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Zu hohe Facebook-Nutzerzahlen Die mysteriösen Millionen

Der Fall klingt kurios: Eine australische Webseite wirft Facebook vor, in vielen Regionen angeblich mehr Nutzer zu haben, als dort Einwohner leben. Auch viele deutsche Medien haben den Vorwurf aufgegriffen. Was ist dran?
15.09.2017 - 17:01 Uhr 1 Kommentar
Der Konzern berechnet die Preise für werbetreibende Unternehmen unter anderem nach der Zahl der erreichten Nutzer. Doch oft passt die angegebene Reichweite nicht mit der Realität zusammen. Quelle: dpa
Facebook-Logo

Der Konzern berechnet die Preise für werbetreibende Unternehmen unter anderem nach der Zahl der erreichten Nutzer. Doch oft passt die angegebene Reichweite nicht mit der Realität zusammen.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Die Zahlen klingen zu schön, um wahr zu sein: Wer eine Werbeanzeige bei Facebook schaltet, kann damit in Deutschland rund zwölf Millionen Menschen im Alter von 20 bis 29 Jahren erreichen, so die Schätzung des Unternehmens. Die sogenannten Millennials gelten in Werbekreisen als die Kaufkraft von morgen – entsprechend begehrt sind Werbeplätze, mit denen man genau diese Zielgruppe erreicht. Das Problem: Es gibt in Deutschland nur rund 9,2 Millionen Personen, die dieser Altersgruppe angehören. Die Nutzerzahlen von Facebook können also nicht stimmen. Oder?

Das australische Werbebranchen-Portal „Adnews“ hat diesen Test in zwölf Ländern durchgeführt und so deutlich übertriebene Millennial-Reichweiten in neun Ländern gefunden. Im Heimatmarkt USA beispielsweise werbe Facebook mit einer geschätzten Reichweite von 65 Millionen Nutzern im Alter zwischen 20 und 29 Jahren, so die Autoren. Dort leben allerdings nur 46 Millionen Menschen in diesem Alter. Die Differenz beträgt mehr als 40 Prozent. Ähnlich stellt sich die Situation laut Studie in Großbritannien, Frankreich, Italien, Kanada, Brasilien und Australien dar – während die Facebook-Schätzungen in Japan, Südafrika und Russland moderater ausfallen.

Viele Medien haben die „Adnews“-Studie aufgegriffen und werfen den Betreibern nun vor, ihr Netzwerk größer zu machen, als es ist. Tatsächlich stimmen die Zahlen von „Adnews“ – das „Handelsblatt“ konnte die Ergebnisse in mehreren Versuchen wiederholen. Doch wie so oft gilt: Es gibt verschiedene Wege, die Zahlen zu interpretieren.

Wie Facebook selbst mitteilt, wird die geschätzte Reichweite von vielen Faktoren beeinflusst, darunter Nutzerverhalten, Nutzerdemographie und Standortdaten. In den zwölf Millionen 20- bis 29-Jährigen in Deutschland sind demnach alle Personen enthalten, die sich derzeit in Deutschland aufhalten, und nicht nur diejenigen, die in Deutschland wohnen. Grenzt man die Suche auf deutschsprachige Nutzer ein, schätzt Facebook die Reichweite nur noch auf 9,2 Millionen Personen. Und liegt damit ziemlich exakt bei den offiziellen Zahlen des Statistischen Bundesamts.

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Standort erkennen

    Der Grund für die Diskrepanz liegt in der Messmethodik von Facebook: Weil sich der Konzern bei seinen Reichweitenschätzungen auf Standortdaten verlässt, die ungenau sein können, zählen manchmal auch die Bewohner von Grenzgebieten anderer Länder zur Zielgruppe. Auch Touristen können die geschätzte Reichweite nach oben treiben. Jens Wiese vom Experten-Blog Allfacebook.com sagt: „Hinzu kommt, dass die Schätzungen auf einer Analyse der Vergangenheit beruhen.“ Er rechnet damit, dass beispielsweise nach der Automesse IAA in Frankfurt die Reichweitenschätzungen dort „deutlich nach oben“ gehen – weil sich zu Messezeiten viel mehr Menschen in der Stadt aufhalten als normalerweise. Wer kurzfristig Reisende von seiner Werbung ausschließen will, kann entsprechende Einstellungen bei der Anzeigenschaltung vornehmen.

    Mediaagenturen fordern „Transparenzoffensive“
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    1 Kommentar zu "Zu hohe Facebook-Nutzerzahlen: Die mysteriösen Millionen"

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    • Selbst wenn die Zahl auf 9,2 Mio (welch Zufall!) korrigiert wird, bedeutet das immer noch eine Durchdringung von 100 %, die bei allem Hype doch etwas übertrieben erscheint, zumal Facebook bei dieser Gruppe eher an Bedeutung verliert.

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