Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Gründer treffen auf Investoren „Feilschen wie auf dem Basar“

Ein Start-up zu gründen gilt als cool. Doch bei der Suche nach Geldgebern kommen die Gründer in der Realität an: Wie viel ist mein Start-up wert? Wie viel Einfluss muss ich abgeben? Zieht uns der Investor über den Tisch?
Kommentieren
Wenn Gründer und Investoren zusammenkommen, wird um Geld und Anteile gefeilscht.
Basar-Atmosphäre

Wenn Gründer und Investoren zusammenkommen, wird um Geld und Anteile gefeilscht.

Düsseldorf „Nach Gelde drängt, am Gelde hängt doch alles – das gilt auch für Start-ups.“ Mit diesem Faust-Zitat eröffnet Düsseldorfs Oberbürgermeister Thomas Geisel das Treffen zwischen Gründern und Investoren. Die Beratung EY hat während der Start-up-Woche in die Sky Lounge im GAP 15 in Düsseldorf geladen.

Acht handverlesene Start-ups dürfen sich im 23. Stock mit Panaromablick über die Stadt am Rhein präsentieren. Denn sie wollen alle hoch hinaus. So sind auch die meisten der Gründer an diesem Abend im dunklen Sakko oder Anzug erschienen – statt in der „Gründeruniform“ Hoodie und Sneakers. Sie wollen als seriöse Geschäftsleute rüberkommen. Von den Investoren im Publikum möchten sie schließlich Millionen haben. Und das für Geschäftsideen, die oft noch keinen Cent Umsatz einspielen.

Gründer Bruno Ginnuth von Clevershuttle, dunkle Brille, dunkler Anzug, ist extra aus Berlin angereist. Der 32-jährige Betriebswirt ist doch ein bisschen nervös vor dem Auftritt. Dabei hat sein Unternehmen, der Tür-zu-Tür-Shuttledienst, den sich Fahrgäste teilen, schon renommierte Investoren an Bord. Die Deutsche Bahn etwa hält 20 Prozent, zwei Family Offices darunter Familie Unger zusammen 15 Prozent. Nun möchte Clevershuttle seine Fahrdienste in weiteren Städten anbieten und wirbt bei Investoren um fünf Millionen Euro. Damit greift Ginnuth den Taxi-Riesen Uber an.

„Anfangs haben wir Investments mit Business Angels noch per Handschlag besiegelt“, erzählt Ginnuth. „Die Zeiten sind vorbei. Ohne professionelle Rechtsberater, die alle Verträge genau prüfen, geht es heute nicht mehr.“ In der Frühphase sei jedes Start-up froh, wenn überhaupt ein Investor Interesse zeige. Doch sollten unerfahrene Gründer unbedingt mehrere Angebote einholen, rät Ginnuth. Seine Erfahrung: „Wenn es um den Preis für ein Start-up geht, feilschen Investoren wie auf einem Basar.“ Ein Interessent hatte Clevershuttle ein fast schon „unmoralisches Angebot“ weit unter dem angepeilten Preis vorgelegt. „Das haben wir rigoros abgelehnt.“

Aber wie lässt sich der Unternehmenswert eines Start-ups überhaupt errechnen? Darüber scheiden sich die Geister. Schließlich macht die Jungfirma oft noch keine Umsätze, hat hohe Ausgaben und bietet ein neuartiges Geschäftsmodell an, für das es noch gar keinen Markt gibt.

„Um den Wert eines so jungen Unternehmens festzustellen, gibt es leider keine Faustformel“, konstatiert Fritz Oidtmann, Geschäftsführer des Wagniskapitalgebers Acton Capital Partners aus München. In Düsseldorf hält er Ausschau nach vielversprechenden Start-ups. Der Investor zieht deshalb vergleichbare Unternehmen derselben Branche heran. Bei Softwaredienstleistern mit Abo-Modellen etwa berücksichtigt Acton den monatlich wiederkehrenden Umsatz.

Venture Capital-Firmen bewerten Geschäftsmodelle häufig nach solchen spezifischen Leistungskennzahlen, den Key Performance Indicators (KPI). Die Gretchenfrage aller Investoren lautet jedoch: Ist das Geschäftsmodell skalierbar? Lässt es sich auf andere Länder oder Kunden beliebig ausweiten – oder ist der Markt von vornherein eng begrenzt?

Die besten Städte für Londoner Start-ups
Geeignete Städte für Londoner Start-ups
1 von 11

Welche Städte eignen sich für Londoner Start-ups? Anhand verschiedener Kriterien – unter anderem Abgaben, Mietpreise, Kapitalverfügbarkeit, Lebenshaltungskosten, Englisch-Freundlichkeit und Entfernung nach London – hat das Online-Umzugsunternehmen Movinga in einer Studie die attraktivsten Städte für Londoner Start-up-Mitarbeiter ermittelt. Die Top Ten im Überblick.

(Foto: Imago)
Platz 10: München
2 von 11

Aufgrund der hohen Mietpreise und Lebenshaltungskosten ist es erstaunlich, dass es die bayrische Landeshauptstadt in die Top Ten der attraktivsten Städte für Londoner Start-up-Mitarbeiter geschafft hat: Für ein 25 Quadratmeter großes WG-Zimmer in Stadtnähe werden laut Untersuchung 695 Euro fällig. Der Preis für eine Monatskarte für den Nahverkehr kostet 64,45 Euro und liegt damit deutlich über dem Durchschnitt der verglichenen EU-Metropolen. Punkten kann München allerdings bei Londonern damit, dass dort mehr als jeder Zweite Englisch spricht und es in der Stadt 51 Co-Working-Arbeitsräume gibt.

