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Finanzierung Crowdinvesting kommt in Schwung – Mittelständler dominieren Nachfrage nach Schwarmkapital

Dank gelockerter Regulierung blüht die Crowd-Finanzierung auf. Nach Start-ups entdecken zunehmend etablierte Mittelständler das Segment.
13.12.2019 - 10:17 Uhr Kommentieren
Beim Crowdlending („crowd“ ist englisch und heißt übersetzt „Schwarm“) sammeln Marktplätze Geld von Anlegern, um es nach Bonitätsprüfung Unternehmen zur Verfügung zu stellen. Quelle: Imago
Schwarmintelligenz

Beim Crowdlending („crowd“ ist englisch und heißt übersetzt „Schwarm“) sammeln Marktplätze Geld von Anlegern, um es nach Bonitätsprüfung Unternehmen zur Verfügung zu stellen.

(Foto: Imago)

Düsseldorf Otmar Michaeler kennt Bankberater fast nur noch aus der Werbung. Denn wenn sein Unternehmen frisches Kapital zur Finanzierung seiner Wachstumspläne benötigt, geht der CEO der FMTG – Falkensteiner Michaeler Tourism Group – nicht mehr zu seiner Hausbank, sondern einfach online.

Der Betreiber von Luxushotels in Österreich, Italien und Osteuropa hat sich bereits viermal Wachstumskapital aus der Crowd besorgt, zuletzt im Oktober. Insgesamt hat die Hotelgruppe aus Wien auf der Finanzierungsplattform Finnest dabei rund 13,2 Millionen Euro von überwiegend privaten Anlegern eingesammelt, darunter auch viele aus Deutschland.

„Unternehmen, die wiederkommen, sind ein Beweis dafür, dass Crowdinvesting für sie funktioniert und dass das Instrument im Markt für Unternehmensfinanzierungen angekommen ist“, sagt Günther Lindenlaub, COO der Invesdor Group, zu der auch Finnest gehört.

Nach einer gemächlichen Startphase kommt Crowdinvesting in Deutschland langsam in Schwung. Das Informationsportal Crowdfunding.de hat errechnet, dass deutsche Privatanleger im vergangenen Jahr 297 Millionen Euro in Crowd-Projekte investiert haben – ein Plus von 50 Prozent im Vergleich zu 2017.

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    Tatsächlich dürften die Zahlen deutlich höher liegen: So sind die Umsätze von Finnest in dieser Statistik nicht enthalten. Seit Ende 2015 haben die Wiener nach eigenen Angaben im deutschsprachigen Raum mehr als 70 Millionen Euro vermittelt.

    Anfangs waren es vor allem Start-ups, die sich um Schwarmkapital beworben haben. Mittlerweile jedoch dominieren mittelständische Unternehmen wie Falkensteiner oder die Frankfurter Fahrradschmiede Storck Bicycle die Nachfrage.

    Auch die eingesammelten Volumen steigen: Während die durchschnittliche Finanzierungssumme bei Finnest in den Anfangsjahren bei rund 500.000 Euro lag, liegt der Betrag mittlerweile bei mehr als dem Doppeltem. „Crowd-Investoren haben inzwischen wesentlich breitere Auswahlmöglichkeiten als noch vor wenigen Jahren“, sagt Lindenlaub über die Vorteile aus Anbietersicht.

    Auch wenn der klassische Bankkredit im deutschen Mittelstand das beliebteste Finanzierungsinstrument ist und bleibt, sprechen auch andere Argumente für die Alternative Crowd-Kapital: Der Gesetzgeber zählt die Mittel zum eigenkapitalähnlichen Mezzaninekapital. Das schont im Gegensatz zum Kredit die Bilanz des Emittenten und eröffnet ihm weiteren Finanzierungsspielraum.

    Saubere Bilanz

    Auch der bislang gute Track-Record spricht für einen weiteren Aufschwung bei der Schwarmfinanzierung: „Fälle von Betrug oder Missbrauch sind im Bereich der Schwarmfinanzierung in Deutschland bisher nicht vorgekommen – anders als zum Beispiel bei Kryptowährungen“, sagt Tobias Riethmüller, Rechtsanwalt und Partner bei der Wirtschaftskanzlei GSK Stockmann in Frankfurt am Main. „Damit bewährt sich das gesetzgeberische Konzept, nachdem eine unabhängige Plattform als Gatekeeper eingebunden werden muss, damit die Prospektbefreiung genutzt werden kann.“

    Seit Mitte dieses Jahres erlaubt der Gesetzgeber zudem, dass ein Crowd-Emittent binnen zwölf Monaten sechs Millionen Euro statt zuvor 2,5 Millionen Euro durch eine Paragrafenänderung einwerben darf, ohne dass er dafür einen aufwendigen und teuren Verkaufsprospekt erstellen muss. „Zudem dürfen neben Nachrangdarlehen und Crowdlending-Darlehensforderungen nun auch Genussrechte auf diese Weise emittiert werden“, sagt Riethmüller. Nur bei GmbH-Anteilen hält der Gesetzgeber weiter den Deckel drauf.

    Für Anleger brachte die Gesetzesreform ebenfalls Veränderungen: Statt bisher 10.000 Euro darf ein Investor jetzt bis zu 25.000 Euro in ein Engagement stecken, wenn er oder sie über ein hohes Einkommen oder Vermögen verfügt. Für Rechtsexperte Riethmüller ist dieses Limit nicht nachvollziehbar: „Solche Restriktionen gelten in keinem anderen Marktsegment.“

    Mehr: Das Immobilien-Crowdinvesting erfreut sich wachsender Beliebtheit. Der Platzhirsch Exporo geht bei der Finanzierung neue Wege – und setzt auf Tokens.

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