Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Call a Bike Wie die Bahn mit versteckten Strafgebühren bei Leihrädern Kunden verprellt

Mit strengeren Regeln bringt die Bahn Leihrad-Kunden gegen sich auf. Der Zeitpunkt ist schlecht, denn jetzt fordert ein Start-up den Konzern heraus.
1 Kommentar
Die Leihfahrräder der Bahn müssen an feste Stationen abgegeben werden. Quelle: picture alliance / Sueddeutsche
Mieträder der Deutschen Bahn

Die Leihfahrräder der Bahn müssen an feste Stationen abgegeben werden.

(Foto: picture alliance / Sueddeutsche)

Düsseldorf Es dauert eine Weile, bis Caroline Müller die Lastschriften auf ihrem Konto komisch vorkommen. Die Designerin aus Köln fährt häufig Zug, da ist es normal, dass die Deutsche Bahn öfter mal bei ihr abbucht. Aber immer diese kleinen, runden Beträge?

Eines Tages fällt ihr ein, dass sie noch einen anderen Dienst der Bahn nutzt: Call a Bike. Die Leihfahrräder kosten eigentlich nur einen Euro pro Fahrt, wenn die nicht länger als 30 Minuten dauert. Eigentlich. Doch dann checkt die 34-Jährige ihre E-Mails – und findet plötzlich Rechnungen über fast 100 Euro. Frau Müller heißt eigentlich anders, doch ihren richtigen Namen will sie nicht in einem Artikel lesen.

So wie Caroline Müller geht es gerade vielen Nutzern von Call a Bike, besonders viele von ihnen nutzen den Dienst im Rheinland. Seit der Anbieter in Köln und Düsseldorf sein System umgestellt und neue Stationen zur Rückgabe eingerichtet hat, häufen sich Beschwerden und schlechte Bewertungen. Auf Facebook gaben zuletzt fast 60 Prozent der User nur noch einen von fünf Sternen. Viele von ihnen erhielten überraschende Rechnungen über Extragebühren von Call a Bike.

Ja, es habe eine Umstellung gegeben, bestätigt die Deutsche Bahn. „Lediglich Call a Bike in München wird aktuell im ,freefloating‘ betrieben, alle anderen Systeme stationsbasiert“, sagt ein Bahnsprecher auf Anfrage.
„Freefloating“ ist der Schlüsselbegriff, der die Leihradsysteme erfolgreich machen sollte. Denn die Mieträder sind nicht für lange Strecken gedacht.

Ganz im Gegenteil sollen sie vor allem dazu dienen, kurze Strecken zu überbrücken: Vom Bahnhof zum wenige Gehminuten entfernten Termin oder von zu Hause zur nächsten U-Bahn-Station. Das System entfaltet seine Stärke, solange Räder überall abgestellt werden können. Wer erst fünf Minuten von seiner Wohnung oder seinem Büro zum nächsten Leihrad laufen muss, wird es kaum für kurze Strecken benutzen.

Doch genau von diesem System scheint sich die Bahn zu verabschieden. Stattdessen wurden in der zum System gehörenden App „virtuelle Stationen“ eingerichtet. Auf einer digitalen Karte sind Orte markiert, an denen die Räder zurückgegeben werden können. Das können Bahnhöfe oder Busstationen sein. Manchmal sind es jedoch einfach Straßenkreuzungen.

In Köln habe es eine formelle Umstellung gegeben, teilt die Bahn mit. In Düsseldorf sei das System schon länger verankert gewesen, aus Kulanz seien zunächst jedoch keine Gebühren in Rechnung gestellt worden, beschreibt der Konzern sein Vorgehen.

Die Bahn begründet die Umstellung mit einer Vorgabe der Stadt Köln. Mit der Umstellung auf ein „stationsbasiertes Systems sind wir explizit auch dem Wunsch der Stadt gefolgt, mit deren Vertretern wir bereits vor dem Start des neuen Angebots in den Austausch getreten sind“, sagt der Bahn-Sprecher.

Köln widerspricht jedoch dieser Darstellung. „Die Stadt Köln hat keine Vorgaben bezüglich des Geschäftsmodells erstellt. In der Stadt Köln sind aktuell Freefloating-Systeme und standortbasierte Leihradsysteme vorhanden“, sagt ein Sprecher der Stadt dem Handelsblatt.

Stationen reduzieren die Kosten

Von der Stadt Düsseldorf kommt die gleiche Aussage. In Verwaltungskreisen wird hingegen vermutet, die Bahn könne die strengeren Regeln eingeführt haben, um Kosten zu reduzieren. Die Räder seien nun zwar nicht mehr so komfortabel für Kunden nutzbar, doch mit den Stationen spare der Konzern Geld, weil sich Reparaturen so einfacher organisieren ließen.

