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Zweites Düsseldorfer Terrassengespräch Der Journalist auf seinem digitalen Weg

Auf der Handelsblatt-Dachterrasse ging es dieses Mal um die Zukunft des Journalismus. Die ist digital, da waren sich die Teilnehmer um Sascha Lobo einig. Der bekannte Blogger gab den Medienmachern „Pfeffer“.
1 Kommentar
„Ich widerspreche gerne“ Quelle: Rudolf Wichert für Handelsblatt
Sascha Lobo mit ARD-Moderatorin Anne Will

„Ich widerspreche gerne“

(Foto: Rudolf Wichert für Handelsblatt)

DüsseldorfDie Digitalisierung hat die Medienbranche in ihren Grundfesten erschüttert. Das Aussenden von Botschaften reicht längst nicht mehr, heute geht es um Interaktion, um Auseinandersetzung mit Lesern und Beobachtern. Soziale Netzwerke wie der Kurznachrichtendienst Twitter und das Freunde-Netzwerk Facebook haben den Dialog radikal beschleunigt. Das zeigte sich auch beim zweiten „Düsseldorfer Terrassengespräch“ unter dem Motto „Wie verändert die Digitalisierung den Journalismus?“.

Die rund 130 Gäste, die Handelsblatt-Herausgeber Gabor Steingart am Donnerstagabend auf die Dachterrasse des Verlagshauses eingeladen hatte, sandten zig Kommentare und Bilder ins Netz. Der Hashtag #terrassentalk gelangte kurzzeitig sogar in die Trending Topics, in jene Rubrik, die die beliebtesten Begriffe im Twitter-Universum auflistet. „Sehr spannende Diskussion mit ,open end‘“, schrieb einer, und ein anderer meinte: „Lauschige Abendveranstaltung“.

„Ich hing an der Like-Nadel“

Kommentare zum Twittern gab es reichlich, schließlich standen einige der profiliertesten Matadore des digitalen Journalismus auf dem Podium und stritten über die Zukunft der eigenen Zunft: Anita Zielina, Chefredakteurin Neue Produkte der Neuen Zürcher Zeitung, Mathias Müller von Blumencron, Chefredakteur Digitale Produkte der FAZ, Franziska Bluhm, Chefredakteurin von Wirtschaftswoche Online sowie der bekannte Blogger und Buchautor Sascha Lobo - der „Pfeffer in die mediale Selbstgefälligkeit“ streuen sollte, wie Steingart augenzwinkernd sagte.

Diese ihm zugedachte Rolle nahm Irokesenhaarschnitt-Träger Lobo („Ich widerspreche gerne“) widerspruchslos an. Er korrigierte etwa den Talk-Moderator Georg Altrogge, Chefredakteur des Online-Branchendienstes Meedia, mit den trockenen Worten „Diese Frage ist falsch gestellt“ oder provozierte seine Talk-Kollegen mit dem Statement: „Wenn man ein digitalpublizistisches Projekt scheitern lassen will, gibt man es einem Journalisten. Wenn man es teuer scheitern lassen will, gibt man es einem Berater.“

Über den Dächern der Stadt
Zweites Treffen
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Das zweite „Düsseldorfer Terrassengespräch“ mit Franziska Bluhm (Chefredakteurin von Wirtschaftswoche Online; v.l.n.r.), Sascha Lobo (Blogger und Buchautor), Gabor Steingart (Gastgeber und Handelsblatt-Herausgeber), Georg Altrogge (Moderator des Terrassengesprächs und Chefredakteur des Online-Branchendienstes Meedia), Anita Zielina (Chefredakteurin Neue Produkte der Neuen Zürcher Zeitung) sowie Mathias Müller von Blumencron (Chefredakteur Digitale Produkte der FAZ).

(Foto: Rudolf Wichert für Handelsblatt)
Rege Diskussionen
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Franziska Bluhm, Sascha Lobo und Georg Altrogge (v.l.n.r.) waren nicht immer einer Meinung.

(Foto: Rudolf Wichert für Handelsblatt)
Erzählen und Zuhören
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Anita Zielina: „Journalismus ist weiterhin das Erzählen von Geschichten, hat aber auch ein großes Element des Zuhörens und der Interaktion.“

(Foto: Rudolf Wichert für Handelsblatt)
FAZ-Chef für Digitale Produkte
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Mathias Müller von Blumencron:  „Sie sind nur dann ein guter Innovator, wenn Sie sich selbst kannibalisieren.“

(Foto: Rudolf Wichert für Handelsblatt)
Soziale Netze werden wichtiger
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Franziska Bluhm: „Um ein Kopf oder eine Marke im Journalismus zu werden, muss man schlicht erstmal da sein.“

(Foto: Rudolf Wichert für Handelsblatt)
Sommerliche Kulisse
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Über den Dächern der Stadt: Die Dachterrasse im fünften Stock des Verlagshauses in Düsseldorf.

(Foto: Rudolf Wichert für Handelsblatt)
Gemischtes Publikum
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Agenturchefs, Chefredakteure, TV-Moderatorinnen – die bunt gemischte Gästeschar des Terrassengesprächs hörte gebannt zu.

