Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Youtube-Star Unge kontra Vermarkter Mediakraft „So ein Scheißhaufen“

Mit einem großen Knall verabschiedet sich ein Star der Video-Plattform Youtube vom Werbevermarkter Mediakraft. Die Fans solidarisieren sich mit Simon Unge. Der Konflikt zeigt vor allem: Das soziale Netz ist erwachsen.
Update: 21.12.2014 - 16:51 Uhr Kommentieren
Simon Unge bei seiner Generalabrechnung.

Simon Unge bei seiner Generalabrechnung.

Köln Die Worte könnten kaum drastischer sein: Als „Scheißhaufen“ tituliert Simon Unge in einem am späten Samstagabend veröffentlichten Youtube-Video die Firma Mediakraft, den auf Online-TV spezialisierten Münchener Werbevermarkter. Wortreich kritisiert Unge die mangelnde Unterstützung bei Webvideo-Projekten, geißelt die Vertragsbedingungen und wirft Mediakraft vor, ihn in die Privatinsolvenz treiben zu wollen.

Den Zoff kann man leicht als unbedeutenden Konflikt in der Welt der sozialen Netzwerke abtun. Doch das springt zu kurz, denn um die Talente in der Webvideo-Welt herrscht ein Hauen und Stechen – und Mediakraft ist die bedeutendste Firma in einem Segment, über das zahlreiche Werbetreibende versuchen, eine junge Zielgruppe zu erreichen. Nur wer die Kreativen wie Unge an sich binden kann, hat den Hebel, um Konsumgüterkonzerne wie Unilever oder Autohersteller wie Opel mit Reichweitenzahlen beeindrucken zu können.

Reichweite mit Mediakraft

Der 24-Jährige Unge ist ein Star in dieser Webvideo-Welt und sein heftiger Protest gegen Mediakraft sorgt daher für Aufmerksamkeit - zumal er auf auf viel verzichtet. Denn die Videos seiner beiden Kanäle „ungespielt“ und „ungefilmt“ haben monatlich seinen Angaben zufolge 30 Millionen Abrufe und stehen damit für etwa sieben Prozent der Reichweite des Mediakraft-Netzwerks.

So wie sich einst der Popmusiker „Prince“ das Wort „Slave“, also Sklave, auf die Wange schrieb um auf seiner Ansicht nach ungerechte Passagen seines Plattenvertrags zu demonstrieren, wählt auch Unge einen spektakulären Protest. Das Video ist deftig formuliert und ein Frontalangriff auf den Vertragspartner. Monatelang habe er sich zuvor schon über Anwälte mit Mediakraft gestritten, es ging um mangelnde Unterstützung bei der Sponsoren-Suche für Video-Reihen, vermeintliche Zahlungsausstände und gelöschte Videos. Mediakraft bedauert in einer Pressemitteilung, dass Unge eine juristische Auseinandersetzung begonnen habe und erklärt, dass er „viele Leistungen, die wir (...) angeboten haben“ ausgeschlagen habe.

Auch „LeFloid“ trennt sich

Die Abkehr von Mediakraft bedeutet für die beiden erfolgreichen Youtube-Kanäle das Aus, da in Webvideo-Netzwerken in der Regel der Vermarkter die Hoheit darüber hat. Diese Rechteabtretung gehen die Youtuber ein, da sie im Gegenzug höhere Anzeigeeinnahmen versprochen bekommen und sich eine bessere Verbreitung ihrer Videos durch gegenseitige Promotion innerhalb des Netzwerks erwarten. Auch ein anderer bekannter Youtuber, der für seine Nachrichten-Videos bekannte „LeFloid“, hat den Vertrag mit Mediakraft gekündigt. Doch die Münchener haben ein Portfolio von an die 2.000 Webvideo-Produzenten, die das Weltgeschehen verarbeiten, Einkauftipps geben oder Computerspiele testen.

Mediakraft auf dem Weg in die Gewinnzone

Nach eigenen Angaben ist Mediakraft das größte Online-Video-Netzwerk in Mitteleuropa. Die 2011 gegründete Firma erreicht täglich 1,5 Millionen einzelne Zuschauer und bis zu zehn Millionen Abrufe. Mediakraft-Chef Spartacus Ollson sagte im Mai dem Handelsblatt: „Wir wollen 2015 die Gewinnzone erreichen. Wir könnten das auch schon heute, doch wir wollen weiter investieren.“

Der Konflikt zwischen Kommerzialisierung und Kreativität ist im Fall Unge voll entbrannt. Der Einstieg mehrerer Investoren bei Mediakraft habe das Unternehmen dazu gebracht, die Wirtschaftlichkeit über alles andere zu stellen. Seine Fans dankten ihm die deutlichen Worte mit einer Sympathie-Welle auf diversen sozialen Netzwerken und heftigen Hasstiraden gegen Mediakraft. Fast 300.000 Nutzer abonnierten über Nacht einen neuen Kanal, den Unge eröffnet hat und in dem bislang noch kein einziges Video veröffentlicht worden ist. Eine Stellungnahme von Mediakraft gab es zunächst nicht.

Y-Titty-Star an Mediakraft beteiligt

Im Netz wird spekuliert, dass Unge sich einem anderen Vermarkter anschließen könnte. Denn genau wie in der Musikindustrie ist auch in der Webvideo-Welt schwer, sich als Einzelner und ohne einen Partner im Rücken durchzuschlagen. Die Netzwerke optimieren vor allem das Ausspielen der Werbefilme vor den Youtube-Filmen, um die Erträge der Kanäle zu erhöhen und steigern die Professionalität der Video-Clips. Mit einem Netzwerk im Rücken können 18- oder 19-Jährige schon innerhalb von zwölf Monaten zu Stars mit der magischen Zahl von einer Million Abonnenten oder mehr werden.

Dass Mediakraft die Empfindlichkeiten seiner Stars nicht völlig ignorieren kann, zeigt ein besonderes Beispiel: Philipp Laude von der Webvideo-Truppe Y-Titty ist an seinem Vermarkter mit 0,82 Prozent beteiligt. Y-Titty zählt über drei Millionen Abonnenten und liegt auf Rang zwei der erfolgreichsten Youtube-Kanäle.

Anm. d. Red.: In einer ersten Version war Köln als Firmensitz von Mediakraft genannt worden. Der offiziele Firmensitz ist München.

Startseite

0 Kommentare zu "Youtube-Star Unge kontra Vermarkter Mediakraft: „So ein Scheißhaufen“"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote