Zeitreise in Kassel Die wohl älteste Videothek der Welt

Eckhard Baum gehört einer aussterbenden Spezies an: Seit mehr als 40 Jahren verleiht er in Kassel Filme. Er betreibt die älteste Videothek Deutschlands. Doch deren Tage scheinen wohl bald gezählt.
Eckhard Baum ist Betreiber des Video-Film-Shops. Quelle: dpa
Videothek

Eckhard Baum ist Betreiber des Video-Film-Shops.

(Foto: dpa)

KasselWenn die Glocke schellt und sich die mit Filmplakaten beklebte Tür zum Video-Film-Shop in Kassel öffnet, beginnt eine kleine Zeitreise. Ein erster Raum: eine alte Theke, Karteikarten statt Computer. Ein Sammelsurium von Kinderfilm-DVDs steht mannshoch in den selbst gebauten Holzregalen, die Filme für ältere sind in anderen Räumen untergebracht. Gummiringe zeigen an, wenn ein Film derzeit nicht verfügbar ist.

Eckhard Baum betreibt die nach eigenen Angaben älteste Videothek der Welt – und die hat sich seit Jahrzehnten kaum verändert. „Ich war der erste und will auch der letzte sein, zumindest in Kassel“, sagt der 77-Jährige. 1998 bestätigte ihm das „Guinness-Buch der Rekorde“, die älteste Videothek Deutschlands zu betreiben, und als diese ist der Kasseler Video-Film-Shop auch beim Interessenverband des Video- und Medienfachhandels in Deutschland (IVD) bekannt. Baum sagt: „Es ist sogar die älteste der Welt, denn in den USA hat die erste erst 1977 eröffnet.“

Er selbst startete 1975 seinen Filmverleih, damals noch mit Super8-Filmen – ein bis in die 80er-Jahre gängiges Format – unter dem Namen „Videotheke“. „Ich war Filmfan, und Freunde liehen sich meine Filme oft aus, also habe ich gedacht, warum kein Geschäft daraus machen.“ Mit VCR-Longplay, Video 2000, Beta Max und VHS sah Baum einige Systeme kommen und wieder gehen – heute bietet er rund 13.000 verschiedene Titel an, die meisten auf DVD und Blu-Ray.

Diese Fernsehserien werden am häufigsten geklaut
Sherlock
1 von 10

Die ursprünglich von Sir Arthur Conan Doyle geschriebenen Detektivgeschichten versetzen die Autoren Steven Moffat und Mark Gatiss in der BBC-Serie „Sherlock“ in einen modernen Kontext. Sie lassen Sherlock Holmes, gemeinsam mit seinem Assistenten Dr. Watson, im heutigen London ermitteln. Die Reihe hat treue Anhänger, doch einige Serienjunkies sehen es nicht ein, für das Krimivergnügen zu bezahlen. Allein für die Serie „Sherlock“ schätzen Insider den wirtschaftlichen Schaden auf rund 173,7 Millionen US-Dollar. Wer illegal die Serien herunterlädt, ist darüber hinaus zunehmend an höherer Qualität interessiert, wie „torrentfreak.com“ mitteilt. Die Experten der Spezialwebseite haben die am häufigsten geklauten Fernsehserien ermittelt. Die meisten illegalen Downloads seien allerdings immer noch in geringer Qualität von 480p – was einer Videokassette entspricht. Dennoch steige die Zahl der Serienanhänger, die unerlaubt Folgen im Internet herunterladen. Fachleute erwarten eine weitere Zunahme. Bei einigen Serien gebe es „torrentfreak.com“ zufolge derzeit schon mehr „Piraten“ als traditionelle Zuschauer.

Quelle: „Digital Media Unmonetized Demand and Peer-to-Peer File Sharing Report“ der Tru Optik Data Corp /Statistisches Bundesamt
Quelle: „torrentfreak.com“

Modern Family
2 von 10

Die Comedy-Serie „Modern Family“ lief in den USA das erste Mal am 23. September 2009 bei ABC. Sie beschäftigt sich mit den Familien von Jay Pritchett, seines Sohns Mitchell Pritchett und seiner Tochter Claire Dunphy. Weil auch diese Serie sehr beliebt ist, laden sie Fans unerlaubt aus dem Internet herunter. Experten haben ermittelt, dass sich der wirtschaftliche Schaden für „Modern Family“ auf 183,6 Millionen Euro beläuft.