(Foto: Rudolf Wichert für Handelsblatt)

FAZ-Journalist Müller von Blumencron hielt dagegen: „Ohne eine gute journalistische Idee, die sich von den gedruckten Produkten unterscheidet, hat man im Netz keine Chance.“ Als Beispiele führte er „Spiegel Online“, wo er früher selbst arbeitete, „Politico“, „Huffington Post“ oder auch „Buzzfeed“ an. Allesamt Projekte, denen eine journalistische Idee zugrunde liegt. Er plädierte für mehr Mut in der deutschen Verlagsbranche: „Sie sind nur dann ein guter Innovator, wenn Sie sich selbst kannibalisieren.“

Die Digitalisierung, so viel ist klar, hat einen ganzen Berufsstand auf den Kopf gestellt. Immer mehr Menschen konsumieren journalistische Inhalte übers Internet, zumeist auch auf dem Smartphone. Das schafft zweifelsohne Chancen, die die Österreicherin Zielina mit einer höheren Verfügbarkeit von Informationen und einer größeren Nähe zu den Lesern beschrieb. „Journalismus ist weiterhin das Erzählen von Geschichten, hat aber auch ein großes Element des Zuhörens und der Interaktion“, sagte sie. Und Bluhm, Online-Chefredakteurin der Wirtschaftswoche, ergänzte: „Um ein Kopf oder eine Marke im Journalismus zu werden, muss man schlicht erstmal da sein.“ Ein kleiner Seitenhieb auf all jene Kollegen, die sich Kanälen wie Twitter oder Facebook verweigern.

„Wenn man was zu sagen hat, kommen die Follower von allein“

Paid Content als Königsweg?

Lobo warnte allerdings vor einem „Like-Populismus“, der dazu führe, dass Journalisten ihre Beiträge immer mehr so konzipieren, dass sie möglichst viele „Likes“ erhalten. Michael Bröcker, Chefredakteur der „Rheinischen Post“, schrieb prompt von der Dachterrasse via Twitter:

Doch die Digitalisierung bedeutet auch ein Neuerfinden der Erlösmodelle. Denn Inhalte im Netz sind gemeinhin gratis - die Herstellung journalistischer Inhalte jedoch ist kostspielig. Die drei Chefredakteure auf der Bühne waren sich einig, dass es keinen Königsweg gebe, dass es stattdessen immer eine Mixtur aus Online-Werbefinanzierung, Bezahlmodellen und einem Ökosystem mit Konferenzen und Ähnlichem geben müsse. Doch auch in diesem Punkt sagte Blogger Logo geradewegs: „Widerspruch“ und fügte an, dass er durchaus einen Königsweg sehe, der da heißt: Paid Content, also das schlichte Bezahlen der konsumierten Inhalte.

„Das Smartphone greift die Medien radikal an“

Aber die Erlösfrage ist nicht das einzige Problem. Die mobile Nutzung, die für viele Menschen morgens direkt nach dem Aufstehen beginnt, kreist immer mehr um soziale Netzwerke wie Facebook, Whatsapp, Instagram oder auch die eigenen Emails. Weniger Nutzer gehen mobil direkt auf die Nachrichtenseiten der etablierten Medienhäuser. Mit Formaten wie „Instant Articles“ oder der neuen News-App will IT-Konzern Facebook die Medienhäuser umgarnen, ihnen quasi ein neues Zuhause bieten.

Ein teuflisch-verführerisches Angebot. Müller von Blumencron warnte: Die Inhalte der Medien würden in eine „Timeline zwischen Verschwörungstheorien und den Kommentaren von Freunden“ rutschen. Konsequenz: „Der Markenzusammenhang löst sich auf.“

Die Zuschauer auf der sonnenbeschienen Terrasse teilten längst nicht alle Positionen der Diskutanten. So griff Boris Schramm, Geschäftsführer der Mediaagentur GroupM, beherzt in die Diskussion ein und verwies auf eine gewisse Überschätzung des Medienunternehmens Facebook. Junge Menschen, so seine These, würde das Netzwerk gar nicht nutzen. Die Mediarelevanz von Facebook sei kleiner als immer gesagt.

„Das glaube ich nicht“, konterte Lobo. Schließlich würden Netzwerke wie Instagram und Whatsapp ja auch zu Facebook gehören – und jene würden von Teenies stark frequentiert. Dem ewigen Selfie-Drang sei Dank. Vor diesem waren übrigens auch die längst erwachsenen Gäste des Terrassengesprächs nicht gefeit und so kursierten noch am späten Abend Selbstporträts der Teilnehmer, die den Ausblick auf der Terrasse genossen, durchs Netz.

„Journalisten haben große Egos und hören nicht richtig zu“

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1 Kommentar zu "Zweites Düsseldorfer Terrassengespräch: Der Journalist auf seinem digitalen Weg"

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  • „Wenn man ein digitalpublizistisches Projekt scheitern lassen will, gibt man es einem Journalisten. Wenn man es teuer scheitern lassen will, gibt man es einem Berater.“


    Da hat er die Politiker vergessen, die sogar unbegreiflicherweise zu blöde sind, eine digitale Staatsbibliothek aufzubauen, obwohl die so unendlich wichtig wäre.
    Die sind eben als Allerletzte daran interessiert, das Land der Dichter und Denker wieder auferstehen zu lassen und sich am Ende kritischen Fragen stellen zu müssen, etwa warum man geradezu zwanghaft die Fehler der Vergangenheit wiederholt.
    Es ist so krass geworden, dass man UNSERE Klassiker nur als eingescannten Nachdruck in den USA bestellen kann und da die die Sprache nicht verstehen, fehlen schon einmal ein paar Seiten aber das ist hunderttausendmal besser als das was die Bundesregierung schafft.