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Zeitungskrise Wie die Zukunft der Zeitungen aussehen soll

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Rupert Murdoch setzt auf Bezahlinhalte. Quelle: Reuters

Rupert Murdoch setzt auf Bezahlinhalte.

(Foto: Reuters)

Schwindelig wird, wer einem wie Jeff Jarvis zuhört. Der New Yorker Medienberater und Journalismus-Professor rät: „Jeder Verlag sollte sich einen Tag setzen, an dem er seine Druckereien stoppt. Das würde die Manager zwingen, sich Gedanken zu machen.“ Dann sollten sie das papierlose Geschäft vorantreiben – auch auf die Gefahr hin, das klassische Geschäft zu kannibalisieren.

Der grauhaarige Schlaks Jarvis berät den „Guardian“ ebenso wie die „New York Times“, die vielleicht berühmteste Zeitung der Welt. Und was er sagt, hat Wirkung. Beide Blätter folgen seiner Forderung nach Öffnung aller Kanäle, nach Kapitulation vor den Mechanismen des Internets. In seinem neuen Buch rät Jarvis Managern, sie sollten sich fragen: „Was würde Google tun?“

Also passen sich „Guardian“ und „New York Times“ dem Google-Zeitalter an. Und wieder befällt Schwindel den Beobachter, wenn er sieht, wie jahrhundertealte Verfahrensweisen perdu gehen.

Andere Verlage gehen genau den umgekehrten Weg. Sie setzen darauf, dass die Kostenloskultur im Internet zu Ende geht. „Paid content“ lautet das Zauberwort, das Verleger wie Murdoch umtreibt: Erst zahlen, dann lesen. Vor allem Wirtschaftsblätter wie das „Wall Street Journal“ (WSJ) und die „Financial Times“ arbeiten an neuen Bezahlmodellen für Inhalte. Gordon Crovitz, der Ex-Herausgeber des WSJ und Gründer der Firma „Journalism Online“, prophezeit für den Herbst eine Welle neuer Ideen, wie sich „Paid Content“ mit Hilfe neuer Technik durchsetzen lassen könnte. Es geht vor allem darum, Lesern die Bezahlung einzelner Artikel im Internet so einfach wie möglich zu machen.

Die Beispiele zeigen: „Die“ Zeitungsbranche gibt es nicht. Die kulturellen Unterschiede zwischen einzelnen Ländern, Märkten und Zielgruppen sind so groß, dass es keine Einheitslösung geben wird. Fast tröstlich ist es da, wenn jemand versucht, eine gute, moderne Zeitung zu machen. Auf Papier. So wie in Portugal. Dort wurde im Mai, kaum zu glauben, eine neue Zeitung geboren. „i“ wie Innovation heißt sie, vertrieben von Sojormedia, einer Tochter des portugiesischen Mischkonzerns Lena Group. „Wir wollten mit ,i' eine neue Art von Zeitung machen: ein tägliches Nachrichtenmagazin“, sagt Juan Antonio Giner, „i“-Erfinder und Gründer der Medienberatung Innovation. „Wir wollen keine Leser von Konkurrenten klauen, sondern neue Leser erreichen.“

Tatsächlich erinnert das Blatt im handlichen Tabloid-Format mit seinen Fotos und Grafiken an ein Magazin. Lesegeschichten zu unterhaltsamen Themen wie eine Doppelseite zu Portugals Sushi-Lokalen zielen auf „wohlhabende und aktive, junge Nichtleser, die traditionelle Blätter nicht mögen.“

Lässt sich diese Generation noch von Papier überzeugen? „Bild“, Europas größte Zeitung, versucht es auch – auf ganz andere Weise. Der Dukatenesel der Axel Springer AG war die erste große Zeitung in Deutschland, die „Leserreporter“ einsetzte. Über die Supermarktkette Lidl brachte „Bild“ eine 70 Euro teure Videokamera in Handy-Größe unters Volk – auf dass es sein Leben filme. 500 Euro erhält, wessen Filmchen „Video der Woche“ bei Bild.de gekrönt wird. Heraus kommt putziger Boulevard: Tiere und Kinder gehen immer, zum Beispiel das im Jägerzaun verfangene Eichhörnchen, das eine Familie wieder hochpäppelt.

„Die Leserreporter haben für uns mittlerweile die Qualität einer Nachrichten- und Fotoagentur“, sagt Chefredakteur Kai Diekmann.“ Mehr als eine halbe Million Leser habe seit 2006 Bilder eingeschickt, mehr als 10000 Fotos habe „Bild“ veröffentlicht und knapp zwei Millionen Euro Honorare ausgezahlt. Diekmann greift zur Epik-Harfe: „Wir umarmen den technischen Fortschritt.“ Seit kurzem haben die Leser des Massenblatts auch die Möglichkeit, ihr persönliches „Widget“ zu kreieren. Solche kleinen Programmfelder lassen sich leicht auf der eigenen Homepage oder in einen Blog integrieren, dort zeigen sie aktuelle „Bild.de“-Schlagzeilen. Ergebnis: zusätzliche Reichweite für Springers Flaggschiff.

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