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Firmenübernahme Die Scheu vor dem Verkauf

Deutsche Mittelständler sehen Finanzinvestoren skeptisch. Dabei werden Firmen derzeit hoch bewertet. Trotz der Flaute gibt es aber nach wie vor Hoffnungen auf eine Belebung des Geschäfts.
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Labor von Trumpf Medical Systems: Käufer in den USA gefunden. Quelle: Thomas Ernsting/laif

Labor von Trumpf Medical Systems: Käufer in den USA gefunden.

(Foto: Thomas Ernsting/laif)

FrankfurtDie ganz große Übernahmewelle im Mittelstand – sie ist bisher ausgeblieben. Weder haben die Klagen über eine zu hohe Steuerlast noch politische Themen wie die erste rot-grüne Bundesregierung und schon gar nicht der Generationswechsel in den vergangenen Jahrzehnten zu einer Flut von Transaktionen in Deutschland geführt. Vielmehr gibt es einen stetigen Fluss an Käufen und Verkäufen von mittelgroßen Firmen – wobei global zuletzt mehr Aktivität verzeichnet wurde als im hiesigen Markt.

Weltweit belief sich das angekündigte Volumen an Mergers & Acquisitions (M&A) in den ersten neun Monaten des letzten Jahres bei den Deals bis 500 Millionen Dollar auf 633,2 Milliarden Dollar – das entspricht immerhin einem kräftigen Plus von 22 Prozent. In Deutschland ergab sich dagegen laut den Daten des Informationsdienstleisters Thomson Reuters mit 13,3 Milliarden Dollar ein kleines Minus von 8,2 Prozent. In den Nachbarländern Frankreich und Italien wurden dagegen deutliche Zuwächse verzeichnet. „Die deutschen Mittelständler halten sich derzeit zurück. Ein Grund ist auch die schwierige Anlage von Verkaufserlösen angesichts des Niedrigzinsumfelds“, sagte ein Investmentbanker.

Geld eintreiben in sieben Schritten
Lassen Sie sich nicht narren!
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Offene Forderungen sind nicht nur ärgerlich, sondern gefährden auch die Existenz unzähliger Firmen. Das Creditreform-Magazin.de hat sieben Schritten formuliert, wie Mahnschreiben, Mahnbescheid, Klage und Inkassodienstleister tatsächlich helfen.

(Foto: Getty Images)
Schritt 1: Rechnung schreiben
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Nach Abschluss eines Auftrags - bei Handwerkern nach Abnahme der Leistung - sollten Sie zügig eine prüffähige Rechnung schreiben mit einem konkretem Zahlungstermin. Außer den vertraglich vereinbarten Punkten sollten Sie auch alle Pflichtangaben notieren, die das Umsatzsteuergesetzt verlangt; formale Fehler sind oft Anlass dazu, nicht zu zahlen. Beim Zahlungsziel gilt: Seit Inkrafttreten der EU-Zahlungsverkehrsrichtlinie (2014), dürfen Unternehmen ihren Geschäftspartnern nur noch ein Ziel von maximal 60 Tagen gewähren. Alles andere muss ausdrücklich vereinbart werden. Bei öffentlichen Auftraggebern gilt eine Frist von 30 Tagen.

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Schritt 2: Mängel beseitigen
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Ein häufiger Einwand von Kunden, die ihre Rechnung nicht begleichen, sind Mängel. Sollten die berechtigt sein, müssen Sie sie zunächst umgehend beseitigen.

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Schritt 3: Zahlung kontrollieren
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Es ist zum Verzweifeln, wenn Sie keinen Überblick über Ihre Außenstände haben. Überwachen Sie daher regelmäßig mit einer Excel-Liste, einem Buchführungs- oder einem anderen PC-Programm, welche Rechnungen noch nicht bezahlt sind.

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Schritt 4: Kunden anrufen
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Wenn Ihr Kunde seine Rechnung nicht begleicht, sonst aber eigentlich immer pünktlich gezahlt hat, sollten Sie kurz anrufen, und ihn an die Zahlung erinnern. Bei einem guten Kunden lässt sich bei einem vorübergehenden Liquiditätsengpass ja auch eine Ratenzahlung vereinbaren – aber immer schriftlich mit Schuldanerkenntnis für die Gesamtforderung.

Schritt 5: Richtig mahnen
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Verschicken Sie höchstens drei, nicht nummerierte Mahnschreiben und stellen Sie direkt im ersten Brief fest, dass sich der Kunde im Verzug ist. Berechnen Sie 30 Tage nach Erhalt der Ware oder Abnahme der Leistung Verzugszinsen – bei Privatkunden sollten Sie darauf aber nochmal gesondert hinweisen. Aktuell liegt der Verzugszins bei Privatkunden bei fünf, bei Geschäftskunden bei neun Prozentpunkten über dem Basiszinssatz. Außerdem wird nach der neuen EU-Zahlungsverzugsrichtlinie eine Pauschale von 40 Euro fällig.

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Schritt 6: Mahnantrag stellen und klagen
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Einen Anwalt beauftragen oder einen Mahnbescheid beantragen können Sie selbst über Portale wie beispielsweise online-mahnantrag.de. Wenn der Schuldner nicht widerspricht, erlässt das Gericht den Vollstreckungsbescheid – andernfalls geht das Verfahren in eine Klage über. Wenn deutlich wird, dass der Schuldner partout nicht bezahlen will, klagen Sie am besten direkt.

