Youtube-Star Kayef „Die Deutschen kapieren Youtubes Potenzial nicht“

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„Fernsehen interessiert die Kids von heute nicht“
Kai Fichtner alias Kayef begann seine Karriere auf YouTube. Mit seiner zweiten Platte „Relikte letzter Nacht“ wagte er erstmals den Schritt auf den CD-Markt – und stieg im November 2014 auf Platz 17 der deutschen Albumcharts ein. Bis heute verkaufte sich das Album 20.000 Mal.
Mit Videos zum Musikstar

Kai Fichtner alias Kayef begann seine Karriere auf YouTube. Mit seiner zweiten Platte „Relikte letzter Nacht“ wagte er erstmals den Schritt auf den CD-Markt – und stieg im November 2014 auf Platz 17 der deutschen Albumcharts ein. Bis heute verkaufte sich das Album 20.000 Mal.

Klar ist ja zumindest, dass das Geld bei Youtube von der Werbung kommt, die vor oder in Videos geschaltet wird. Ab wann lohnt sich das?
Da gibt es keinen konkreten Punkt. Pro tausend Klicks kommen aber nicht mehr als ein paar Euro rum. Wenn man davon leben will, muss man schon richtig viel produzieren. Das hängt übrigens auch stark von der Werbebranche ab, wie viel die gerade ausgeben möchten. Von Monat zu Monat schwankt das stark. Dezember war zum Beispiel gut. Da hängen viele Leute zu Hause rum und klicken sich durch Videos. Das wissen auch die Werber, die dann mehr Geld locker machen.

Im Ausland scheint das ja schon ganz gut zu klappen. Dort kassieren erfolgreiche Youtuber wie PewDiePie jährlich mehr als zehn Millionen Euro. Ist das für Deutschland auch realistisch?
Ich glaube nicht. Zumindest jetzt noch nicht. Auch wenn beispielsweise RTL vor kurzem über 100 Millionen Euro für Anteile an einem Netzwerk hingeblättert hat. Der Großteil der deutschen Unternehmen kapiert einfach noch nicht, dass es auf Youtube noch viel mehr gibt als nur lustige Katzenvideos. Da steckt noch enorm viel Potenzial drin.

Zum Beispiel?
Für Kids zwischen zehn und 17 ist Youtube heute das Hauptmedium. Die schauen ja kaum noch Fernsehen oder sagen: ‚Ich möchte mir 20 Uhr unbedingt diese Sendung anschauen.‘  Das ist für die zweitrangig. Die gehen einfach ins Internet und gucken was sie wollen, wann sie wollen.

Wie ließe sich den älteren Generationen denn das wirtschaftliche Potenzial der Plattform vermitteln?
Mit einem Handelsblatt-Interview zum Beispiel. (lacht) Ehrlich gesagt: Keine Ahnung. Ich glaube auch, dass das so ein Generationen-Ding ist. Viele Clips finden junge Leute voll nice, bei denen ältere Fernseh-Generationen null lachen könnten.

Schaust du denn selbst noch Fernsehen?
Fast gar nicht. Zur Unterhaltung schaue ich Serien über Netflix. Nachrichten hole ich mir über News-Seiten im Netz.

Viele erfolgreiche Künstler setzen auf ein Netzwerk, dass ihnen mehr Klicks und Popularität verschaffen soll. Du hast eben erst dein Netzwerk TubeOne verlassen. Warum?
Ich hatte dort nur einen kurzen Vertrag über ein halbes Jahr. Den habe ich ganz bewusst auslaufen lassen. Der Sinn der Netzwerke ist ja, dass man gefördert wird, über sogenannte Crosspromos in Videos anderer Youtuber kommt und so die Reichweite steigert. Am Ende hat sich das für mich aber einfach nicht gelohnt, auch weil so ein Netzwerk schon mal 20 Prozent von deinen Einnahmen will.

Stattdessen setzt du ganz auf dich selbst. Du hast sogar einen Vertrag mit Sony BMG ausgeschlagen.
Nicht nur Sony, ich hatte auch mit Universal Gespräche, Warner hat auch angeklopft. Das waren auch alles keine schlechten Angebote. Aber ich wollte lieber unabhängig bleiben und bin bei meinem eigenen Label Takeover geblieben, dass ich mit Bekannten gegründet habe.

Schwer nachvollziehbar.
Aber wahr. Ich hab halt schon immer alles selber gemacht. „Independence“ habe ich mir sogar auf meinen Arm tätowieren lassen. Auf einmal soll ich dann zu einem riesen Label gehen, mich vermarkten und vielleicht sogar verdrehen lassen? Das passte halt einfach nicht.

Du hast dich mit 18 Jahren selbstständig gemacht und später dein eigenes Label gegründet. Wie sehr siehst du dich als Unternehmer?
In erster Linie sehe ich mich schon als Musiker. Das Label-Management übernehmen erstmal meine Kollegen. Klar, wenn man irgendwann mal ein bisschen was angespart hat, möchte ich dann schon auch schauen, wo ich etwas investieren kann.

Aber glaubst du, dass du dein Leben von jetzt an immer mit Musik finanzieren kannst?
Das weiß ich nicht. Klar überlege ich, wie lange ich das noch richtig gut mit der Musik und Youtube durchziehen kann. Man weiß ja auch nicht, wie lange Youtube überhaupt noch interessant für die Leute ist. Gerade in Deutschland  entwickelt sich das gerade noch ganz krass. Ich bin gespannt, wie lang das geht.

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