Zukunft von Google Glass getrübt Die große Pleite im Silicon Valley

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Nun im Auftrag von Amazon

Kommt jetzt die Datenbrillen-Flut?

Kommt jetzt die Datenbrillen-Flut?

Ab März 2013 waren Prototypen erhältlich. Der Marketing-Apparat in Mountain View zeigte sich in seiner Bestform. Wer eines der unfertigen und nur mit einer Minimalausstattung an Apps versehen Gestelle erstehen wollte, musste sich Befragungen unterziehen, sich den Zugang zum „Explorer“-Programm erkämpfen. Erst dann durfte er zunächst 2000 Dollar überweisen, um als PR-Figur für Google durch die Gegend zu laufen. Es war schick, sich auf einem Event in Silicon Valley eine Brille von einem der Erst-Erwählten zu erbetteln, um ein Foto für das Portrait-Bild auf seiner Facebook-Seite zu machen. Die Zeiten waren so gut wie nie. Die meisten der Brillenfotos sind heute wieder verschwunden. Ernüchterung macht sich breit.

Jetzt meldet Reuters das Unfassbare: Google-Mitgründer Brin, unablässiger Glass-Botschafter, erschien zu einem Top-Termin im Silicon Valley ohne Glass auf der Nase. Er habe sie „im Auto vergessen“, antwortet er auf Fragen von Journalisten. Ein denkbar schlechter Zeitpunkt für Vergesslichkeit. Niemand trägt sie mehr im Valley. Und wenn nicht hier, wo dann?

Der Chef von Googles Geheimlabor Google X, Astro Teller, hält noch immer die Fahne seines ersten Projekts hoch. In einem Interview mit Cnet schiebt er erst einmal alles auf den Preis. „Wearables“, dazu zählen heute Smartwatches wie Motorolas Moto G oder eben Google Glass, müssten insgesamt „viel billiger“ werden. Warum Google Glass nicht preisgünstiger wird, will er aber nicht verraten. Die Techniker von IHS Research haben eine Brille in ihre Einzelteile zerlegt und kommen auf einen Preis der Bauteile von 152 Dollar. Daran kann es also nicht liegen.

Was kann die Datenbrille wirklich?
huGO-BildID: 34877111 The new Google Glass "Bold" prescription frames in shale color are modeled at the Google Glass Basecamp space at Chel
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Es ist ein Marktstart auf Raten: Zuerst mussten sich Interessenten bei Google bewerben, um ein Exemplar seiner Datenbrille Google Glass zu ergattern. Am Dienstag nun macht der Internet-Konzern ein neues Angebot: Für 1500 Dollar kann Jedermann über eine Internetseite ein Exemplar der Cyberbrille kaufen. Freilich nur in den USA. Und nur einen Tag lang.

Exklusiver werden höchstens noch Luxus-Handys mit Edelsteinbesatz verkauft. Aber die Technik der Datenbrille verspricht einen ganz anderen Luxus: Erstmals lässt sich damit unterwegs freihändig im Internet surfen. Über einen kleinen Bildschirm vor dem rechten Auge spielt Google Glass dazu einen virtuellen Computerbildschirm ins Blickfeld. Per Sprachbefehl oder Fingertipp auf den rechten Brillenbügel lassen sich Programme bedienen. Töne spielt die Brille über einen Knopf im Ohr ein.

So revolutionär das Interface sein mag: Was kann die teure Datenbrille wirklich? Für welche Zwecke gibt es heute schon Glass-Apps? Ein Überblick darüber, was Glass-Nutzer in ihrem Cyber-Alltag alles schon erleben können.

Jogger dodges puddle near cherry blossom trees at the Tidal Basin in Washington
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Das Training im Blick behalten

Eine virtuelle Trainingsuhr hat das US-Startup Strava für Google Glass programmiert. Das Display der Brille spielt Radfahrern und Joggern einen virtuellen Tacho ins Blickfeld: Gefahrene Distanz, aktuelles Tempo, Dauer des Trainings. Kleine Pfeile zeigen an, ob der Sportler auf der Strecke schneller oder langsamer unterwegs ist als beim letzten Training.

Visitor checks his map as he looks at scale model of Beijing
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Sich nie wieder verlaufen

Auch Googles-Kartendienst Maps ist auf der Datenbrille präsent. Wer etwa den Weg zur nächsten Tankstelle sucht, kann per Stimme danach fragen. Google Glass sucht daraufhin im Internet nach der schnellsten Route – und blendet sie auf einer Karte ein. So können auch Radfahrer den Weg durch die Stadt finden, ohne zwischendurch absteigen und auf die Karte schauen zu müssen.

World Games - Fallschirmspringen
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Ich-Perspektive live ins Internet streamen

Es klingt wie aus dem Film Being John Malkovich: Glass-Nutzer können bald – eine Mobilfunkverbindung vorausgesetzt - ihre Sicht auf die Welt live ins Internet streamen – ob beim Joggen, beim Fallschirmspringen oder im Konzert. Möglich machen es die eingebaute Kamera und eine neue App des Streaming-Dienstes Livestream.com. Die Zuschauer können dem Brillenträger Textnachrichten schicken, die dieser wiederum per Stimme beantworten kann.

