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Chief Financial Officer Darum werden Finanzchefs immer wichtiger

Vom Zahlenfreak zum Strategen: Die Rolle der Finanzabteilung ändert sich. Technologien ermöglichen präzisere Vorhersagen und neue Aufgaben für den CFO.
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CFO: Darum werden Chief Financial Officer immer wichtiger Quelle: Fotolia
CFOs

86 Prozent der Finanzchefs glauben, dass die datengestützte Beratung der Geschäftsführung bis 2025 stark wachsen wird.

(Foto: Fotolia)

Düsseldorf Die Zeit der introvertierten Zahlen-Freaks scheint vorbei zu sein. Der Posten als Finanzvorstand ist heute das Sprungbrett für die große Konzernkarriere. Laut einer Untersuchung der Lebensläufe von 170 Vorstandsvorsitzenden durch die Personalberatung Korn Ferry waren 27 Prozent der heutigen CEOs im Laufe der Karriere bereits Chief Financial Officer (CFO), bei 21 Prozent war es die letzte berufliche Station, bevor sie das erste Mal den Chefposten im Vorstand übernommen haben.

Die oberste Führungsposition in den Finanzen setzt sich damit deutlich von anderen Stabsstellen ab. Insbesondere im TecDax, wo 29 Prozent der heutigen CEOs unmittelbar vor ihrer ersten Ernennung zum Vorsitzenden des Vorstands Finanzchef waren.

Und das gilt nicht nur für multinationale Konzerne, sondern auch für den gehobenen deutschen Mittelstand, wie wiederum die Studie „Jäger oder Gejagter? Die neue Rolle des CFO im Mittelstand“ der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC zeigt. Für diese Studie wurden 200 CFOs und Leiter Finanzen im deutschen Mittelstand interviewt.

Vor allem der technologische Trend spielt den Finanzchefs in die Karten. „Durch die digitale Transformation können Chief Financial Officer als zentrale Navigatoren im Unternehmen einen deutlich größeren Wertbeitrag liefern als bisher“, heißt es in der Studie.

So glauben 86 Prozent der befragten Finanzchefs, dass die datengestützte strategische Beratung der Geschäftsführung bis zum Jahr 2025 der größte Wertbeitrag des Finanzbereichs sein wird. „Die Finanzexperten werden durch die Digitalisierung noch mehr zum Sparringpartner der CEOs - sie werden wahrscheinlich sogar ein festes Tandem mit dem CEO bilden“, sagt Uwe Rittmann, Leiter Familienunternehmen und Mittelstand bei PwC.

Die Finanzverantwortlichen könnten mit neuen Technologien Daten in Echtzeit erfassen und analysieren. Gleichwohl nutzen die CFOs die neuen Möglichkeiten von IT und Big Data noch nicht annähernd aus.

Angesichts dieses technologischen Nachholbedarfs überraschen die hohen Zufriedenheitswerte der befragten CFOs: 87 Prozent der Befragten sind mir ihrer Organisation, 86 Prozent mit der Qualifikation ihrer Mitarbeiter und 84 Prozent mit der Datenqualität zufrieden. „Diese Zufriedenheit ist gefährlich, weil sie den Handlungsbedarf vertuscht“, warnt Rittmann. „Wer der neuen Realität nicht aktiv begegnet, wird rasch vom Jäger zum Gejagten.“

Kaum ein CEO war bei seiner ersten Amtsübernahme Marketing- (CMO), Einkaufs- (CPO), oder Technik-Chef (CTO). „Dazu gibt es zwei Erklärungen“, sagt Marcus Schneider von Korn Ferry. „Ein Teil der Führungskräfte, die eine solche Fach-Führungsposition übernommen hat, bleiben dort und bauen ihr Fach-Know-how weiter aus. Der andere, kleinere Teil nutzt es als Sprungbrett nicht direkt in die CEO-Funktion, sondern ins General Management zur Führung eines operativen Geschäftsbereichs.“

