WWDC Apple macht Augmented Reality allgegenwärtig – und kämpft gleichzeitig gegen iPhone-Sucht

Bitte nicht stören: Das neue Betriebssystem iOS 12 hilft iPhone-Nutzern, auch mal abzuschalten.
Update: 05.06.2018 - 05:56 Uhr Kommentieren

Alles nur PR? – So will Apple Nutzer vor dem Smartphone schützen

San JoseBei seiner jährlichen Entwicklerkonferenz WWDC (Worldwide Developers Conference) hat Apple seine neue Software vorgestellt, darunter ein neues Betriebssystem für das iPhone. Mit iOS 12 können Nutzer künftig stärker regulieren, wie sie ihr Smartphone nutzen.

„Das iPhone ist eines der mächtigsten Geräte, das je entwickelt wurden“, sagte Apples Softwarechef Craig Federighi bei der über zweistündigen Keynote im San José Convention Center. Einige Apps zögen jedoch zu viel Aufmerksamkeit auf sich, lenkten die Menschen von wichtigen Aspekten ihres Lebens ab.

Im neuen Betriebssystem soll der Apple-Kunde sich selbst oder seinen Kindern künftig Grenzen bei Gebrauch von iPhone und iPad setzen. In der „Nicht stören“- Einstellung verdunkelt sich der Bildschirm während der Schlafenszeit radikal. Erst nach dem Aufwachen spielt die Software wieder Benachrichtigungen ein. Die Funktion kann auch für bestimmte Orte eingerichtet werden, zum Beispiel beim Besuch eines Spielplatzes.

Ihre eigene Smartphone-Nutzung oder die ihrer Kinder kontrollieren Nutzer künftig über die Funktion „Screentime“. Sie liefert einen wöchentlichen Bericht über Surfverhalten und App-Nutzung, listet etwa auf, wie oft der Nutzer das Telefon zur Hand nimmt. Mit „App Limits“ legt der Smartphone-Besitzer künftig zeitliche Grenzen für einzelne Anwendungen fest.

Apple reagiert damit auf Berichte über Smartphone-Sucht und die Mahnung eigener Investoren, das Surfverhalten von Heranwachsenden zu untersuchen. Google hatte bei seiner Entwicklerkonferenz IO Anfang Mai ebenfalls entsprechende Software-Werkzeuge im neuen Betriebssystem Android P gezeigt.

Die weiteren Keynotes brachte keine großen Neuerungen, sondern allenfalls logische Weiterentwicklungen bestehender Apple-Produkte. Die lang erwarteten neuen Funktionen für den smarten Lautsprecher HomePod, der vor allem wegen der mangelhaften Funktionen der elektronischen Sekretärin Siri bemängelt wurde, blieben aus.

Lego-Steine in 3D

So zeigte Apple ein Update für „ARKit“. Mit dem Software-Paket integrieren Programmierer 3D-Technologie in ihre Apps ohne sie komplett selbst entwickeln zu müssen. „AR ist eine transformative Technologie“, schwärmte Apple-Manager Federighi. Im neuen Betriebssystem iOS 12 teilen Nutzer künftig dreidimensionale Inhalte mit anderen Nutzern oder treten in AR-Spielen gegen einander an.

Wie das konkret aussieht, demonstriert Apple in einer Kooperation mit dem schwedischen Konzern Lego. Fans der Spielefirma animieren per ARKit ihre Plastiksteinchen in 3D, platzieren sie in der analogen Welt oder entwickeln neue Charaktere. Um die Darstellung von AR-Inhalten zu verbessern, gibt Apple den Programmierern die App „Measure“ an die Hand. Über die Anwendung können sie ihre Inhalte an die neuen AR-Formate anpassen und etwa mit einem leichten Tippen des Fingers die Größe und Länge von analogen Objekten auf dem Smartphone-Bildschirm ausmessen.

Apple-Chef Cook hält Augmented Reality (AR) für so revolutionär wie das Smartphone. Die Technologie werde künftig zum Alltag gehören „wie die drei Mahlzeiten am Tag“, schwärmte er einmal in einem Interview. Insider gehen schon länger davon aus, dass der Kultkonzern an einer Datenbrille für die erweiterte Realität arbeitet und ab 2020 verkaufen könnte.

Die smarte Assistentin Siri, die nach Angaben von Apple 10 Milliarden Anfragen monatlich erhält, soll künftig noch schneller auf die Bedürfnisse der Apple-Fans reagieren und enger mit ihrem Leben verschmelzen. „Siri ist mehr als eine Stimme“, sagt Federighi. Die elektronische Sekretärin erinnert den Apple-Kunden mithilfe kürzerer Wege („Shortcuts“) künftig automatisch daran, bei einer Verspätung eine kurze Nachricht zu schicken oder der Großmutter zum Geburtstag zu gratulieren. Siri greift auch auf Flüge oder Hotelbuchungen in Reise-Apps zu und spielt die Infos zum passenden Zeitpunkt aus.