Tbilisser Platz in Saarbrücken
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Schilder übersetzen

Die App Word Lens verwandelt die Brille in einen Übersetzer: Fotografiert der Nutzer ein Hinweisschild, eine Werbeanzeige, eine Speisekarte oder andere kurze Texte, dann übersetzt die App die Worte in eine gewünschte Fremdsprache. Das Ergebnis blendet Word Lens in das echte Bild ein, wobei sogar die Schrift dem Original ähnelt. Das Programm unterstützt derzeit Französisch, Deutsch, Spanisch, Portugiesisch, italienische und Russisch - übersetzt wird immer ins Englische.

Winterlicher Karfreitag in Stralsund
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Eine Stadttour machen

Ob auf Geschäftsreise oder im Urlaub - wer wünscht sich nicht hin und wieder einen privaten Stadtführer, der einem die lokalen Sehenswürdigkeiten vorstellt? Googles App Field Trip verspricht genau das: Anhand der GPS-Positionsdaten des Nutzers blendet sie passende Infokarten ein mit Informationen über historische Bauten, Denkmäler, Landmarken und mehr.

19th Biennale of Sydney preview
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Den Alleswisser spielen

Manchmal wäre man ja gerne so wie Justus Jonas, der erste Detektiv der Drei Fragezeichen, der auf alles eine Antwort weiß und mit einem geradezu lexikalischen Gedächtnis ausgestattet ist. Mit der Cyberbrille lässt sich die Genialität zumindest simulieren: Per Sprachbefehl kann der Nutzer dem großen Google-Orakel alle möglichen Fragen stellen – und bekommt häufig die passende Antwort. Wie groß ist der Eifelturm? Wie heißt die Frau von Barack Obama? Die Brille flüstert die Antworten ins Ohr.

Google ahnt, dass man sich vergaloppiert hat. Im Juli war Barbak Paviz, Chefentwickler und Vater von Google Glass, in San Francisco als Starredner auf der Wearable-Konferenz in Fort Mason angekündigt. Als erstes ließ er dann im Saal verkünden, er stimme keiner Videoaufzeichnung seiner Keynote zu. Kameras und „Google Glasses“ müssten ausgeschaltet werden. Dann erzählte er, wie es wirklich aussieht. Vielleicht „in 15 Jahren“ werde man Menschen mit solchen Brillen normal im Straßenbild sehen können. Die Brille sei „eine Möglichkeit“ für Wearables, aber nicht die Einzige. Die derzeitige Eingabe durch Sprache und gleitende Fingerbewegungen sei „unbefriedigend“. Man arbeite an Verbesserungen.

Eine Google-Brille hatte er nicht auf bei seinem Vortrag und bald wurde klar, warum. Es ist vorbei mit Google. Parviz forscht jetzt im Auftrag von Jeff Bezos bei Amazon. Er war nur der erste und prominenteste Abgang bei Google Glass. An der Brille sollen angeblich aber noch „Hunderte“ Mitarbeiter arbeiten.

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4 Kommentare zu "Zukunft von Google Glass getrübt: Die große Pleite im Silicon Valley"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Sehr interessanter Hinweis. Ich frage mich wo ist die Grenze genau. Ich fühle diese Grenze, kann sie aber nur schwer definieren. Ich glaube auch, dass das grösste Problem ist. Dinge die ich, wir nicht benennen können machen uns wütend, weil wir der Sache ohnmächtig gegenüberstehen. Es würde mir und sicherlich auch viele anderen helfen diese fühlbare Grenze genauer zu definieren. Vielleicht können wir diesen Artikel mal zum Anlass nehmen. Danke für Eure Hilfe im vorraus.

    Michael Herzberg

  • Google hat einfach zuviel Geld - noch...
    Ansonsten ist so eine Brille vermutlich schon der feuchte Traum jedes pubertierenden Teenies: die geile Tussie in der Disco gleich mal abscannen... Abgleich mit allen Social-Media-Daten...aha, da haben wir schon ein Porträt samt Freundeskreis...oho, ihre Schwester ist ja die beste Freundin meiner Cousine...so kann man vielleicht am besten an sie rankommen...oh nein, unten im Kleingedruckten steht ja, dass sie momentan nur auf Mädels steht... :(

  • Das Ding braucht kein Mensch. Google Glasses wurde nur von der Journallie gehypt, weil es so schon crazy und Web 2.0 war.

    Über irgendwas muss man ja schreiben...

  • Also, ich bin ganz bestimmt nicht technologiefeindlich (ganz im Gegenteil, ich sehe sie sogar als große Errungenschaft der Menschheit an - und das, obwohl ich leider nicht gerade viel Ahnung davon habe), aber wenn ich jemanden mit so einem Ding auf der Nase sehen würde, würde ich zusehen, dass ich Land gewinne. Bloß weg da.
    Nee, irgendwann ist gut, dann ist die Grenze erreicht.

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