wissensplattform künftig zu erhöhen. Denn derzeit ist die Online-Enzyklopädie vor allem eines: männlich.

Die letzten Zahlen, die Wikimedia zum Geschlechterverhältnis publik gemacht hat, stammen von 2015 – damals waren nicht einmal 25 Prozent der Schreibenden auf der Plattform weiblich. Wikimedia wollte auf Anfrage des Handelsblatts keine aktuellen Zahlen bereitstellen.

Forscher des Oxford Internet Institute hatten in einer großen Analyse im Jahr 2015 herausgefunden, dass zudem fast die Hälfte aller Bearbeitungen von Wikipedia aus nur fünf Ländern der nördlichen Hemisphäre, einschließlich Deutschland, stammten. Es gibt mehr ehrenamtliche Redakteure aus den Niederlanden auf der Plattform als aus ganz Afrika zusammen.

Die Internet-Pioniere Jimmy Wales und Larry Sanger hatten 2001 die Domain wikipedia.org registriert und zwei Jahre später die Wikimedia Foundation in San Francisco gegründet, die Wikipedia und ihre Schwesterprojekte zur Datensammlung betreiben.

Inzwischen arbeiten circa 500 Menschen in etwa 40 Wikimedia-Zweigstellen auf der ganzen Welt. Sie programmieren Software, arbeiten mit Institutionen zusammen, die Informationen beitragen wollen, und unterstützen die Freiwilligen, die auf Wikipedia die Einträge erstellen.

Mehr als 500 Millionen Menschen besuchen monatlich Wikipedia. 500.000 von ihnen bearbeiten monatlich die Einträge. Wikipedia ist laut Webseitenanalyst „Alexa Internet“ auf Platz 5 der meistbesuchten Seiten im Internet – und sie ist die größte Sammlung kostenloser Informationen der Welt.

Wikimedia will nun der Frage nachgehen, wie die Plattform diverser werden kann. „Wie bringen wir Menschen mit unterschiedlichen Erfahrungen und Bedürfnissen ein? Wir sind dabei, dies herauszufinden“, sagt Projektleiterin Nicole Ebber. Veränderte Normen für den Informationsaustausch im Internet zwingen die Führung von Wikimedia zu schnellem Handeln.

Denn die Organisation sieht eine Zunahme von kommerziellen Websites, die Informationen für die Nutzer im Austausch gegen ihre persönlichen Daten anbieten, um sie an Werbetreibende zu verkaufen. „Das offene Netz ist in Gefahr“, warnt Ebber.

„Die Menschen müssen die Möglichkeit haben, ihre eigene Geschichte zu erzählen“, forderte Martin Dittus, Datenwissenschaftler am Oxford Internet Institute, bei einem Vortrag im Juli auf der Jahreskonferenz von Wikimedia. „Soweit sie das wollen, sollten sie selbst entscheiden können, wie sie online in der Welt repräsentiert werden.“

Um die Hürden zum Erstellen von Beiträgen für die Wissensplattform zu senken, denkt Wikimedia unter anderem über neue Darreichungsformen nach. So ist Ebber an einem Sprachaufzeichnungstool interessiert, das Informationen aus Regionen dokumentieren könnte, die eine geringe Lesekompetenz haben.

In Deutschland hat Wikimedia kein Problem mit fehlender Partizipation. Nach Englisch ist die deutsche Version die am zweitmeisten bearbeitete von Wikipedia. Jede Sprachversion von Wikipedia unterscheidet sich von den anderen und ist nicht nur eine Übersetzung der anderen Seiten.

Wikimedia Deutschland hatte sogar einen der erfolgreichsten Online-Fundraiser in Deutschland: 2017 spendeten Anhänger der Plattform insgesamt 7,8 Millionen Euro. „Deutschland ist ein hochgebildetes Land mit hohem wissenschaftlichen Output und großem Interesse an zuverlässigen Informationsquellen“, sagte Michael Seadle, Professor an der Humboldt-Universität zu Berlin am Institut für Bibliotheks- und Informationswissenschaft. „Diese Faktoren können die Größe des deutschen Wikis erklären.“

Doch in anderen Teilen der Welt, außerhalb der USA und Europas, denken Menschen, die Informationen teilen wollen, nicht sofort an Wikipedia und Wikimedia, sagt Ebber. „Für uns ist das das entscheidende Problem.“

Wikimedia bildet derzeit die Gruppen, die die einzelnen Aspekte des Projekts leiten sollen, wie Vielfalt, Partnerschaften und Technologieentwicklung. Wie der transparente und kollaborative Charakter von Wikipedia ist auch das Projekt als eine Kombination von Freiwilligen und Wikimedia-Mitarbeitern aufgebaut, an der die Community teilnehmen und ihre Meinung äußern kann.

Georgia Wells ist Reporterin für „The Wall Street Journal“ in San Francisco. Von August bis September arbeitet sie im Rahmen des Arthur-F.-Burns-Stipendienprogramm in der Handelsblatt-Hauptstadtredaktion. Der Text wurde aus dem Englischen von Dana Heide übersetzt.

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