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Minuszinsen Kredit aufnehmen und Geld dafür bekommen? KfW will Negativzinsen weitergeben

Privatkunden müssen sich an Minuszinsen für ihr Erspartes gewöhnen. Im Gegenzug könnten Förderbanken bald Kredite mit negativen Sätzen vergeben.
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Die Förderbank kann sich selbst aktuell Geld zu negativen Zinssätzen leihen. Quelle: dpa
KfW in Frankfurt am Main

Die Förderbank kann sich selbst aktuell Geld zu negativen Zinssätzen leihen.

(Foto: dpa)

Frankfurt, Erfurt Es ist wohl der Traum eines jeden Kreditnehmers: ein Darlehen aufnehmen und am Ende dafür sogar noch Geld bekommen. Die absurde Welt der Minuszinsen sorgt dafür, dass diese scheinbar paradoxe Idee gar nicht mehr so abwegig ist.

Die staatliche Förderbank KfW bringt sie ein Stück weiter in Richtung Realität: Vorstandschef Günther Bräunig will künftig auch Privatleute und Mittelständler von den Negativzinsen profitieren lassen, zu denen sich die KfW selbst Geld leihen kann.

Andere Förderbanken bereiten sich auf eine ähnliche Strategie vor. Auch im Lager von Privatbanken, Sparkassen und Genossenschaftsinstituten sind negative Sätze für Kredite längst ein Diskussionsthema. Aber noch halten viele Banker echte Minuszinsen für Firmenkundenkredite und Baufinanzierungen für unwahrscheinlich.

Die Überlegungen der Förderbanken zeigen, dass negative Zinssätze längst kein vorübergehendes Phänomen mehr sind. Seit die Europäische Zentralbank (EZB) im September die Strafsätze auf Einlagen der Banken auf absehbare Zeit festgeschrieben hat, ist klar, dass sich die Geldhäuser auf Dauer in der Welt der Minuszinsen einrichten müssen.

Darauf reagieren die Banken: Von Unternehmen und Finanzdienstleistern fordern die meisten Institute bereits seit geraumer Zeit sogenannte Verwahrgebühren für ihre Einlagen. Auch im Privatkundengeschäft sprechen immer mehr Banken ihre Klienten an, um mit ihnen über Minuszinsen für Giro- und Tagesgeldkonten zu sprechen. In den meisten Fällen räumen die Institute den Kunden dabei noch Freibeträge von beispielsweise 100. 000 Euro ein.

Bei der Vergabe von Krediten haben Deutschlands Banken das Thema negative Zinsen bislang weitestgehend umschifft. Mit der Offensive der Förderbanken gerät aber nun auch dieses Tabu in Gefahr. „Wenn wir nicht aufpassen, dann frisst sich das Thema Minuszinsen tief in der Bankenwelt fest, mit ernsten Folgen für das Finanzsystem“, warnt ein deutscher Spitzenbanker.

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Die KfW will ihre Förderkredite künftig noch günstiger an Wohnungskäufer, Mittelständler und Kommunen vergeben. „Es ist unausweichlich, wir müssen uns auf die Vergabe von Förderkrediten zu negativen Zinsen vorbereiten“, sagte KfW-Chef Bräunig am Mittwoch in Frankfurt. Die KfW wolle ihre IT-Systeme so umstellen, dass sie ihre Fördermittel künftig auch zu Minuszinsen weiterleiten könne, sagte Bräunig. Bislang ist das technisch nicht möglich.

Probleme mit der Technik

Beim aktuellen Zinsniveau führt das noch nicht automatisch zu Negativzinsen für die Kunden: Die Banken dürfen nämlich noch eine Marge auf die günstigen Fördermittel der KfW aufschlagen, bevor sie sie an die Kunden weiterreichen. Diese Margen sind zwar nach oben gedeckelt. Aber beim aktuellen Zinsniveau würden Kunden nach Berechnung von Bräunig noch immer einen leicht positiven Zinssatz zahlen müssen. Günstiger als vorher wird der Kredit dadurch aber auf jeden Fall.

Damit das System der Negativzinsen funktioniert, müssen aber nicht nur die KfW, sondern auch die Banken, die die Förderkredite weiterreichen, an ihren IT-Systemen schrauben. Die staatliche Förderbank vergibt Darlehen nämlich nicht direkt an Endkunden. Wer einen KfW-Kredit will, muss ihn bei seiner Hausbank beantragen. Deshalb müssen auch Banken und Sparkassen ihre Technik anpassen.

Das System funktioniert so: Die KfW kann sich zu sehr viel günstigeren Konditionen Geld leihen als normale Banken, weil hinter der Förderbank die Bundesrepublik Deutschland steht. Aktuell bekommt die KfW Geld sogar zu Negativzinsen, das heißt, sie zahlt weniger zurück, als sie sich geliehen hat.

Das am Kapitalmarkt geliehene Geld verleiht die KfW dann an normale Banken. Die Hausbanken schlagen auf die günstigen KfW-Fördermittel eine Marge auf und reichen die KfW-Kredite – zuzüglich der Marge – an ihre Kunden weiter. Bei Wohnungsbaukrediten beträgt die Marge 0,75 Prozentpunkte, bei Mittelstandskrediten sind es abgestuft nach Bonität 0,75 bis zwei Prozentpunkte.

Bräunig ist die Umstellung wichtig: Die KfW wolle auch künftig ihre günstigen Refinanzierungskonditionen an Mittelständler oder Häuslebauer weitergeben. „Im Moment können und tun wir es nicht“, räumt Bräunig ein. Denn technisch ist es bislang nur möglich, günstigenfalls zum Nulltarif Geld weiterzuleiten. „Da wir im Moment nicht zu Negativzinsen Geld ausleihen können, stockt das Geschäftsmodell. Wir müssen diese Technik bereitstellen.“

Bereits im ersten Quartal 2020 will die KfW mit einer Übergangslösung die Negativzinsen im Fördergeschäft einführen. Zwar wird die Umstellung der IT-Systeme nach Einschätzung des Vorstandschefs noch ein Jahr benötigen. Doch ab dem ersten Quartal will die Staatsbank sich mit einer Zwischenlösung behelfen.

Die Banken werden dabei zwar auch nur zum aktuell minimal möglichen Nullzins finanziert, doch die Kunden erhalten zusätzlich Tilgungszuschüsse. Dadurch werden die Konditionen auch schon vor der IT-Umstellung günstiger.

Der Handelsblatt Expertencall
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