Viele CEOs waren vorher kein Organ – im Dax ist das jedoch ausgeschlossen

Während rund 17 Prozent der heutigen CEOs zuvor keinerlei Vorstandsrang hatten – im TecDax sind es sogar ein fast ein Drittel (32 Prozent) – gibt es im Leitindex Dax keine Chance, Sprecher eines Vorstands zu werden, ohne selbst bereits Organ gewesen zu sein. Das gilt sogar für die Erstberufung in der Karriere. Nur ein einziger heutiger Dax-Chef war kein Vorstand, bevor er das erste Mal in seiner Karriere zum CEO ernannt worden ist.
„Die Größe der Vorstandsgremien unterhalb des Dax sind deutlich kleiner“, sagt Marcus Schneider. „Teils gibt es im SDax nur die Posten des CEO und CFO zu verteilen. Das erklärt, warum es hoher Anteil von Neu-CEOs zuvor keine Organverantwortung übernommen hat. Im Dax dagegen ist das undenkbar. Wer die Top-Verantwortung in einem der 30 größten deutschen Unternehmen übernehmen will, von dem erwartet ein Aufsichtsrat Vorstandsrang. Sonst kommen Kandidaten schlicht nicht in Betracht.“

Sieben Tipps für einen gelungenen Pitch
Richtig pitchen
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„Wenn starke Gründer am Pitch scheitern, dann eigentlich immer, weil sie es nicht ernst genug genommen haben“, schreibt Christoph Sollich im Magazin „Berlin Valley“ (Ausgabe Nummer 20). Der Autor, in ganz Europa bekannt als Pitch-Experte und Coach für viele Accelerator-Programme, Inkubatoren und Start-up-Events, hat sieben Tipps zum pitchen formuliert, die Gründer unbedingt beachten sollten...

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Zu den Begrifflichkeiten
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Geht es darum, den Grundstein für ein neues Unternehmen zu legen, brauchen Gründer zunächst eine sogenannte Seed-Finanzierung. Dabei geben meistens Business-Angels oder ähnliche Unterstützer Kapital. Weitere Finanzierungsrunden werden danach in der Regel von professionellen Venture-Capital-Gebern getragen und man spricht dann von Serie-Finanzierungen. Diese reichen von der anfänglichen Serie-A-Finanzierungsrunde bis zur Serie-E Finanzierungsrunde oder weiter.

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1. Der Pitch ist ein Prozess
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Dass Start-ups die Seed-Runde mit nur einem einzigen Pitch-Meeting abschließen, hält Christoph Sollich zwar für unwahrscheinlich, aber es sei möglich. Deutlich schwieriger aber könnte es in den weiteren Finanzierungsrunden werden, wenn mehr Geld im Spiel ist und die Investoren sorgfältiger prüfen, wem sie ihr Geld geben. „Dementsprechend ist der Prozess, eine Series A zu raisen, in den meisten Fällen langwieriger als bei einer Seed-Runde“, so der Experte. Sein Rat: „So früh wie möglich anfangen, mit potenziellen Series-A-Investoren zu reden (am besten schon während des Seed-Fundraisings), und sie dann regelmäßig über Eure (hoffentlich beeindruckenden) Fortschritte auf dem Laufenden halten.“

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2. An die menschliche Seite denken
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Was von vielen Gründern oft nicht oder zu wenig bedacht wird, sei die menschliche Komponente, die durchaus auch bei Investment-Entscheidungen eine Rolle spiele. Christoph Sollich: „Eure potenziellen Investoren müssen das Gefühl haben, dass Ihr mit Eurem Start-up erfolgreich sein werdet. Sie müssen Bock darauf haben, mit Euch über Jahre zusammenzuarbeiten. Sie müssen an Euch glauben. Sie müssen Euch vertrauen. Und dieses Vertrauen entsteht nicht in einem 45-minütigen Pitch-Meeting. Es braucht Zeit.“ Das kann also ganz konkret für Gründer bedeuten, mit dem Investor öfter mal Essen oder Golfen zu gehen. „Achtet nur darauf, dass der Investor zahlt – die haben ja oft einen eher teuren Geschmack“, rät der Experte zur Vorsicht.

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3. Professionalität ist das A und O
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Von Bedeutung sei auch das Verhalten des Teams während des Pitch-Prozesses. Für Christoph Sollich ist es ein wichtiger Indikator dafür, wie professionell es in anderen Bereichen des Start-ups zugehe. „Ein professioneller Pitch ist nicht nur eine schickes Slide-Deck, sondern die präzise Kommunikation in allen Phasen des Prozesses. Natürlich muss das Deck die notwendigen Informationen enthalten“, so Sollich. Natürlich müsse es für jeden Investor angepasst werden: Worauf legt dieser Investor besonders wert? Wie passen wir in sein Portfolio? Sollich: „Entscheidend ist, dass Ihr effizient und präzise Eure Geschichte auf den Punkt bringt – und das als Team: Es gibt nichts Schlimmeres als Gründer, die sich im Meeting mit Investoren nicht einig sind.“