(Foto: Getty Images)

Trotz der Flaute gibt es aber nach wie vor Hoffnungen auf eine Belebung des Geschäfts. „Management und Gesellschafter sind heute aufgeschlossener gegenüber Verkäufen. Teilweise liegt das daran, dass Führungskräfte von außen in Familienunternehmen geholt wurden und die emotionale Bindung zu der Firma geringer geworden ist“, sagt Jeffery H. Perkins, Geschäftsführer der Investmentbank Harris Williams & Co. im Gespräch mit dem Handelsblatt. Die auf den Mittelstand spezialisierte Gesellschaft hatte zuletzt über ihre Niederlassung in der Mainmetropole den Maschinenbauer Trumpf beim Verkauf der Medizintechniksparte an das US-Unternehmen Hill-Rom Holdings beraten. „Unser Ziel war es, einen Partner für Trumpf Medical Systems zu finden, der die gleichen Werte und die gleiche Unternehmenskultur teilt und in der Lage ist, das Geschäft weiterzuentwickeln und Wachstum voranzutreiben“, hatte der damalige Trumpf-Finanzvorstand Harald Völker beim Abschluss der Transaktion erklärt.

Zwar drücken aktuell vor allem die gedämpften Wachstumsaussichten und die zunehmenden geopolitischen Risiken - etwa in der Ukraine und im Nahen Osten - bei den Unternehmern auf das Gemüt. Allerdings verlieren sie darüber ihre strategischen Interessen nicht aus den Augen. „Trotz des schwierigen Umfelds priorisieren 39 Prozent die Expansion in neue Märkte, 34 Prozent Firmenübernahmen und - zukäufe“, heißt es in der jüngsten Umfrage der Beratungsgesellschaft Deloitte unter Finanzvorständen.

Käufer zahlen das Zehn- bis 15-fache

Viele mittelgroße Mittelständler spürten heute, dass sie an Grenzen stoßen. Um weiter wachsen zu können, suchten sie nach Kapital, Partnern oder nach Zukäufen im Ausland, meint Investmentbanker Perkins. Außerdem steckten gerade bei inhabergeführten Firmen oft 75 bis 80 Prozent des Familienvermögens in der Gesellschaft. „Diese Unternehmer überlegen heute, ob sie nicht zumindest einen Teil des Vermögens hinter die Brandmauer bringen sollen. Sie veräußern Firmen oder Konzernteile, die nicht mehr als Kernaktivität gesehen werden, und investieren das Geld nicht selten in andere Unternehmen oder kleinere, innovative Start-ups“, hat Perkins beobachtet.

Ferner habe man in den vergangenen fünf Jahren eine Professionalisierung und ein anhaltendes Wachstum in der Zahl der Family Offices wahrgenommen, die die Vermögen großer Familienstämme oder von Stiftungen managen. Diese suchten mittlerweile verstärkt und sehr aktiv nach Direktinvestitionen in mittelständische Unternehmen, erklärt Perkins, der in Heidelberg studiert hat und Deutsch fließend beherrscht, was bei Verhandlungen im Mittelstand immer noch hilfreich ist.

Wegen des relativ überschaubaren Angebots an Übernahmeobjekten und angesichts günstiger Finanzierungsbedingungen sind die Preise für mittelständische Firmen oder Konzernteile wieder in die Nähe der Höchstpreise vor der Finanzkrise 2008 gerückt. Käufer zahlen nicht selten das Zehn- bis 15-fache des operativen Gewinns vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen.

Besonders aktiv sind derzeit die strategischen Käufer - also Industrieunternehmen oder Dienstleister. „Sie sind aufgrund zu erwartender Synergien und weiteren Umsatzwachstums durch die Zusammenlegung der Unternehmen in der Regel bereit und in der Lage, einen deutlich höheren Preis zu zahlen als Finanzinvestoren“, sagt Perkins, der im Wettbewerb steht mit Investmentbankern von Rothschild, Lazard, Baird und Lincoln International. Bevorzugte Branchen sind für ihn die Bereiche Energie, Maschinenbau, Medien und Elektronik.

Finanzinvestoren haben es derzeit schwer, gegenüber Strategen zu punkten. „Eigentlich müssten dringend Gelder investiert werden, aber die hohen Kaufpreiserwartungen und die gut gefüllten Kassen der Strategen hemmen die im Grunde positiven Rahmenbedingungen“, sagt Tobias Schneider, Partner bei der Kanzlei CMS Hasche Sigle. Deshalb rechnen Beobachter damit, dass Private-Equity-Häuser eher als Verkäufer auftreten werden. In den kommenden beiden Jahren dürften so vermehrt Unternehmen aus den Portfolios von Finanzinvestoren auf den Markt kommen. „Bisher waren die Preiserwartungen der Finanzinvestoren zu hoch, aber in den kommenden 24 Monaten wird der Druck steigen, aus den Firmen auszusteigen“, glaubt Perkins. Zur Belebung des Geschäfts benötige der Markt vor allem „Primaries“, also Transaktionen, bei denen erstmals ein Unternehmen von einem Finanzinvestor übernommen wird. Bei „Secondaries“ unter der Regie von Finanzinvestoren müsse es seitens des Unternehmens dagegen schon eine sehr gute Strategie für Wachstum geben, damit die Investitionen sich überhaupt rechnen.

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