Arrow
3 von 10

Die Actionserie „Arrow“ handelt von Oliver Queen (gespielt von Stephen Amell), einem Milliardär und Großindustriellen, der seine Heimatstadt Starling City von Verbrechern befreien will. Deshalb nimmt er die Geheimidentität Arrow an und führt ein geheimes Doppelleben. Die Erstausstrahlung in den Vereinigten Staaten erfolgte 2012 beim Sender The CW und in Deutschland 2013 auf Vox. Wirtschaftlicher Schaden: 244,5 Millionen US-Dollar.

Orange is the New Black
4 von 10

Die Webserie „Orange is the New Black“ von Jenji Kohan wird seit Juli 2013 von Netflix per Streaming veröffentlicht. Sie basiert auf dem Buch „Orange Is the New Black: My Year in a Women's Prison“ von Piper Kerman. In Deutschland ist die Serie seit dem 16. September 2014 ebenfalls über Netflix abrufbar. Wirtschaftlicher Schaden: 396,8 Millionen US-Dollar.

House of Cards
5 von 10

Francis „Frank“ Underwood alias Kevin Spacey ist der kongeniale Hauptdarsteller der US-amerikanischen Fernsehserie „House of Cards“, die seit Februar 2013 in den USA von Netflix per Streaming veröffentlicht wird. Der Politthriller entstand als erweiterte US-Adaption der gleichnamigen BBC-Serie, die wiederum auf dem Roman „Ein Kartenhaus“ basiert. Wirtschaftlicher Schaden: 238,8 Millionen US-Dollar.

Suits
6 von 10

In der Anwaltsserie „Suits“ spielen Patrick J. Adams, Rick Hoffman und Gabriel Macht (von links) die Hauptrollen. Die Erstausstrahlung war am 23. Juni 2011 beim US-Kabelsender USA Network und die deutschsprachige Erstausstrahlung am 7. Januar 2013 bei Vox. Aufgrund illegaler Downloads summiert sich der wirtschaftliche Schaden für die Serie auf rund 192,3 Millionen US-Dollar.

Breaking Bad
7 von 10

Wie aus einem gewöhnlichen Bürger ein Schwerkrimineller wird, zeigt die US-Serie „Breaking Bad“. Die Premiere war am 20. Januar 2008. Hauptdarsteller ist Bryan Cranston, der für seine schauspielerische Leistung in der Rolle des Chemielehrers Walter White drei Emmys erhielt. Der wirtschaftliche Schaden soll Experten zufolge bei rund 4283,9 Millionen US-Dollar liegen.

Stefanie Tiggemann aus Kassel kommt mit ihrem Sohn Tizian (11) immer mal wieder herein, um Filme auszuleihen. Heute sind es die Star-Wars-Teile zwei und drei, als Vorbereitung für den aktuellen Film, den beide im Kino sehen wollen. „Wollen wir alte Filme ausleihen, kommen wir hier her. Die bekommt man ja sonst kaum noch. Für mich ist Streaming keine Alternative“, sagt sie mit Blick auf die Möglichkeit, Filme über das Internet anzusehen. Baum betont: „Wir haben Raritäten, die es sonst nicht mehr gibt. Die neuen Filme haben alle, die alten haben nur wir.“

Doch ihm ist bewusst, dass sein Laden einer aussterbenden Spezies angehört. „In fünf, sechs Jahren wird keiner mehr über Videotheken reden“, sagt er. Schon heute ist sein Geschäft mehr Hobby und eine Art Treffpunkt für Filmliebhaber. Das, was der Verleih von DVD und Co. abwerfe, reiche gerade, um die Kosten zu decken. „Ich mache das, um nicht zu Hause rumzusitzen. Ich will mich mit Leuten, auch mit jungen, unterhalten.“

Immer mehr Filme werden illegal im Internet gesehen
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