Crowdinvesting Das Schwarmgeld fließt reichlich

Online-Plattformen haben sich in der Finanzierung etabliert. Neben Start-ups greifen auch etablierte Mittelständler bei Krediten aus dem Internet zu. Jetzt setzen sogar Banken auf die Schwarmfinanzierung.
Kommentieren
Ein saftiges Ergebnis erzielte der niedersächsische Biosäfte-Produzent Anfang 2017 am Kapitalmarkt. Quelle: Arne Weychardt/WirtschaftsWoche
Getränkelager der Naturkostsafterei Voelkel

Ein saftiges Ergebnis erzielte der niedersächsische Biosäfte-Produzent Anfang 2017 am Kapitalmarkt.

(Foto: Arne Weychardt/WirtschaftsWoche)

DüsseldorfWie man aus guten Zutaten das Beste herauspresst, das wissen sie in Höhbeck, der kleinen Gemeinde im Landkreis Lüchow-Dannenberg im Osten von Niedersachsen. Ob Tomate, Karotte oder Orange, ob Saft für stillende Mütter, durstige Kinder oder gesundheitsbewusste Männer – die 170 Mitarbeiter der Naturkostsafterei Voelkel füllen rund 127.000 Flaschen ab. Und das pro Tag. Ein saftiges Ergebnis erzielte der niedersächsische Biosäfte-Produzent Anfang 2017 auch am Kapitalmarkt. Nach Angaben der Finanzierungsplattform Finnest gelang Voelkel „ein neuer Rekord für die Onlinefinanzierung eines Unternehmens aus dem deutschen Mittelstand“: Innerhalb von acht Wochen boten Anleger fast zwei Millionen Euro an Mezzanine-Kapital. 1,5 Millionen Euro davon nahm Voelkel zum jährlichen Festzins von vier Prozent auf.

Auch Biogena setzt wie Voelkel auf den wachsenden Wellness-Markt in Deutschland. Statt Saft und Schorlen probiert es Biogena mit Nahrungsergänzungsmitteln und Mikronährstoffpräparaten – für alle, die gesünder leben möchten. Im Heimatland Österreich ist das Unternehmen mit mehr als 20 Millionen Euro Umsatz nach eigenen Worten Marktführer. Jetzt expandiert Biogena in Deutschland. Für die Eröffnung neuer Geschäfte und ein „Functional Medicine Center Germany“ suchen die Österreicher deutsche Geldgeber via Internet.

So legen die Deutschen ihre Ersparnisse an
Platz 10
1 von 10

Zwölf Prozent der Deutschen legen ihre Ersparnisse im Februar in Aktien an. Insgesamt beziffert das Deutsche Aktieninstitut die Quote der Deutschen, die in Unternehmensanteile investieren, auf 14 Prozent. Dies sei viel zu niedrig, meinen die Aktienlobbyisten.

Quelle: comdirekt

Platz 9
2 von 10

Auf Platz neun landet das Festgeld. 16 Prozent der Deutschen legen bei ihrer Bank ihr Geld für mindestens 30 Tage, höchstens aber fünf Jahre an. Dabei ist der Zinssatz für die vereinbarte Anlagedauer fix. Beim Festgeld lohnt es sich, Banken zu vergleichen.

Platz 8
3 von 10

Jeder fünfte Deutsche legt sein Geld in Fonds an. Diese werden von Fondsmanagern verwaltet, die das eingesammelte Geld in Aktien, Obligationen, Immobilien und andere Wertpapiere anlegen. 2015 lagen laut Bundesverband der Investmentgesellschaften 2,2 Billionen Euro in deutschen Publikumsfonds.

Platz 6
4 von 10

Platz sechs teilen sich zwei Arten, Geld anzulegen. Zum einen die Altersvorsorge: 27 Prozent der Deutschen sparen beispielsweise mit privaten Lebens- und Rentenversicherungen oder dem Kauf von Immobilien, um die drohende Altersarmut zu vermeiden.

Platz 6
5 von 10

Genau so viele Deutsche verlassen sich auf eine Lebensversicherung, die Risiken wie Tod oder Invalidität absichern, und Versicherungen für die private Altersvorsorge. 2015 wurden laut Umfrage des Datenportals Statista in Deutschland insgesamt etwa 82,3 Milliarden Euro ausgezahlt.

Platz 5
6 von 10

Rund zwei Prozent mehr, also 29 Prozent der Deutschen, gaben im Februar 2017 an, einen Bausparvertrag zu nutzen, um ihr Geld anzulegen. Meistens wir diese Art der Geldanlage genutzt, um Immobilien zu finanzieren.

Platz 4
7 von 10

Fast jeder dritte Deutsche spart, indem er sein Geld im Sparstrumpf, unter der Matratze oder anderswo in der Wohnung versteckt. Bargeld gehört immer noch zu einer der beliebtesten Sparmaßnahmen, auch wenn es keine Zinsen, keinen Ertrag und auch keine Rendite verspricht. Hauptgrund für das Sparen zu Hause ist Misstrauen gegenüber Banken.

Zwei Unternehmen, ein Trend: Crowdinvesting setzt sich als Alternative zur klassischen Hausbankenfinanzierung in Deutschland immer mehr durch. Neu daran ist: Nachdem sich in den ersten Jahren meist nur Start-ups, die bei Banken ob fehlender Sicherheiten und unklarer Erfolgsaussichten keinen Kredit bekamen, mit Hilfe des Schwarms recht überschaubare Summen sicherten, ist der Markt längst reifer und größer geworden.

Mittlerweile greifen auch etablierte, wachstumsstarke Mittelständler auf das Geld aus dem Internet zurück. Die Volumen pro Transaktion werden größer, das Überschreiten der Millionengrenze stellt schon den Regelfall dar. „Für innovative Unternehmen wird Crowdinvesting ein ganz normaler Teil des Finanzierungsmixes“, sagt Biogena-Geschäftsführer Albert Schmidbauer voraus. „Viele Mittelständler wünschen sich eine einfache und bequeme Kreditvergabe über das Internet, die bei herkömmlichen Banken meist nicht existiert“, meint Clemens Paschke, Gründer und Geschäftsführer der Crowdlending-Plattform Lendico. „Die Digitalisierung der Kreditvergabe bringt Mittelständlern Vorteile. Sie verläuft schneller und ist mit geringerem Aufwand verbunden“, sagt er. „Bei Banken ist der Kreditprüfungsprozess oft ineffizient strukturiert und mit hohen Kosten verbunden, die sich in den Konditionen widerspiegeln“, kritisiert Paschke.

Für Sparkassen und Banken, die bisher eher spöttisch auf manch jungen Fintech-Anbieter und seine Crowd-Lösung geblickt haben, wird das zunehmend zur Herausforderung. Manch innovatives Bankhaus macht sich den Trend zum Schwarm sogar selbst zunutze.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Grenzen in Deutschland
Seite 123Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Crowdinvesting - Das Schwarmgeld fließt reichlich

0 Kommentare zu "Crowdinvesting: Das Schwarmgeld fließt reichlich"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%