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Yahoo Per Dreijahresplan zur Coolness

Wohin steuert Yahoo? Diese Frage wollte der angejahrte Webpionier gestern beantworten. Aber nach einer Stunde Präsentation blieben mehr Fragen offen als zu Beginn. Die Zielsetzungen sind verschwommen, Yahoo sucht weiter eine neue Identität. Fertige Produkte gab es nicht zu sehen. Die Yahoo-Aktie gab nach.
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Was aus der Zentrale von Yahoo nach außen dringt, wirft Fragen auf. Quelle: dpa

Was aus der Zentrale von Yahoo nach außen dringt, wirft Fragen auf.

(Foto: dpa)

DÜSSELDORF. Als ob Zeit keine Rolle mehr spielt: Ein Dreijahresplan soll die Coolness zu Yahoo zurückbringen, versprach Blake Irving, seit 100 Tagen der neue starke Mann hinter CEO Carol Bartz. Der langgestreckte Zeitplan war offenbar eine Enttäuschung für Investoren und Analysten, die seit Jahren auf entscheidende strategische Weichenstellungen warten. Spätestens seit die resolute Silicon Valley-Veteranin Carol Bartz Anfang 2009 das Ruder übernommen und den zaudernden Mit-Gründer und CEO Jerry Yang ersetzt hatte, lag die Messlatte hoch.

Stetige Verbesserung ist das Ziel des Ex-Microsoft-Managers Irving, das erklärte er am Stammsitz im kalifornischen Sunnyvale. Er will nicht alle Kräfte auf die Entwicklung der einen "Killerapplikation" konzentrieren, die dann vielleicht irgendwann einmal mit einem Knall veröffentlicht wird. Kernprodukte wie E-Mail, News oder Suche werden nach den Plänen des Chief Product Officers in Zukunft in kürzeren Abständen überarbeitet werden. Neue Versionen werden global ausgerollt, nicht wie früher, als teilweise Monate vergingen, bis Verbesserungen aus den USA ihren Weg in die restliche Yahoo-Welt fanden.

Die Beschleunigung der Suchmaschine hat dabei strategische Priorität, ebenso eine von Grund auf überarbeitete E-Mail-Plattform, eine enge Inhalte-Kooperation mit Twitter und eine völlig neue und übersichtlich gestaltete iPad-App. Das sind sicher alles richtige Schritte im andauernden Transformationsprozess des dienstältesten aktiven Web-Portals, aber kein innovativer Schritt vorwärts. Bei den Antworten auf die brennenden Fragen der Gegenwart, die Konkurrenz zu Google, zu Facebook oder Twitter, wich Irving ins Ungenaue aus.

Gefragt, wofür Yahoo in drei Jahren in den Augen der Nutzer stehen werde, gab er zum Beispiel die allgemein und sehr breit gehaltene Maxime aus: "Yahoo wird eine Serie von Web-Erfahrungen auf allen denkbaren Endegeräten sein, die den Nutzern das bietet, wonach sie fragen." Außerdem werde Yahoo den Menschen helfen, sich mit den Dingen zu beschäftigen, die sie wirklich interessierten. Ziel sei es zudem, langfristig die hunderte verschiedenen Web-Sites im Yahoo-Network zu bünden und nach außen hin als "Ein Yahoo" auftreten zu lassen. Social Networks wie Twitter, bekräftigte er, muss man nicht kaufen, man muss sie nur besitzen, also monetariesieren. Yahoo spürt die anhaltende Skepsis, der Aktienkurs ist seit Jahresbeginn fast 20 Prozent gefallen, weitere Top-Mitarbeiter gehen, mit David Ku verließ erst Donnertag eine weitere aus dem Werbebereich das Unternehmen.

Konkreter wird es nur bei Überarbeitungen bestehender Angebote. Das E-Mail-Postfach wird zur Kommunikationszentrale ausgebaut, von der aus auch Aktivitäten in Sozialen Netzen wie Facebook oder Twitter gesteuert werden können. Der Spam-Filter wurde massiv überarbeitet, heißt es, das Ergebnis seien 50 Prozent weniger Spam als bei Googlemail und 40 Prozent weniger als bei Microsofts Hotmail. Fotos und Videos können direkt aus dem Postfach heraus weiter verschickt oder mit Social Networks geteilt werden. Eine Beta-Version des E-Mail-Dienstes wird in den kommenden Wochen online gehen. Mit über 280 Mio. E-Mailkunden gehört Yahoo zu den Top drei der weltweiten E-Mailszene.

