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Ingenieur im Iran

Mittelständler ziehen sich wieder aus dem Land zurück.

(Foto: picture alliance/dpa)

Export Wie sich Mittelständler vor Krisen schützen können

Internationale Wirtschaftsbeziehungen können unerwartet ins Kreuzfeuer politischer Konflikte geraten. Der Bund unterstützt Mittelständler bei der Vorsorge.
  • Nicole Wildberger
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Blankenheim Für den deutschen Mittelstand ist der Iran ein lukrativer Markt. Vor allem Maschinen- und Anlagenbauer, Automobilzulieferer sowie Elektrounternehmen versprechen sich vom Engagement in dem Land mit seinen 80 Millionen Menschen gute Geschäfte. Doch die stehen nach der Kündigung des Atomdeals durch die USA auf der Kippe. Die Unternehmen können das große Potenzial nicht nutzen, wenn sie aus Furcht vor amerikanischen Vergeltungsmaßnahmen ihre Geschäfte im Iran ruhen lassen.

Die Europäische Union will das aber nicht so einfach hinnehmen. Sie will zur Rettung des Atomdeals mit dem Iran eine Finanzinstitution schaffen, die die US-Sanktionen gegen die Islamische Republik umgehen kann. Diese Zweckgesellschaft soll es nun richten, wie EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini bei der UN-Vollversammlung in New York bekanntgab.

Dieses sogenannte Special Purpose Vehicle wird für „legitime finanzielle Transaktionen mit dem Iran gegründet“. Der deutsche Bundesaußenminister Heiko Maas erklärte dazu, dass „solche Lösungen nötig sind, damit Zahlungswege offengehalten bleiben und Handel mit Iran weiter möglich bleibt“.

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Das Ziel: Mit dem neuen Instrument sollen europäische Unternehmen weiterhin legal Handel mit dem Staat am Persischen Golf treiben können. Die Details stehen aber noch aus. Gemeinsam mit Russland und China gehen die Staaten der Europäischen Union damit auf einen Gegenkurs zu den Vereinigten Staaten von Amerika, die im August das internationale Atomabkommen mit Iran verlassen haben. Mit diesem Schritt hatten die USA die Sanktionen gegen den Iran praktisch wieder in Kraft gesetzt.

Das stellt Unternehmen aus anderen Ländern vor die Wahl, entweder mit dem Iran oder mit den Vereinigten Staaten Geschäftsbeziehungen zu unterhalten. Wegen der größeren Bedeutung ihrer US-Geschäfte sehen sich viele deutsche Unternehmen derzeit gezwungen, sich aus dem Iran wieder zurückzuziehen. Die US-Regierung hat Strafaktionen gegen alle Staaten angekündigt, die sich nicht an das Embargo halten.

Mittelständler müssen Risiken im Blick haben

Der Streit zwischen der US-Regierung und Teheran zeigt, wie schnell sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für Auslandsgeschäfte ändern können. Für deutsche Mittelständler, von denen viele zu den Weltmarktführern auf ihrem Tätigkeitsfeld zählen, sind Instrumente zum Absichern von Risiken bei Auslandsgeschäften unverzichtbar. Sie müssen diese Gefahren im Auge haben.

Die Bundesregierung bietet eine Reihe von Förderinstrumenten. Vor allem Exportkreditgarantien, Investitionsgarantien sowie die sogenannte Ausfuhr-Pauschal-Gewährleistung light, kurz „APG light“, genannt. „Investitionen in Ländern mit unsicheren rechtlichen Rahmenbedingungen haben ein erhöhtes Risiko. Aber sie sind beherrschbar“, sagt Herwig Maaßen, Experte für Exportfinanzierung bei der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC.

Bei allen Fragen rund um Exportkreditgarantien berät die Euler Hermes AG im Auftrag des Bundes die deutschen Exporteure. Die sogenannten Hermesdeckungen können alle deutschen Exporteure und ihre finanzierenden Banken beantragen, um sich gegen einen wirtschaftlich und politisch bedingten Forderungsausfall abzusichern.

