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Handelsschranken Geschäfte in Zeiten der EU-Sanktionen

Das Handelsembargo gegen Russland trifft viele Mittelständler hart. Doch nicht alle Handelsschranken sind geschlossen – es gibt Wege, mit den Firmen vor Ort im Gespräch zu bleiben.
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Moskau: Nicht alle Handelsschranken sind geschlossen. Quelle: dpa

Moskau: Nicht alle Handelsschranken sind geschlossen.

(Foto: dpa)

DüsseldorfDie junge Geschichte des Windenergiespezialisten FWT aus dem Westerwald beginnt mit einer fulminanten Pleite. Nach der Insolvenz des Windkraftpioniers Fuhrländer AG Ende 2012 übernahm FWT Teile der Technologie und bestehende Geschäftskontakte ins Ausland. „Darunter war auch eine enge Zulieferkooperation mit einem Werk für Windkraftanlagen in der Ukraine“, sagt Henning Zint, der bei FWT Marketing und Vertrieb verantwortet. Die Zusammenarbeit mit den osteuropäischen Partnern begann zunächst vielversprechend, doch die rasante Zuspitzung der politischen Lage und die gegenseitigen Sanktionen zwischen der Europäischen Union und Russland sorgten vorerst für einen Stopp des Geschäfts - zumindest in der Ukraine.

Für die Rheinland-Pfälzer kein Grund, gleich alle Brocken im Osten hinzuwerfen. Die Beziehung zum ukrainischen Partner ist so gut und gefestigt, dass FWT nun als dessen Subunternehmer Kasachstan erschließt und dort ein Vorzeigeprojekt für die Weltausstellung Expo baut, die 2017 in der Hauptstadt Astana stattfinden soll. Aktuell führt FWT Verhandlungen über einen weiteren Windpark im dreistelligen Millionen-Euro-Bereich. Bei der Finanzierung helfen die Landesbank Berlin und eine Euler-Hermes-Deckung.

Das Beispiel FWT zeigt: Trotz der anhaltenden Spannungen und Sanktionen sind im Osten Europas nicht alle Handelsschranken geschlossen. Das gilt selbst sogar für Russland: Während deutsche Auto- und Maschinenbauer, aber auch die Hersteller von Nahrungs- und Futtermitteln unter den Handelshemmnissen ächzen, herrscht bei Unternehmen anderer Branchen dennoch oft business as usual. „Die Absicherung und die Finanzierung von deutschen Exporten nach Russland sind auch nach Verhängung der EU-Sanktionen vom September möglich“, meint Piotr Napolski, Osteuropaexperte der WGZ Bank.

Die exportierten Waren dürfen nur nicht auf der Verbotsliste stehen. Erlaubt sind weder Waffen noch Güter und grundsätzlich Technologien, die zugleich zivil wie auch militärisch genutzt werden könnten. Auch Technologien, die bei der Ölexploration zum Einsatz kommen, dürfen gegenwärtig nicht exportiert werden.

Der härteste Sanktions-Tüv der Welt

Die Finanzierung wird für mittelständische Unternehmen zum Problem. Denn immer weniger heimische Banken bieten legale Exportfinanzierungen nach Russland an. Die Verschärfung der EU-Sanktionen gegen die russischen Staatsbanken und ihre Tochtergesellschaften mit Sitz außerhalb der Europäischen Union beinhaltet ein Verbot jeglicher Finanzierung mit Laufzeiten von mehr als 30 Tagen.

„Zahlungsverkehr und Exportabsicherungen, wie Akkreditive und Garantien, sind dagegen nicht Gegenstand der Sanktionen“, erklärt Napolski. Sein Haus bietet auch weiter Exportfinanzierungen an. Das ist sogar selbst dann möglich, wenn in die Abwicklung eine sanktionierte russische Staatsbank eingebunden ist.

Da die Sanktionen der USA gegen Russland, aber etwa auch Iran erheblich drastischer ausfallen als die der Europäischen Union, könnten deutschen Lieferanten indes Probleme entstehen, wenn sie mit ihrem russischen oder iranischen Partner in US-Dollar abrechnen.

Wenn deutsche Exporteure in US-Dollar fakturieren wollen, müssen sie folglich nicht nur die Politik der EU, sondern auch die Sanktionsbestimmungen der Vereinigten Staaten beachten. Und die fallen besonders streng aus.

Wie hart die Amerikaner durchgreifen, wenn sie Verstöße deutscher Firmen oder Finanzierer gegen Sanktionsrecht auch nur vermuten, erlebte Frank Hock, Chief Financial Officer der DF Deutsche Forfait: Im Februar wollte eine Unterbehörde des US-Finanzministeriums Verfehlungen des Außenhandelsfinanzierers gegen Iran-Sanktionen ausgemacht haben und legte alle Geschäfte von DF auf US-Dollar-Basis auf Eis.

Mittlerweile konnten die Kölner die Vorwürfe jedoch entkräften: „Wir haben den wohl härtesten Sanktions-Tüv der Welt durchlaufen. Jetzt können wir uns wieder voll auf die Finanzierung von Auslandsgeschäften deutscher Mittelständler konzentrieren“, sagt Hock, „der Bedarf ist sehr groß.“

Vor allem bei der Refinanzierung von Absatzfinanzierungen bis zu zehn Millionen Euro, die immer mehr Firmen ihren ausländischen Partnern anbieten, sieht Hock weitere Wachstumschancen.

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