Commerzbank-Mittelstandsstudie Alles außer Banken

Mittelgroße deutsche Firmen setzen wieder auf Investitionen. Das zeigt eine aktuelle Studie. Nach Meinung von Ökonomen nimmt der Mittelstand aber immer noch zu wenig Geld in die Hand – besonders fremdes.
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Gute Nachricht: Die meisten Mittelständler haben keine Probleme bei der Finanzierung ihrer Investitionen. Quelle: Getty Images

Gute Nachricht: Die meisten Mittelständler haben keine Probleme bei der Finanzierung ihrer Investitionen.

(Foto: Getty Images)

DüsseldorfDer Stolz ist Martin Erfurt ins Gesicht geschrieben. „Wir sind schuldenfrei“, sagt er und grinst breit. Man wolle nicht abhängig von Banken sein, erklärt der Mittelständler im Interview mit Handelsblatt Online.

Der Geschäftsführer des Tapetenherstellers Erfurt ist mit dieser Sicht nicht allein, wie eine aktuelle Studie der Commerzbank zeigt. Zwei von drei mittelständischen Unternehmen wollen demnach ohne das Geld von Banken auskommen. Und sie sind auch zufrieden mit der Menge an Geld, die sie investieren. Ökonomen sind da allerdings anderer Meinung.

Derzeit ist die Stimmung gut im deutschen Mittelstand: Mehr als die Hälfte der Firmen schaut zuversichtlich in die Zukunft und will wieder Geld in die Hand nehmen, wie ein Report von GE Capital zeigt. Insgesamt wollen kleine und mittlere Unternehmen hierzulande rund 136 Milliarden Euro investieren - das ist Spitze in Europa.

Auch die Commerzbank-Untersuchung verbreitet zunächst einmal gute Nachrichten: Rund jedes zweite Unternehmen plant wieder langfristig, 2012 waren es lediglich 37 Prozent, also nur etwa jedes dritte. 42 Prozent hingegen fahren lieber auf Sicht und entscheiden flexibel.

Eine weitere gute Nachricht: Die meisten Mittelständler haben keine Probleme bei der Finanzierung ihrer Investitionen. Nur 17 Prozent geben an, in diesem Bereich mit Schwierigkeiten zu kämpfen. Ähnlich gering sind auch die Zahlen bei langfristigen Investitionen sowie fehlendem Eigenkapital.

Die geringen Probleme dürften auch ein Grund dafür sein, dass der Mittelstand bei der Finanzierung lieber auf sich selbst vertraut. 66 Prozent der befragten Unternehmen bauen vor allem auf ihr eigenes Finanzpolster – Fremdfinanzierung nicht erwünscht. Auch sonst stehen die Betriebe den Banken prinzipiell skeptisch gegenüber. Dass die Geldinstitute unabhängig beraten, glaubt nur eine von drei Firmen. Trotzdem zieht jeder zweite Mittelständler gerne Banken und Sparkassen zu Rate, um seine Investitionen überprüfen zu lassen.

Die Commerzbank hat aber nicht nur rund 4000 mittelständische Unternehmen mit einem Jahresumsatz von mehr als 2,5 Millionen Euro befragt, sondern auch 75 Ökonomie-Dozenten. Und die sehen die finanzielle Eigenständigkeit des Mittelstandes naturgemäß kritischer: Drei von vier Volkswirten finden die Unabhängigkeit wenig sinnvoll.

Unternehmen zufrieden, Ökonomen nicht
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5 Kommentare zu "Commerzbank-Mittelstandsstudie: Alles außer Banken"

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  • Gibt es diese Studie auch nachlesbar online?? Eine ausführliche Quellenangabe wäre toll.

  • Was ich ne gute Sache findet ist wenn ma sich nen paar
    Anleihen zaubern lässt mit Endfälligkeit natürlich.

  • "bevor ich nochmal eine Bank um Kredit anbetteln muß, verkleinere ich lieber den Betrieb. In die Fänge dieser Halsabschneider begebe ich mich nie wieder - soviel ist sicher..."
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    Exakt! Wer Schulden macht/hat, wird ggf. regelrecht zum "Besitz" der Bank wie ein Sklave. Lieber weniger investieren, bescheiden leben, dafür aber Herr seiner selbst sein und bleiben.

  • Tja, deswegen sind Ökonomen in der Regel auch keine Unternehmer.
    In Krisenzeiten haben schon genügend Mittelständler brutal erfahren müssen, dass Banken eben KEINE Partner sind. Dass diejenigen, die diese Krisen überstanden haben, sich nun daran erinnern und entsprechend handeln, ist nicht nur verständlich, sondern zutiefst ökonomisch. Denn spätestens in der kommenden Krise werden Unternehmen, die nicht bei Banken verschuldet sind, überleben.

  • Wenn die Banken genau das täten, für was sie da sind, würde man ja durchaus wieder zur Bank gehen, aber wenn man den Eindruck hat, man wird ausgesogen und das Geld wird zum Zocken verwendet, dann sage ich: Diesen Banken-Sumpf muß man austrocknen. Ich verstehe als Freiberufler sehr gut, wenn man nicht mehr von Banken abhängig sein will - ich bin auch schuldenfrei und bevor ich nochmal eine Bank um Kredit anbetteln muß, verkleinere ich lieber den Betrieb. In die Fänge dieser Halsabschneider begebe ich mich nie wieder - soviel ist sicher...

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