Der Bund übernimmt zum Großteil das Risiko von Ausfällen infolge von politisch verursachten Schäden bei Direktinvestitionen im Ausland – und springt dort ein, wo kein Angebot privater Kreditversicherer existiert. Durch Exportkreditgarantien macht der Bund für viele Unternehmen den Zugang zu schwierigen Märkten überhaupt erst möglich.

Hermesdeckungen stehen grundsätzlich allen deutschen Unternehmen zur Verfügung, sofern der Bund das Projekt für förderungswürdig hält. Die Bundesregierung sicherte 2017 deutsche Exporte in Höhe von rund 16,9 Milliarden Euro in 153 Länder ab – Schwellen- und Entwicklungsländer machten mit 75 Prozent den Großteil aus.

Ein weiteres Instrument sind Investitionsgarantien des Bundes. Mit deren Hilfe können sich deutsche Exporteure mithilfe der Bundesregierung gegen politisch verursachte Schäden bei Direktinvestitionen im Ausland absichern. Risiken sind zum Beispiel Willkür von Behörden vor Ort, Entzug von Rechten oder fehlender Zugang zu Gerichten. Aber auch die Folgen von Krieg oder Probleme beim Transfer von Devisen können die Investitionen gefährden.

Unternehmen und Banken erhalten über diese Außenwirtschaftsförderung einen individuellen Schutz für ihre Auslandsaktivitäten. Für viele Firmen sind Investitionsgarantien ein wichtiger Teil der Finanzierung und ihres Risikomanagements von Auslandsprojekten.

„Die Investitionsgarantien des Bundes bieten einen effektiven Schutz gegen politische Risiken – initiieren sogar oft erst eine Investition und tragen wesentlich dazu bei, sie in Krisenzeiten wirksam zu schützen. China, Russland, Indien, die Türkei und die Ukraine werden seit Jahren stark nachgefragt. Aktuell werden viele Anträge für den Iran, Belarus oder Mexiko gestellt“, sagt PwC-Experte Maaßen. Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft ist im Auftrag des Bundes direkter Ansprechpartner für Investoren und Banken.

Spezielles Instrument für kleine Mittelständler

Im Rahmen ihrer Mittelstandsinitiative bietet der Bund als drittes Instrument die Ausfuhr-Pauschal-Gewährleistung light an. „Sie ist eine kostengünstige und einfache Absicherung kurzfristiger Forderungen für deutsche Exporteure, die wiederholt mehrere Kunden in unterschiedlichen Ländern beliefern“, sagt Susanne Barthmann, Produktexpertin bei Euler Hermes. Damit lassen sich Liefergeschäfte mit Kreditlaufzeiten von bis zu vier Monaten absichern – vorausgesetzt, dass das Unternehmen Waren physisch über Grenzen hinweg liefert.

Die APG light wendet sich speziell an kleinere und mittelgroße Exporteure mit Jahresumsätzen bis zu einer Million Euro und bietet eine darauf zugeschnittene Ausfuhrdeckung an. Dabei können Unternehmen nur Ausfuhren an Abnehmer in Ländern versichern, die nicht Mitglied der OECD sind sowie für Unternehmen in Korea, Mexiko, Polen, der Slowakischen Republik, Tschechischen Republik, Türkei und in Ungarn.

Hier ging Crowdinvesting richtig schief
Betandsleep (August 2013)
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Mit Betandsleep.com wollten die Gründer 2012 den Weg der Buchung eines Hotelzimmers revolutionieren. Erstmals hatte der Kunde die Möglichkeit, den Preis für seine Übernachtung in einem ausgewählten Hotel selbst zu bestimmen – nicht der Hotelier. Bittere Realität: im August 2013 teilte das Start-up mit, dass die Betandsleep GmbH nicht mehr fortbestehen wird. 161 Schwarm-Investoren hatten zusammengelegt und 100.000 Euro gesammelt. Ihr Geld: futsch.

(Foto: Seedmatch.de)

Sportrade (Februar 2014)
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Über die Crowdfunding-Plattform Companisto hatte das Start-up Sportrade im Oktober 2013 von über 400 Geldgebern rund 100.000 Euro eingesammelt. Anfang 2014 dann die Insolvenz des Sportartikel-Händlers.

