Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

WLan für Flüchtlinge Der schwierige Kontakt zur alten Welt

Für Flüchtlinge ist das Internet Verbindung zur Heimat und wichtige Informationsquelle. Deswegen müssen nun überall in der Republik die Unterkünfte vernetzt werden – doch die Helfer haben ein Problem.
26.09.2015 - 15:12 Uhr
Ohne Smartphone ist es für die Flüchtlinge noch einsamer. Quelle: dpa
Notunterkunft für Flüchtlinge in Stuttgart

Ohne Smartphone ist es für die Flüchtlinge noch einsamer.

(Foto: dpa)

Dortmund Ermyir ist 18 Jahre alt. Der Iraner hat Abitur, spricht gut Englisch, interessiert sich für Informationstechnologie, wollte studieren. Doch Ermyir hat sich dem christlichen Glauben angenähert – und auf das Konvertieren zum Christentum steht im Iran die Todesstrafe. Also ist er mit seiner Familie geflohen. Nun ist Ermyir in Dortmund, alleine. Wo seine Familie ist, weiß er nicht. Sie sind auf Flucht getrennt worden. Täglich durchsucht der junge Iraner das Internet nach Zeichen von ihnen. Sein Smartphone hat er immer dabei. Er braucht es um Kontakte zu halten, sich zu informieren, Deutsch zu lernen oder einfach zum Musik hören.

Wer schon einmal im Ausland mit dem Smartphone auf WLan-Suche gegangen ist – weil man unbedingt die Kinder oder den Partner zu Hause erreichen musste; weil man unsicher war, wann der Rückflug ging; weil man einsam war – sollte erahnen können, welchen Stellenwert eine funktionierende Internetverbindung haben kann. Nicht nur organisatorisch, auch emotional. Sie bringt etwas Vertrautes in die neue Welt, sie nimmt das Gefühl vom Alleinsein, alleine schon durch die theoretische Chance andere erreichen zu können.     

Hunderttausende von Flüchtlingen werden dieses Jahr in Deutschland Asyl beantragen. Was denken sie? Was wollen sie? Weil die Neuankömmlinge noch immer vielsprachig sprachlos sind, will das Handelsblatt ihnen eine Stimme geben: Auf 50 Seiten sprechen und schreiben Künstler und Unternehmer, Schriftsteller, Ärzte und Ingenieure, Männer und Frauen aus Afghanistan, Iran und und Irak, Syrien, Eritrea aber auch dem Kosovo über Merkel und Europa, Heidenau und das Schleppergeschäft – aber auch die Sorgen der Deutschen, mit denen sie nun konfrontiert werden. Das komplette Dossier als PDF zum Download.

Kein Wunder also, dass sich rund um freie WLan-Zugänge in der Nähe von Flüchtlingsunterkünften oft Menschentrauben bilden. „Eine kostenlose Internetverbindung hat eine sehr hohe Bedeutung für die Flüchtlinge“, erklärt Sven Borchert. „Einen Mobilfunkvertrag mit einer Datenflatrate dürfen nur Personen abschließen, die bereits in Deutschland geduldet sind. Alle anderen sind auf die deutlich teureren Prepaid-Angebote angewiesen.“  

Der 37-Jährige gehört zu den Freifunkern, einem Zusammenschluss von Technikinteressierten, die einen freien Internetzugang für Menschen organisieren, die es sich sonst nicht leisten können. Das sind neben Flüchtlingen, etwa auch Einrichtungen für Jugendliche.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Derzeit installieren er und seine Mitstreiter WLan-Router in Flüchtlingsheimen in Dortmund. Das Bedürfnis zum Kontakt der Familie über kostenlose Plattformen wie Skype, Viber oder WhatsApp und nach Information sei gewaltig, sagt er. So achten die Freifunker darauf, die WLan-Zugänge auf diverse Aufenthaltsräume zu verteilen.  „Sonst sammeln sich alle vor dem Büro, und dann wird es schnell so voll, dass niemand mehr rein oder rauskommt“, erklärt Borchert.

    Prominente Fußballer, die einst Flüchtlinge waren
    Fatmire Alushi
    1 von 8

    Fatmire Alushi, 27, floh mit ihrer Familie aus dem Kosovo. Sie spielt heute bei Paris St. Germain und wurde 2007 mit Deutschland Weltmeisterin.

    (Foto: Imago)
    Christian Benteke
    2 von 8

    Christian Benteke, 24, wuchs in Belgien auf, nachdem er mit seinen Eltern aus dem Kongo geflohen war. Heute spielt er beim FC Liverpool.

    (Foto: Imago)
    Hasan Salihamidžić
    3 von 8

    Hasan Salihamidžić, 38, kam während des Bosnienkriegs 1992 nach Hamburg. Er gewann mit Bayer München die Champions League.

    (Foto: Imago)
    Luka Modrić
    4 von 8

    Luka Modrić, 30, floh während des Balkankriegs auf die kroatische Insel Iz. Mit Real Madrid gewann er 2014 die Champions League.

    (Foto: Imago)
    Neven Subotić
    5 von 8

    Neven Subotić, 26, floh mit seiner Familie aus dem heutigen Bosnien und Herzegowina. Mit Borussia Dortmund wurde er Deutscher Meister.

    (Foto: Imago)
    Xherdan Shaqiri
    6 von 8

    Xherdan Shaqiri, 23, kam als kleiner Junge aus dem Kosovo in die Schweiz. Er ist Schweizer Nationalspieler und spielte für Bayern München.

    (Foto: Imago)
    Vedad Ibišević
    7 von 8

    Vedad Ibišević, 31, zog während des Bosnienkriegs in die Schweiz. Er spielte für Hoffenheim, Stuttgart und heute für Hertha BSC Berlin.

    (Foto: dpa)

    Dank der Technik der Freifunker reicht bereits ein DSL-Anschluss pro Unterkunft. An diesen werden dann mit einer speziellen Software mehrere Router angebunden, über die dann jeweils etwa 20 bis 40 Leute ins Internet können. Die Bandbreite reiche trotzdem meist völlig aus, sagt Borchert: „Die meisten Flüchtlinge laden keine Filme auf ihre Smartphones, sondern PDF-Dokumente für diverse Anträge.“ 

    Verschiedene Betreiber, verschiedene Regeln
    Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen
    Mehr zu: WLan für Flüchtlinge - Der schwierige Kontakt zur alten Welt
    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%