Auf nochmalige Nachfrage bei der Bahn sagt der Unternehmenssprecher: „Im Falle der Stadt Köln sind wir ganz konkret gebeten worden, unser Angebot stationsbasiert einzurichten. Sie haben recht, dass wir dazu nicht verpflichtet sind.“

Das stellt die Stadt Köln jedoch anders dar. Es gebe weder eine Vorgabe noch einen Aufruf, Stationen einzurichten. Der Bahn-Sprecher führt jedoch weiter aus: „Im Gegensatz zu Wettbewerbern im Markt suchen wir grundsätzlich das Gespräch, da wir in den jeweiligen Kommunen zur Lösung von Mobilitätsproblemen beitragen wollen und nicht durch eine ungeordnete ,Überschwemmung‘ mit Leihrädern zu neuen Verkehrsproblemen beitragen wollen.“

Damit attackiert der Bahn-Sprecher einen direkten Konkurrenten. Denn mit dem chinesischen Leihradanbieter Mobike gibt es mittlerweile in den Städten Berlin, Düsseldorf, Köln und Hannover einen Herausforderer für das Angebot der Bahn. Mobike wirbt offensiv mit „freefloating“. „Unsere Nutzer müssen dementsprechend nicht nach einer Abgabestation suchen, sondern können direkt bis zu ihrem Ziel fahren und dort das Rad so abstellen, dass es nicht im Weg steht oder andere behindert“, sagt eine Firmensprecherin.

Parkanlagen sind für das Parken meist tabu. Und wie bei der Bahn ist ein Betriebsgebiet eingerichtet, in dem die Räder abgestellt werden können. Hält sich ein Kunde nicht an die Vorgaben, wird er per App und teilweise per SMS informiert, dass er die Regeln verletzt.

Wird etwa ein Rad außerhalb des Betriebsgebietes abgestellt, haben die Kunden 24 Stunden Zeit, das Rad oder ein beliebiges anderes Rad zurück in das Betriebsgebiet zu bringen. Nur wenn das nicht gemacht wird, fallen Strafgebühren in Höhe von fünf Euro an.

Keine Warnung per App oder SMS

Anders bei der Bahn. Wer sein Fahrrad nicht an einer der Stationen abstellt, bekommt keinen Hinweis, weder in der App noch per SMS. Lediglich in der Abrechnung werden die Strafgebühren angezeigt. Wer die nicht explizit prüft, wird mit der monatlichen Abbuchung überrascht.

Mehr noch: Im Internet häufen sich Beschwerden von Nutzern, die schreiben, ihnen seien Strafen aufgebrummt worden, obwohl sie sich an die Regeln gehalten hätten. Der Bahn-Sprecher bestätigt: „Die GPS-Ortung kann systembedingt bei Störeinflüssen fehlerhaft sein.“ Deshalb gehe der Kundenservice mit „größtmöglicher Kulanz“ vor.

Wieder weist er jedoch den Behörden eine Mitverantwortung zu. „Gerne würden wir von den betreffenden Städten die Genehmigung zur Anbringung jeweils eines Stationsschildes erhalten. Diesbezügliche Gespräche mit den betreffenden Kommunen haben leider noch nicht das gewünschte Ergebnis gebracht“, sagt der Sprecher.

Der chinesische Konkurrent Mobike nutzt die Situation jetzt sehr geschickt, um sein Angebot neuen Kunden mit Rabattaktionen näherzubringen. So droht die Bahn aufgrund der strengen Regeln viele Kunden zu verlieren – obwohl der Fahrradverband ADFC der Bahn bescheinigt, dass ihre Fahrräder qualitativ deutlich besser seien als die des Herausforderers aus China.

Startseite

Mehr zu: Call a Bike - Wie die Bahn mit versteckten Strafgebühren bei Leihrädern Kunden verprellt

1 Kommentar zu "Call a Bike: Wie die Bahn mit versteckten Strafgebühren bei Leihrädern Kunden verprellt"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Ich kann die Kritik nicht nach vollziehen. Ich nutze Lidl-Bike in Berlin (ehemals Call-a-Bike).
    Es wurden die Regeln für Abstelleorte in den allgemeinen Geschäftsbedingungen verchärft. Darüber wurde sehr frühzeitig per Email informiert. Und das diese verschärft wurden, kann ich vollkommen nach vollziehen. Man muss nur mal von Bellevue zum Potsdamer Platz oder Brandenburger Tor laufen und sich die Abstellorte der Räder durch die Nutzer anschauen. Das kann man sich nicht vorstellen, wo diese die Räder einfach stehen oder liegen lassen!

Serviceangebote