(Foto: dpa)
Viberwrite (2014)
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Das Start-up Vibewrite schlitterte Ende 2014 in die Insolvenz. Die Idee: ein Digital-Stift, der Handschrift mit Bewegungssensoren erkennt und somit das Geschriebene digital nutzbar macht. Über Seedmatch kamen damals von 551 Investoren stattliche 560.250 Euro zusammen - nur drei Monate vor der Pleite.
(Foto: Screenshot)

Foodiesquare (März 2014)
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Insolvenz musste im März 20014, nur zwei Jahre nach Gründung, auch das Münchner Food-Start-up Foodiesquare anmelden, das unter anderem Überraschungsboxen mit exklusiven Lebensmitteln lieferte. Über die Plattform Seedmatch hatten die Gründer damals in zwei Crowdrunden von 664 Investoren über 530.000 Euro eingesammelt.

(Foto: Seedmatch.de)

Tollabox (Februar 2015)
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Beim Start-up Tollabox, das 2013 über die Plattform Seedmatch 600.000 Euro von Anlegern einsammelte, ging es ums spielerische Lernen. Im Februar 2015 dann die Insolvenz. Der Grund: Geldmangel. Tollabox hatte 2014 fast eine halbe Millionen Euro Verlust gemacht – bei 600.000 Euro Umsatz. Bitter war die Pleite auch für die 600 Crowdinvestoren...

(Foto: dpa)
Returbo (Oktober 2016)
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Rund 1,1 Millionen Euro steckten mehr als 1000 Anleger in den einstigen Crowd-Star Returbo, dessen Gründer ihr Projekt damals auf der Plattform von Companisto.de eingestellt hatten. Die Idee dahinter: Retouren, Fehlproduktionen und B-Ware von Online-Shops weiterverkaufen. Im Oktober meldete das Berliner Start-up dann nach einem Absatzeinbruch Insolvenz an. Die Anleger gingen allesamt leer aus. Im Januar 2017 kündigte das Rocket-Start-up Home24.de an, Returbo für 17.000 Euro zu kaufen und die 33 Mitarbeiter zu übernehmen.
(Foto: Companisto.com)

Front Row Society (Oktober 2016)
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Design-Entwürfe und eine Community, die darüber abstimmt – das war das Konzept der Online-Modeplattform Front Row Society. Anlegern war das Berliner Mode-Start-up 500.000 Euro wert. Inzwischen ist die Firma insolvent, Ende Oktober 2016 meldete die Plattform Zahlungsunfähigkeit an.
(Foto: Screenshot)

Und wie geht es nun mit dem Iran weiter? Bereits Mitte Juni 2018 hat das Bundesministerium für Wirtschaft eine Kontaktstelle Iran eingerichtet, an die sich Unternehmen bei Fragen wenden können. Bisher sind die geltenden europäischen Sanktionserleichterungen unverändert in Kraft – die weitere Entwicklung auch mit dem neuen Finanzierungsvehikel bleibt abzuwarten.

Ebenfalls in Kraft bleiben Exportkreditgarantien sowie Investitionsgarantien des Bundes. Derzeit sind noch keine Gespräche über Entschädigungen deutscher Unternehmen durch den Bund geplant. Forderungen liegen noch nicht vor.

Das wichtigste Thema von im Iran aktiven Unternehmen sind derzeit ohnehin nicht die fehlenden Hermes-Bürgschaften oder mögliche Entschädigungszahlen: „Das größte Problem ist es, eine Geschäftsbank zu finden, über die Transaktionen für legale Iran-Geschäfte abgewickelt werden können“, sagt Dagmar von Bohnstein, Delegierte der Deutschen Wirtschaft in Iran und Mitarbeiterin des Deutschen Industrie- und Handelskammertags.

Eine Lösung ist ohnehin nur im Rahmen der Europäischen Union möglich. Die neu gegründete Zweckgesellschaft ist ein erster Schritt.

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