(Foto: dpa - picture-alliance)
Platz 9: Amsterdam
3 von 11

In der niederländischen Hauptstadt sprechen neun von zehn Bürgern Englisch – damit hat Amsterdam im Ranking die zweithöchste Rate an englischsprachiger Bevölkerung in einem nicht-englischsprachigen Land. Und: Die Stadt ist nur etwas mehr als eine Flugstunde von London entfernt. Allerdings sind die Lebenshaltungskosten dort vergleichsweise hoch: Der durchschnittliche Mietpreis für ein WG-Zimmer in Stadtnähe liegt bei mehr als 731 Euro, eine Monatsticket für den Nahverkehr kostet 90 Euro und für ein Mittagessen werden im Schnitt sieben Euro fällig, für einen halben Liter Bier 4,50 Euro.

(Foto: dpa - picture-alliance)
Platz 8: Dublin
4 von 11

In Dublin ist die Monatskarte für den Naheverkehr mit 122 Euro am teuersten. Und auch die Mietpreise und Lebenshaltungskosten könnten für Londoner Start-up-Mitarbeiter ein teures Vergnügen werden. Die Miete für ein 25 Quadratmeter großes Zimmer beträgt im Durchschnitt etwas mehr als 485 Euro, ein Mittagessen kostet im Mittel etwa acht Euro und ein halber Liter Bier fünf Euro. Immerhin: Dublin ist nur 75 Flugminuten von London entfernt und der Steuersatz von 32 Prozent für Arbeitnehmer in der unteren bis mittleren Einkommensklasse ist weder überdurchschnittlich hoch noch niedrig.

(Foto: Reuters)
Platz 7: Lissabon
5 von 11

Britische Start-ups sollten sich gut überlegen, ob sie nach dem EU-Austritt ihren Unternehmenssitz nach Lissabon verlegen: Die Kapitalverfügbarkeit fällt dort laut Untersuchung im Vergleich zu anderen Städten eher mau aus, nur wenige Menschen sind dort der englischen Sprache mächtig und die portugiesische Stadt ist mehr als zweieinhalb Stunden von London entfernt. Punkten kann Lissabon allerdings mit niedrigen Lebenshaltungskosten: Ein Montagsticket für den Nahverkehr kostet 40 Euro, ein Mittagessen bekommt man dort schon für 5,83 Euro und einen halben Liter Bier für 1,50 Euro.

(Foto: dpa - picture-alliance)
Platz 6: Bratislava
6 von 11

In keiner der verglichenen Metropolen ist die Miete für ein WG-Zimmer so günstig wie in der slowakischen Hauptstadt: Für 25 Quadratmeter Wohnraum werden monatlich etwa 231 Euro fällig. Und auch die Kosten für Nahverkehr-Monatsticket, Fitnessstudio-Mitgliedschaft, Mittagessen und Bier liegen in Bratislava deutlich unter dem Durchschnitt. Bei der Kapitalverfügbarkeit belegt die osteuropäische Stadt allerdings den letzten Platz.

(Foto: dpa)
Platz 5: Barcelona
7 von 11

Die spanische Stadt punktet bei Londoner Start-up-Mitarbeitern vor allem mit geringen Abgaben: Der Steuersatz für Arbeitnehmer der unteren bis mittleren Einkommensklasse liegt dort bei 28 Prozent. Und auch bei der Kapitalverfügbarkeit schneidet Barcelona im Vergleich gut ab. Wer jedoch einen Umzug in die Stadt plant, sollte vorab Spanisch lernen: Laut Studie spricht dort nur etwa jeder Fünfte Englisch.

(Foto: dpa - picture-alliance)

Acton hat seit 1999 rund 65 internet-basierte Start-ups mit mehr als 350 Millionen Euro gefördert. Meist werden drei bis zehn Millionen Euro für Anteile zwischen zehn und 25 Prozent investiert. Zu den Beteiligungen zählen Etsy, Home24, Finanzcheck und Windeln.de. „Eines unserer erfolgreichsten Investments war MyTheresa“, erzählt er. Die Online-Plattform für Luxusmode wurde 2014 von der US-Gruppe Neiman Marcus übernommen.

Acton steigt erst dann in Start-ups ein, wenn das Geschäftsmodell bereits funktioniert. Die absolute Umsatzgröße sei dabei nicht notwendigerweise entscheidend. „Wichtiger ist, ob das Unternehmen in seinem spezifischen Markt schnell, profitabel und nachhaltig wachsen und sich damit eine führende Position erarbeiten kann“, sagt Oidtmann. Am Ende müssten Kopf- und Bauchgefühl stimmen. „Die Geschäftsmodelle sind so neu, wir müssen an den Erfolg glauben, wenn wir einsteigen.“

Zu hoch gepokert und verbrannt
Seite 123Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Gründer treffen auf Investoren - „Feilschen wie auf dem Basar“

0 Kommentare zu "Gründer treffen auf Investoren: „Feilschen wie auf dem Basar“"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote