Beteiligungskapital Solides Polster

Viele Finanzinvestoren sind auf der Suche nach neuen Beteiligungen. Das sollten sich Mittelständler, die Beteiligungskapital an Bord holen wollen, zunutze machen.
Kommentieren
„Die Kassen der Private-Equity-Gesellschaften und der Partnerbanken sind gutgefüllt“, sagt Colmar Dick von der NordLB. Quelle: dpa
Geldgeber

„Die Kassen der Private-Equity-Gesellschaften und der Partnerbanken sind gutgefüllt“, sagt Colmar Dick von der NordLB.

(Foto: dpa)

DüsseldorfDie Beteiligungsgesellschaft VR Equitypartner hat vor wenigen Tagen eine Minderheitsbeteiligung an der in Westfalen ansässigen Groneweg-Gruppe erworben, einem mittelständischen Spezialisten für hochwertige gefrier- und luftgetrocknete Kräuter, Gemüse und Früchte. Der britische Private-Equity-Investor BC Partners hat Mitte Oktober den deutschen Keramikspezialisten Ceramtec übernommen. Die ebenfalls britische Beteiligungsgesellschaft Chequers Capital hat vor vier Wochen den Pflegeheimbetreiber Emvia Living von der MK-Klinken AG (vormals Marseille-Kliniken) übernommen. Emvia unterhält 46 stationäre Pflegeeinrichtungen in zwölf Bundesländern.

Drei Deals, die zeigen: Deutsche Mittelständler sind begehrt bei Finanzinvestoren. Wegen der vielen Transaktionen steht der deutschen Private-Equity-Branche nach Einschätzung des Bundesverbandes Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK) ein Rekordjahr bevor. „Die Kassen der Private-Equity-Gesellschaften und der Partnerbanken sind gut gefüllt“, beobachtet auch Colmar Dick, Leiter Firmenkunden Akquisitionsfinanzierung bei der NordLB. Für Mittelständler, die einen Finanzinvestor an Bord holen wollen, könnten die Zeit also besser nicht sein. Zwar haben viele Firmen in den vergangenen Jahren gut verdient und sich ausreichend finanziert. „Themen, die Mittelständler jedoch über Beteiligungskapital nachdenken lassen, sind Nachfolgeregelungen bei familiengeführten Unternehmen und Sprunginvestitionen, um zu expandieren“, so Dick. Meist reicht die vorhandene Eigenkapitalbasis dafür nicht aus. Der Einstieg eines Finanzinvestors wird dann zur Alternative.

Hier ging Crowdinvesting richtig schief
Betandsleep (August 2013)
1 von 11

Mit Betandsleep.com wollten die Gründer 2012 den Weg der Buchung eines Hotelzimmers revolutionieren. Erstmals hatte der Kunde die Möglichkeit, den Preis für seine Übernachtung in einem ausgewählten Hotel selbst zu bestimmen – nicht der Hotelier. Bittere Realität: im August 2013 teilte das Start-up mit, dass die Betandsleep GmbH nicht mehr fortbestehen wird. 161 Schwarm-Investoren hatten zusammengelegt und 100.000 Euro gesammelt. Ihr Geld: futsch.

(Foto: Seedmatch.de)

Sportrade (Februar 2014)
2 von 11

Über die Crowdfunding-Plattform Companisto hatte das Start-up Sportrade im Oktober 2013 von über 400 Geldgebern rund 100.000 Euro eingesammelt. Anfang 2014 dann die Insolvenz des Sportartikel-Händlers.

Viberwrite (2014)
3 von 11

Das Start-up Vibewrite schlitterte Ende 2014 in die Insolvenz. Die Idee: ein Digital-Stift, der Handschrift mit Bewegungssensoren erkennt und somit das Geschriebene digital nutzbar macht. Über Seedmatch kamen damals von 551 Investoren stattliche 560.250 Euro zusammen - nur drei Monate vor der Pleite.
(Foto: Screenshot)

Foodiesquare (März 2014)
4 von 11

Insolvenz musste im März 20014, nur zwei Jahre nach Gründung, auch das Münchner Food-Start-up Foodiesquare anmelden, das unter anderem Überraschungsboxen mit exklusiven Lebensmitteln lieferte. Über die Plattform Seedmatch hatten die Gründer damals in zwei Crowdrunden von 664 Investoren über 530.000 Euro eingesammelt.

(Foto: Seedmatch.de)

Tollabox (Februar 2015)
5 von 11

Beim Start-up Tollabox, das 2013 über die Plattform Seedmatch 600.000 Euro von Anlegern einsammelte, ging es ums spielerische Lernen. Im Februar 2015 dann die Insolvenz. Der Grund: Geldmangel. Tollabox hatte 2014 fast eine halbe Millionen Euro Verlust gemacht – bei 600.000 Euro Umsatz. Bitter war die Pleite auch für die 600 Crowdinvestoren...

Returbo (Oktober 2016)
6 von 11

Rund 1,1 Millionen Euro steckten mehr als 1000 Anleger in den einstigen Crowd-Star Returbo, dessen Gründer ihr Projekt damals auf der Plattform von Companisto.de eingestellt hatten. Die Idee dahinter: Retouren, Fehlproduktionen und B-Ware von Online-Shops weiterverkaufen. Im Oktober meldete das Berliner Start-up dann nach einem Absatzeinbruch Insolvenz an. Die Anleger gingen allesamt leer aus. Im Januar 2017 kündigte das Rocket-Start-up Home24.de an, Returbo für 17.000 Euro zu kaufen und die 33 Mitarbeiter zu übernehmen.
(Foto: Companisto.com)

Front Row Society (Oktober 2016)
7 von 11

Design-Entwürfe und eine Community, die darüber abstimmt – das war das Konzept der Online-Modeplattform Front Row Society. Anlegern war das Berliner Mode-Start-up 500.000 Euro wert. Inzwischen ist die Firma insolvent, Ende Oktober 2016 meldete die Plattform Zahlungsunfähigkeit an.
(Foto: Screenshot)

Vor ein paar Jahren waren diese Geldgeber als "Heuschrecken" verschrien. „Doch mittlerweile hat sich das Bild gewandelt“, beobachtet Mark Mietzner, Professor an der Zeppelin Universität in Friedrichshafen. „Finanzinvestoren können eine Chance sein, ein Unternehmen nicht nur finanziell, sondern auch strategisch weiterzubringen.“ Dazu kommt: Nicht jeder der professionellen Geldgeber hat es darauf abgesehen, im Unternehmen das Sagen zu bekommen, geschweige denn so, wie es vor zehn Jahren üblich war, es mit Schulden zu überhäufen.

„Wir sind nicht allein von Renditedenken getrieben, sondern wollen ein Miteinander mit den Unternehmen, an denen wir uns beteiligen. Daher fokussieren wir uns auf Minderheitsbeteiligungen“, sagt zum Beispiel Peter Sachse, Geschäftsführer von VR Equitypartner. Und auch NordLB-Experte Dick betont: „Die Entwicklung der Zielgesellschaften ist zwar nicht unser Kerngeschäft - das macht vor allem die Private-Equity-Gesellschaft. Aber da, wo es erkennbare Möglichkeiten gibt, stellen wir die Erfahrung aus unserem Corporate-Business-Geschäft zu Verfügung. Denn eine Wertsteigerung des Unternehmens ist als finanzierende Bank auch in unserem Interesse.“

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Geld und Wissen
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Beteiligungskapital - Solides Polster

0 Kommentare zu "Beteiligungskapital: Solides Polster"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%