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Zeitschriften und ZeitungenDer Lohn des „Klassensprechers“: Burda-Manager Welte wird Chef des Medienverbands MVFP

Philipp Welte versucht, Deutschlands Zeitungs- und Zeitschriftenverlage durch Geschlossenheit robuster gegen die Krisen von Ökonomie und Glaubhaftigkeit zu machen. Und das womöglich im großen Stil.Hans-Jürgen Jakobs 08.12.2022 - 17:41 Uhr Artikel anhören

Der Burda-Manager rückt an die Spitze des Medienverbands.

Foto: Dominik Butzmann / Hubert Burda Media

München. „Präsident“ ist Philipp Welte an diesem Donnerstag nicht geworden, aber immerhin Vorstandvorsitzender. Der 60-Jährige, der im Münchener Medienhaus von Hubert Burda seit Langem den Vorstandsbereich „Nationale Medienmarken“ leitet, steht nach einstimmiger Wahl an der Spitze des Medienverbands der freien Presse (MVFP). Für den klangvolleren Titel müsste Welte größere Geschäftsanteile an einem Verlag halten. An der Funktion ändert das jedoch nichts.

Im MVFP bündeln mehr als 350 Zeitschriftenverlage mit über 7000 Medienangeboten ihre Interessen. Der Burda-Manager folgt auf Rudolf Thiemann, 67, einen Verleger katholischer Presseerzeugnisse. Der Eigentümer der Liborius-Gruppe war Präsident wie zuvor Verleger-Grande Hubert Burda, 82. Zu der Zeit firmierte das Ganze noch – althergebracht – als Verband Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ). 

Auf der MVFP-Delegiertenversammlung („Parlament“) im Burda-Hauptquartier im Arabellapark nannte es der gelernte Journalist Welte „eine Ehre, für diese Branche einzutreten, die meine Heimat seit über 40 Jahren ist“.

Allein die Verleger der Publikumszeitschriften würden 89 Prozent aller Deutschen erreichen – und für die Freiheit der Meinung, des Unternehmertums sowie des Austauschs von Wissen und Information in unserer Gesellschaft stehen, „für unsere wirklich freie Demokratie“.

Weltes Strategie macht aus, den aufziehenden ökonomischen Gefahren mit mehr Geschlossenheit der Verlage zu trotzen. Er sieht sich dabei selbst als „Klassensprecher“. Unlängst kehrten die Bauer Media Group, der „Spiegel“ und die „Zeit“ zurück in den Verband.

Peu à peu soll offenbar auch die Verschmelzung mit dem Bundesverband der Digitalpublisher und Zeitungsverleger (BDZV) vorbereitet werden. Wichtige MVFP-Mitglieder wie die Essener Funke-Gruppe oder der Hamburger Großverlag Bauer haben ohnehin beides in ihrem Sortiment: Zeitungen und Zeitschriften.

Resilienz in der Transformation

Von der Lust am größeren Gemeinsinn zeugen auch eingereichte Anträge beim Bundeskartellamt in Bonn. So beantragen die Konzerne Burda und Funke, große Teile ihres Anzeigengeschäfts de facto zusammenlegen zu können. Die Essener Mediengruppe will beim Burda-Vermarkter BCN einsteigen, den Welte derzeit kommissarisch lenkt.

Und erst jüngst wurden 13 Verlage bei der Bonner Wettbewerbsbehörde mit der Bitte vorstellig, das weitgehend unabhängige Grosso-System, über das Presseprodukte in die Verkaufsläden kommen, neu gestalten zu können. Aktuell befürchten die Verlage, so ist zu hören, dass Kunden in den Supermärkten aufgrund der Inflation kaum noch zu ihren Journalen und Blättern greifen. 

In seiner Antrittsrede als Verbandsvorstandschef betonte Welte, die gesamte Zeitschriftenbranche – Publikumsmedien, konfessionelle Medien und Fachpresse – hätten in der Bewältigung von mindestens zwei, teilweise drei Dekaden der digitalen Transformation ihre Resilienz bewiesen.

Im „schicksalhaften Jahr 2022“, so Welte, sei man aber mit wirtschaftlichen Herausforderungen konfrontiert, die „durchaus bedrohlichen Charakter“ hätten. Er nennt rapide steigende Kosten im Papiermarkt und Energiesektor sowie das tristeste Konsumklima seit Mitte der 1950er-Jahre. Das nähme die Branche in die Zange – und führe viele Verlage an den Rand ihrer Wirtschaftlichkeit.

Kritik an den Öffentlich-Rechtlichen

Eine gesunde Demokratie brauche aber eine starke Presse, sagte Welte, ein „unauflösbares Band“ verbinde beide. Die ersten Verlage denken übrigens wieder darüber nach, ob sie nicht wie früher Papierfabriken besitzen sollten. 60 Prozent der Produktion sind derzeit in Schweden und Finnland konzentriert.

Der Krieg Russlands gegen das freie Europa mit seinen Folgen sei für die Verlage „nicht mehr steuerbar, nicht mehr beherrschbar“, verkündete Welte. Und so fordert der frisch gekürte Verbandschef allerlei Hilfen, etwa eine diskriminierungsfreie Förderung aller Zeitschriften, einen freien Zugang in die digitalen Arenen (die von US-Techkonzernen beherrscht werden) sowie eine angemessene Verarbeitung von Daten und ein freies Direktmarketing.

Und: Die „ausufernde“ gebührenfinanzierte öffentlich-rechtliche Konkurrenz sei nicht länger politisch zu akzeptieren, erklärte der Burda-Manager. Das wiederum dürfte manchem in der ARD nicht gefallen, die Jahr um Jahr die Verleihung der „Bambis“ von Burda zur besten Sendezeit live übertragen hatte. 

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