Solche „Shortcuts“ sind künftig auch auf der Apple Watch möglich. Sie sollen die Uhr attraktiver machen, die seit ihrem ersten Erscheinen 2015 nach wie vor eher ein Nischenprodukt ist. Die Apps von Instagram, Google Maps, Twitter, Amazon und Ebay verschwanden zuletzt aus dem Betriebssystem. Der Mini-Bildschirm ist nicht gemacht für Tippen, Navigieren oder Online-Shopping. Apple setzt nun noch stärker denn je auf den Gebrauch der Uhr als Fitness- und Kommunikationsgerät.

Im neuen Betriebssystem watchOS kommen neue Fitnessprogramme für Yoga und Wandern hinzu. Die Apps alarmiert Läufer künftig, wenn diese im Trainingsplan ihre zuvor festgelegte Herzfrequenz überschreiten, ein Hinweis auf Überanstrengung. Über eine einfache Walkie-Talkie-Funktion können die Sportler sich während des Trainings mit engen Freunden oder der Familie unterhalten.

Auch die Animojis, kleine animierte Comicfiguren, die per Nachricht versendet werden, baut Apple weiter aus. Neue Charaktere kommen hinzu, darunter Saurier oder ein kleiner Geist. Auch sich selbst können die Apple-Kunden künftig in einen Comic-Avatar verwandeln. Bei den sogenannten „Memojis“ passen sie einen kleinen digitalen Avatar an ihr Aussehen an, entscheiden über Gesichtsfarbe, Haarlänge oder Accessoires wie eine Sonnenbrille.

Der Mac verliert an Attraktivität

Wie in jedem Jahr sucht Apple bei der Entwicklerkonferenz auch den Kontakt zur Basis. Vor Beginn der Keynote leuchten zahlreiche Apps aus Apples kunterbunten App Store über die Leinwand im San José Convention Center. Ein humoriges Video stellt die Programmierer in die Nähe der sympathischen Hobbits, den Helden im Kult-Buch „Herr der Ringe“. Apple feiert die Community der Nerds, Programmierer, Entwickler, auf deren Erfolg der Firma von jeher beruht. Je mehr Apps auf Grundlage von Apples Betriebssystem entwickeln werden, desto schneller wächst die Reichweite von Apple.

Dieses Jahr reisten Programmierer aus 77 Ländern an, erklärt Apple-Chef Tim Cook. Zwei Millionen Apple-Entwickler gebe es inzwischen weltweit. Diese Woche werden Entwickler mehr als 100 Milliarden Dollar im App Store verdient haben. Cook lobt die eigene Community als eine „mächtige Gruppe von Schöpfern“.

Apple verdient sein Geld nach wie vor mit dem iPhone. Vergangenes Quartal erzielten die Smartphone-Verkäufe über 60 Prozent der gesamten Konzernumsätze. Der Mac-Computer verlor demgegenüber zuletzt an Attraktivität. Das neue Betriebssystem bindet den Desktop-PC enger an das Apple-Ökosystem. „Wir lieben den Mac“, sagt Cook. Das Betriebssystem macOs solle keinesfalls mit iOS verschmolzen werden, wie Gerüchte zuletzt nahegelegt hatten, erklärt Apple.

Im neuen Betriebssystem „Mojave“, angelehnt an die gleichnamige Wüstenlandschaft, lässt sich erstmals ein „Dark-Mode“ aufrufen. Vor dem schwarzen Hintergrund erscheinen Fotos heller und kräftiger, der Programmiercode soll für Entwickler einfacher lesbar sein. Bei Screenshots zeigt macOS künftig eine Voransicht der Aufnahme an. Mit einem Klick können künftig auch bewegte Bilder und Videos aufzeichnen.

Mit wenigen Schritten können Nutzer bald auch Fotos in eine Desktop-Grafik integrieren. Klicken sie auf den entsprechenden Programmierbefehl, poppt sofort eine Benachrichtigung auf dem iPhone auf. Das mit dem Smartphone aufgenommene Foto lässt sich dann mit einem Wischen in die Desktop-Aufnahme integrieren.

So wie es den Smartphone-Konsum reguliert, will Apple auch beschränken, wie viele Daten Drittanbieter über die eigenen Kunden sammeln. Browser Safari schränkt die Fähigkeiten von Cookies oder „Like-Buttons“ ein, die Surfer im Internet digital verfolgen. Sobald eine Webseite sich Zugriff auf die Nutzerdaten verschafft, erhalten die Nutzer einen Sicherheitshinweis. Auch das sogenannte „Fingerprinting“, bei dem Datentracking-Firmen einzelne Rechner über ihr Surfverhalten identifizieren, will Apple erschweren. „Es wird für Tracking-Firmen sehr viele schwerer werden, Euch zu verfolgen“, ruft Apple-Manager Frederighi dem Publikum zu.

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