Die Yahoo-Suche soll übersichtlicher schneller werden, wobei sich die Geschwindigkeit allerdings mittlerweile an Google Instant messen lassen muss. Google Instant beginnt bereits während der Eingabe der Suchwörter nicht nur damit, den wahrscheinlichsten Suchbegriff voraus zu empfinden, sondern zeigt auch schon die möglichen Ergebnisse an, ohne das der Suche-Button im Browser betätigt werden muss. Die Google-Nutzer spielen als schon während des Findungsprozesse mit den möglichen Ergebnissen. Yahoo scheint überrascht von der Entwicklung, hat keine Antwort.

Das Versprechen im Gegenzug sind übersichtlichere und reichhaltigere Ergebnisse. So soll Zeit gespart werden. Egal ob Ticketkauf für ein Rockkonzert oder der schnelle Nachrichtenüberblick in Bildern zum Thema des Tages: alles wird erreichbar sein, ohne das Suchfenster und damit die Yahoo-werbefläche zu verlassen. Die Suchmaschine wird so zum Unterhaltungs- und Nachrichtenportal. Yahoo kämpft im Suchmarkt mit anhaltendem Bedeutungsverlust, erst jüngst ging die Nummer 2 Position im US-Markt an den Suchpartner Microsoft mit Bing verloren.

Im mobilen Internet wird die Not zur Tugend gemacht. In Ermangelung eines eigenen Betriebssystems oder eigener Hardware setzt Produktchef Irving auf Vielfalt. Egal ob auf Android, iPhone oder Microsoft Phone 7: Yahoo will auf allen Systemen präsent sein und auch den Markt der "Featurephones", also der traditionellen Handy bedienen. "Drei Viertel der Weltbevölkerung haben schlicht nicht die Möglichkeit oder die Mittel, um sich Smartphones zu leisten", so Irving. Die Erreichung dieser Kunden ist das Ziel, da sie ebenfalls nach einer Anbindung an das Internet suchen werden. Mit dem Weltmarktführer Nokia hat Yahoo bereits ein weitreichendes Kooperationsabkommen getroffen und betreibt die gesamte E-Mail-Infrastruktur für den finnischen Konzern. Diese Vereinbarung stammt aber aus der Zeit vor dem CEO-Wechsel zu Ex-Microsoft-Manager Stephen Elop, der am 21. September in Espoo den Dienst antritt und auch schon Microsofts Office-Paket auf Nokia-Smartphones gebracht hat.

Einen Erfolg kommte Yahoo CTO Raymie Stata beim Internet-TV vermelden, als Partner ist der japanische Hersteller Toshiba hinzugekommen. Stata kündigte zudem einen weiteren Ausbau der technischen Infrastruktur aus. Ihm schweben dabei kostengünstige Rechenzentren in den Cloud vor, weltweit verteilt, um die Daten schneller zu den Kunden bringen zu können.

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1 Kommentar zu "Yahoo: Per Dreijahresplan zur Coolness"

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  • ich glaube, die reden sich größer als sie sind. Gerade was die Anzahl der E-Mail-Accounts angeht, ist das ja wohl hauptsächlich der Tatsache geschuldet, dass man bei Yahoo noch nie seinen Account kündigen konnte. Der besteht einfach weiter. ich bin seit ca. 1997 dort angemeldet, hab' ihn seit ca. 9 Jahren nicht mehr benutzt und werde aber trotzdem noch als "E-Mail-Nutzer" geführt. Und so wie mir geht es sicher vielen.

    Und eine klare Strategie lässt man dort jedenfalls vermissen. Eine "Strategie" für drei Jahre? Nun gut, mal sehen, wie weit die anderen dann an Yahoo vorbeigezogen sein werden.

    ich bin schon sehr gespannt, wie wohl in drei Jahren die "Serie von Weberfahrungen auf allen möglichen Endgeräten" aussehen wird. :-))

    Ein Dinosaurier stirbt aus. Jerry Yang hätte seinerzeit lieber verkaufen sollen.

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