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4. Ihr seid die Experten
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Zwar haben Investoren oft sehr viel Erfahrung, sie wissen deshalb aber nicht alles besser. Wichtig sei es daher, dass sie das Gefühl haben, dass die Gründer ganz klar wissen, wo es hingehen soll und dass sie die Experten in ihrem Markt sind. Christoph Sollich: „Denn letztlich will der Investor Euer Start-up nicht selbst machen müssen, sondern von Euch zum Erfolg geführt werden. Ihr solltet also Eure Positionen klar vertreten, auch wenn der Investor anderer Meinung ist. Nur „Ja“ und „Amen“ zu sagen wird Euch langfristig als Schwäche ausgelegt und damit kontraproduktiv sein.“

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5. Ihr seid nicht Brad Pitt
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„Es hält sich immer noch das hartnäckige Gerücht, beim Pitchen müsse man sich in irgendeiner Weise verstellen. Dem ist nicht so. Pitchen ist nicht Schauspielerei. Der Prozess ist viel zu intensiv, und Investoren sind (in den allermeisten Fällen) viel zu schlau, um auf irgendwelche Tricks hereinzufallen“, warnt Christoph Sollich in seinem Pitch-Leitfaden. „Zumal Ihr wahrscheinlich nicht das schauspielerische Talent habt, wirklich glaubhaft etwas anderes darzustellen als Euer reales Ich. Also probiert es gar nicht erst – steht dazu, wie Ihr seid. Denn nur so findet Ihr den oder die Investoren, die zu Euch passen.“

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Die Untersuchung von Korn Ferry zeigt auch: Ex-Berater sind die größte Gruppe deutscher CEOs. Marcus Schneider erklärt dazu: „Aufgrund des Booms der Unternehmensberatungen in den vergangenen Dekaden und deren Bemühungen, kognitiv herausragende Köpfe anzuziehen, waren wir zwar davon ausgegangen, dass ein signifikanter Anteil der heutigen CEOs Beratungserfahrung hat. Das aber jeder Fünfte seine berufliche Karriere in der Beratung begonnen hat und dies die größte Gruppe stellt, hat uns überrascht.“

Im TecDax sind sogar 26 Prozent nach dem Studium in die Beratung eingestiegen, der höchste Wert. „Berater müssen oft in einem starken fachlich wie emotionalen Spannungsverhältnis agieren und haben bereits in frühen Jahren Kontakt direkt zum Top-Management. Die Mär, Berater hätten nur gute Tipps parat und könnten keine eigenen Entscheidungen treffen, ist schon lange überholt. Erfolgreiche Berater sind grundsätzlich Top-Analytiker und exzellent geschult in der Steuerung von Kunden.“

Welche Wege noch nach oben führen

Daran schließt als Einstiegsbereich der Vertrieb direkt an. „Wer in Deutschland ‚Vertrieb‘ hört, denkt gleich an Strukturvertrieb. Das Vertrieb heute deutlich komplexer ist, wird häufig übersehen. Kaum eine Funktion ist neben IT so gefragt in Unternehmen – und so schwer zu besetzen. Wer in einer vertrieblich orientierten Funktion anfängt, arbeitet in dieser mit einer Vielzahl an Schnittstellen innerhalb seines Unternehmens.

Und der Kontakt mit denjenigen, die am Ende für den wirtschaftlichen Erfolg sorgen: Kunden. Ein solcher Einstieg bietet darum die idealen Voraussetzungen, sich intern wie extern exzellent zu vernetzen und bei entsprechendem Erfolg rasch General-Management- und ergebnisrelevante Aufgaben zu übernehmen.“ Elf Prozent der CEOs haben ihre berufliche Karriere im Vertrieb begonnen, im Dax sind es sogar 17 Prozent.

Gute Chancen hat auch, wer sich anfangs technischen Themen widmet und in Forschung und Entwicklung beginnt. 17 Prozent der Vorstandschefs haben hier ihre beruflichen Wurzeln, im TecDax ist es jeder Dritte (35 Prozent). „Ähnlich dem Vertrieb sind die Schnittstellen und damit die Visibilität im Konzern in diesem Bereich enorm“, sagt Marcus Schneider. „Hinzu kommt: Innovationsfähigkeit an der Spitze wird immer wichtiger. Wer Technik versteht und wem es gleichzeitig gelingt, mit diesem Wissen ins General Management zu gelangen, der hat später gute Chance, für den Spitzenposten berücksichtigt zu werden.“

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