Gründer treffen auf Investoren „Feilschen wie auf dem Basar“

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Unabhängigkeit geht verloren

Wichtig ist auch, für welche Art von Investoren sich ein Start-up entscheidet. Da sind die Unterschiede größer als viele Gründer denken. „Die meisten Venture-Capital-Firmen handeln naturgemäß opportunistisch“, sagt Bruno Ginnuth von Clevershuttle. Schließlich sei das Ziel, beim späteren Verkauf der Anteile möglichst viel Profit für die Anleger herauszuholen. Für Family Offices, also die Investitionsarme von Familienunternehmern, stehe das Vertrauensverhältnis zu den Gründern ganz oben. „Mit ihnen geht es sehr persönlich zu“, so Ginnuths Erfahrung. Einem strategischen Investor wiederum gehe es vorrangig um Synergien. Mit der Deutschen Bahn, die ein Fünftel an Clevershuttle hält, hat Ginnuth gute Erfahrungen gemacht. Für ein Start-up seien Kontakte des Investors etwa zu Kunden oft noch viel wertvoller als das eingebrachte Kapital.

Es sei ein großer Irrtum zu glauben, ein Start-up müsse schnell wachsen und dafür Geld aufnehmen. Davon ist Rolf Schrömgens, einer der drei Gründer von Trivago fest überzeugt. Das Düsseldorfer „Google für Hotels“, das seit Dezember an der Nasdaq gelistet ist, sammelte anfangs rund 700.000 Euro von Unternehmern wie den Samwer-Brüdern, Oliver Jung, Florian Heinemann oder Christian Vollmann ein. „Als Mentoren waren sie hilfreich. Aber das Geld hat uns nicht besonders gutgetan“, sagte Schrömgens jüngst dem Handelsblatt.

Als Gründer spüre man Druck, den Investoren etwas vorweisen zu müssen, schneller zu wachsen. „Wir haben Leute eingestellt, einfach zu viele neue Baustellen aufgemacht, die aber nicht unser Kerngeschäft waren“, sagt er rückblickend.

Start-ups brauchen nicht automatisch Investoren. Viele können auch gut aus Eigenmitteln organisch wachsen. Beim Bootstrapping (übersetzt: Stiefelriemen) ziehen sich Gründer aus eigener Kraft nach oben. Axel von Leitner, Gründer von 42he, ist ein überzeugter Bootstrapper. Sein Unternehmen wurde 2010 in Köln gegründet und vereinfacht die Kundenverwaltung für kleine Unternehmen. Es wächst profitabel – auch ohne Investor. „Ein Investor bringt zwar Kapital für schnelleres Wachstum. Aber als Gründer muss man Anteile und Einfluss abgeben und steht erheblich unter Druck“, sagt von Leitner. Expandieren kann 42he trotzdem – derzeit in den spanischen Markt.

Auch der Düsseldorfer Telefondienstleister Sipgate, ein Pionier der Virtuellen Telefonie, ist immer aus eigenen Mitteln gewachsen; ganz bewusst. „Wir waren niemals abhängig von irgendjemandem. Das macht uns stark“, ist Manager Sigurd Jaiser überzeugt. Heute ist das profitable Sipgate der Start-up-Phase längst entwachsen, beschäftigt 125 Mitarbeiter und macht 20 Millionen Euro Umsatz.

Andere Gründer sind zwar bereit, Anteile gegen Geld abzugeben, wollen aber keine Entscheidungsmacht verlieren. Für diese bietet sich eine andere Finanzierungsform an: das Crowdfunding. Dabei kauft eine große Schar von meist mehreren hundert Kleininvestoren Mini-Anteile. Das Heidelberger Start-up Ameria, das Schaufenster interaktiv macht, hat gerade zum zweiten Mal eine Kampagne bei der Crowdfunding-Plattform Companisto laufen. Beim ersten Mal wurden 1,1 Millionen Euro eingesammelt, nun sind es 1,4 Millionen Euro. Schon nach wenigen Tagen war die anvisierte Summe erreicht. „Der Vorteil von Crowdfunding ist, dass die Gesellschafterstruktur unverändert bleibt und wir so immer schlanke Entscheidungsprozesse haben“, sagt Gründer Albrecht Metter.

Bruno Ginnuth von Clevershuttle ist nach dem Investorenabend in Düsseldorf zumindest um etliche Visitenkarten reicher. Zwei bis drei Investoren haben Interesse signalisiert. Ernst wird es aber erst, wenn es wirklich zu intensiven Verhandlungen kommt. Ginnuth: „Dann müssen wir uns als Gründer nackig machen. Schließlich vertrauen uns die Investoren ja ihr gutes Geld an.“

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