Bionic Wheel Bot

Der Bionic Wheel Bot von Festo erinnert an einen Droideka, der sich in Zeitlupe bewegt. Vorbild für den achtbeinigen Roboter, der sowohl laufen als auch rollen kann, war allerdings nicht der Kampfroboter aus den Star-Wars-Filmen, sondern eine Wüstenspinne.
(Foto: Festo)

Investitionen in Digitalisierung Künstliche Intelligenz lässt sich auch mieten

Der Mittelstand muss im Zuge von Industrie 4.0 kräftig investieren. Das verschafft vor allem der Leasingbranche Rückenwind.
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DüsseldorfWenn die Mitarbeiter in der Produktion des Maschinenbauers Spieß in Reutlingen Unterstützung brauchen, rufen sie Sawyer. Meist dauert es dann nur ein paar Minuten, bis der elektronische Kollege an ihrem Arbeitsplatz auftaucht. Sawyer ist ein kollaborierender Roboter. Kaum größer als ein kompakter Kühlschrank, bewegt er sich mithilfe von Sensoren, zweier Kameras, die ihm als digitale Augen dienen, und künstlicher Intelligenz eigenständig durch die Produktionshalle.

Mit seinem schlanken, mehrgliedrigen Roboterarm erledigt Sawyer Standardaufgaben und arbeitet seinen menschlichen Kollegen zu. „Weil wir uns unsicher waren, ob sich der Einsatz einer solch neuartigen Maschine auf Dauer rechnet, haben wir Sawyer geleast“, erzählt Spieß-Geschäftsführer Rainer Eberle, der wegen der Neugier von Wettbewerbern seinen richtigen Namen ebenso wenig an dieser Stelle lesen möchte wie den seiner Firma.

Das Besondere an dem Leasingvertrag, den Eberle abgeschlossen hat: Spieß zahlt nur für die effektive Nutzung des Roboters. Ein Telemetriemodul in Sawyer sammelt dazu in Echtzeit die Daten über Einsatzzeiten und Tätigkeiten und übermittelt sie an die Leasinggesellschaft. Die errechnet daraus eine individuelle Rate, die sich am Verschleiß orientiert. Den Vertrag kann Eberle nach zwei Jahren vorzeitig kündigen, sollte sich herausstellen, dass Sawyer nicht ausreichend genutzt wird. Oder es kommt ein technisch leistungsfähigeres Modell auf den Markt, das ihn ersetzt.

Nutzungsabhängige Zahlungsmodelle, auch Pay-per-use oder Pay-per-save genannt, liegen beim Leasing im Trend. Immer mehr Gesellschaften bieten solche flexiblen Verträge an, beobachtet Horst Fittler, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Deutscher Leasing-Unternehmen (BDL). Die Anbieter nutzen damit die Möglichkeiten der Digitalisierung, um das bewährte und gleichzeitig beliebte Finanzierungsinstrument frisch und attraktiv zu halten.

Nach Jahren der Zurückhaltung investiert der deutsche Mittelstand, die wichtigste Kundengruppe der Leasingbranche, endlich wieder mehr. Mieten statt kaufen ist dabei so gefragt wie nie. Fast 55 Prozent der außenfinanzierten Investitionen haben deutsche Unternehmen im vergangenen Jahr per Leasing realisiert. Ein neuer Rekordwert.

Starker Wettbewerb

Allerdings stehen die Leasinggesellschaften zunehmend unter Wettbewerbsdruck. Der Markt ist umkämpft. Banken machen mit günstigen Krediten Konkurrenz. Mit neuen Ideen wollen die Gesellschaften Kunden halten. „Die Leasingbranche profitiert zweifellos von den guten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Aber das billige Geld der Europäischen Zentralbank und die niedrigen Zinsen drücken auf Margen und Erträge der Leasingfirmengesellschaften“, sagt Fittler. „Dazu gilt es, immer neue Vorschriften zu beachten.“

Von dem neuen Bundesfinanzminister erhofft sich der BDL-Hauptgeschäftsführer an anderer Stelle Unterstützung. „Die Afa-Tabellen wurden seit über fast 20 Jahren nicht mehr angepasst und entsprechen längst nicht mehr den tatsächlichen Technologiezyklen“, kritisiert Fittler. Kürzere Abschreibungsfristen würden Investitionen attraktiver machen.

Bislang punkten Leasingfirmen bei ihren Unternehmenskunden vor allem dann, wenn es um Investitionen in digitale Projekte geht. Statt starrer Raten und fester Laufzeiten, die einen fiktiven Restwert des Investitionsguts am Ende des Vertrags unterstellen, können sie flexible Laufzeiten und Raten anbieten, die sich an der tatsächlichen Nutzung des Leasinggegenstands orientieren.

Leasing gewinnt durch die Digitalisierung noch mehr an Dynamik“, ist sich Johannes Anschott, Vorstandsmitglied der Commerz Real und dort unter anderem verantwortlich für das Leasinggeschäft, daher sicher. 31 Milliarden Euro planen deutsche Unternehmen nach Berechnungen der Unternehmensberatung PwC bis zum Jahr 2020 in ihre Digitalisierung zu investieren. Und eine Umfrage der KfW unter Unternehmen im vergangenen Jahr kommt zu dem Ergebnis, dass 40 Prozent aller deutschen Unternehmen über alle Umsatzgrößen hinweg für die kommenden zwei Jahre Digitalisierungsprojekte planen.

Leasing hat aber auch Nachteile
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