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Außenfinanzierung Der Mittelstand holt auf und investiert in Digitalisierung

Viele Mittelständler investieren in ihre Digitalisierung. Wegen des Risikos empfiehlt sich dabei ein breiter Finanzierungsmix.
14.12.2019 - 09:15 Uhr Kommentieren
297 Millionen wurden 2018 über Crowdinvestments finanziert. Quelle: dpa
Frisches Geld auf dem Tisch

297 Millionen wurden 2018 über Crowdinvestments finanziert.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Der deutsche Mittelstand nimmt endlich das Thema Digitalisierung in den Fokus. Zu diesem Ergebnis kommen die Experten der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft Pricewaterhouse-Coopers (PwC). Sie haben im Auftrag der Hypo-Vereinsbank im Frühjahr dieses Jahres eine Onlinebefragung unter 250 Unternehmen unterschiedlicher Branchen und Größenklassen gestartet.

Demnach investieren bereits 88 Prozent der befragten Unternehmen in Digitalisierungsprojekte. In drei bis fünf Jahren wollen es sogar 92 Prozent der Befragten sein. Dabei rechnen viele Betriebe mit steigenden Ausgaben. So beziffern 58 Prozent der Unternehmen ihre jährlichen Investitionen in Digitalisierungsprojekte mit bis zu 250.000 Euro.

Je nach Unternehmensgröße entspricht das zwischen 0,5 und 1,2 Prozent vom Umsatz. Knapp die Hälfte (42 Prozent) geht davon aus, mittelfristig mehr als 250.000 Euro pro Jahr investieren zu müssen.

Der Mittelstand holt auf

Im Mittelstand reift damit die Erkenntnis, dass an der Digitalisierung kein Weg vorbeiführt. „Traditionelle mittelständische Unternehmen können in digitalen B2B-Ökosystemen vor allem im Aftersales- und im Servicebereich einen Mehrwert schaffen und ihre Position verteidigen“, sagt Jürgen Meffert, Seniorpartner bei der Unternehmensberatung McKinsey. „Voraussetzung ist, dass sie nach innovativen Lösungen suchen und sich in Netzwerken zusammenschließen, die traditionelle Wettbewerber einbeziehen.“

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    Die Frage bei vielen Firmenverantwortlichen indes ist, wo die Mittel für eine digitale Sprunginvestition herkommen. Mehr als die Hälfte der im Frühjahr befragten Unternehmen (58 Prozent) finanzieren ihre entsprechenden Projekte bislang traditionell - etwa über einen Bankkredit.

    Nach Ansicht der PwC-Experten machen der aus der Digitalisierung resultierende Investitionsbedarf in den kommenden Jahren sowie veränderte Zahlungsströme und die sinkende Verfügbarkeit materieller Sicherheiten jedoch ein breites und flexibles Spektrum an Finanzierungslösungen notwendig.

    Gerade die Banken tun sich schwer bei Krediten für digitale Projekte, weil Sicherheiten dabei kaum vorhanden sind. „Die grundsätzliche Frage ist: Ist ein Kredit überhaupt die richtige Finanzierungsform für eine digitale Investition?“, sagt Stefan Elßer, Gründungspartner der mittelständischen Beteiligungsgesellschaft Marondo Capital. „Da die Kreditfinanzierung nur geringe Risiken einpreist, ist sie zumindest als ausschließliche Finanzierung bei größeren Digitalisierungsprojekten nur in wenigen Fällen geeignet.“

    Der Beteiligungsexperte empfiehlt mittelständischen Unternehmen bei ihren digitalen Sprunginvestitionen eine Strategie, bei der zumindest zu einem größeren Teil Eigenkapital eingesetzt wird: „Eine Digitalisierungsstrategie und die dafür erforderliche Finanzierung ist insbesondere wenn es um ein größeres Volumen geht, mit Risiken verbunden. Dies erfordert bei Fremdfinanzierungen erhebliche Absicherungen, die meist nicht direkt aus dem Projekt selbst heraus dargestellt werden können.“

    Eine weitere Finanzierungsmöglichkeit sind Förderkredite. Der Dreh dabei: Die ausreichende Förderbank trägt einen Teil der Kreditrisiken durch sogenannte Haftungsfreistellungen mit. „Die klassische Hausbank will immer eine Sicherheit. Das ist bei Digitalisierungsprojekten, übrigens ähnlich wie bei Forschungs- und Entwicklungsprojekten, schwierig, sofern das Unternehmen nicht anderweitig Sicherheiten bieten kann“, weiß Experte Elßer. Mit einem Förderkredit etwa der KfW lässt sich dieser Mangel beheben.

    Auch die beiden Brüder Klaus und Thomas Ayerle standen vor gut zwei Jahren vor dem Problem, dass sie ihrer Bank keine Sicherheiten bieten konnten. Die beiden Unternehmer brauchten jedoch 150.000 Euro für den Aufbau einer volldigitalisierten Produktionsstraße in ihrem Betrieb nahe Stuttgart.

    Die Anlage sollte eine neue LED-Produktlinie fertigen, die sie selbst entwickelt hatten. Bei ihrer Hausbank blitzten die Ayerles, die ihren wirklichen Namen an dieser Stelle nicht lesen wollen, mit ihrem Kreditantrag ab.

    Auch die Gespräche bei anderen Instituten verliefen wenig erfolgversprechend, weil die beiden Jungunternehmer zwar volle Auftragsbücher und bereits einen guten Namen am Markt hatten, aber über das übliche Betriebsvermögen hinaus keine Sicherheiten bieten konnten. Am Ende besorgten sie sich das Geld erfolgreich über die Online-Finanzierungsplattform Compeon.

    Breites Spektrum

    Plattformen wie Compeon oder Funding Circle haben in den vergangenen fünf Jahren Schätzungen zufolge weit über eine Milliarde Euro an Betriebe, Freiberufler und Selbstständige vermittelt. Die Finanzierungsbeträge reichen im Einzelfall von 1.000 Euro bis zu 25 Millionen Euro. Auch Leasing, Factoring, Private Debt und Private Equity vermitteln viele dieser Portale mittlerweile.

    Allerdings: Für diesen Finanzierungsweg kommt nicht jeder Betrieb und jedes Projekt infrage. Die Firmeninhaber müssen die Schwarmfinanciers mit ihrer Idee und ihrer Persönlichkeit überzeugen. Das ist nicht jedermanns Sache. Der Erfolg bei dieser Art der Finanzierung ist zudem kaum planbar.

    Für größere Digitalisierungsprojekte kommt dann unter Umständen ein strategischer Finanzinvestor als Alternative infrage. „Wenn eine Eigenkapitalfinanzierung nicht in ausreichendem Maße möglich ist, kann die Hereinnahme von externen Eigenkapitalgebern, etwa einer Beteiligungsgesellschaft, sinnvoll und zielführend sein“, sagt Marondo-Capital-Partner Elßer. „Denn Beteiligungsgesellschaften sind aufgrund ihres Geschäftsmodells bereit, am Risiko teilzunehmen, und sie haben zudem viel Erfahrung im Umgang damit.“

    Mehr: Wegen der trüben Konjunkturaussichten zögern viele Firmen mit Investitionen. Ein breiter Finanzierungsmix senkt das Risiko.

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